ING senkt Freibeträge: Das Ende der Strafzins-Ära?

Anne Mareile Walter Berater Investmentfonds

Als erstes Kreditinstitut schafft die Direktbank ING Deutschland die Verwahrentgelte für Privatkunden faktisch ab. Der Dominoeffekt könnte erheblich sein: Mehrere Banken kündigten bereits ähnliche Schritte an.

ING Bild: Adobe Stock/Monster Ztudio

Die ING Deutschland schafft als erste Bank die Strafzinsen wieder ab und könnte damit das Ende der Verwahrentgelte einläuten. Bild: Adobe Stock/Monster Ztudio

Negativzinsen sind in diesem Geldhaus Geschichte: Als erste Bank Deutschlands schafft die Direktbank ING die Verwahrentgelte für Privatkunden ab. Wie das Kreditinstitut am Dienstag ankündigte, sollen zum 1. Juli die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von aktuell 50.000 Euro auf 500.000 Euro angehoben werden. „Mit der Erhöhung des Freibetrags für Guthaben auf dem Giro- und Extra-Konto entfällt das Verwahrentgelt für 99,9 Prozent unserer Kundinnen und Kunden", erklärte der ING-Vorstandsvorsitzende Nick Jue und fügte hinzu: „Wir haben als eine der letzten Banken ein Verwahrentgelt eingeführt und schaffen es als eine der ersten quasi wieder ab.“

Mit diesem Schritt werde nach Angaben der Bank die „positive Zinsentwicklung an den Kapitalmärkten“ sowie die „zuversichtliche Markterwartung“ an die Kunden weitergegeben. Damit löste die Bank ihr Versprechen vorzeitig ein, das Verwahrentgelt zu streichen, sobald die Europäischen Zentralbank Maßnahmen ergreift.  

18 Banken kündigen bereits Aus für Strafzinsen an

Banken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Ökonomen gehen davon aus, dass dieser negative Einlagesatz in mehreren Schritten im Laufe des Jahres auf null Prozent angehoben wird.

Derzeit verlangen, nach Angaben des Vergleichsportals biallo, 582 Banken und Sparkassen Strafzinsen im Privatkundengeschäft. In einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals unter 22 großen Banken und Sparkassen deuteten zudem 18 Kreditinstitute an, ihre Verwahrentgelte streichen zu wollen, sobald die EZB den Einlagensatz infolge der Rekord-Inflation auf null setzt. So kündigte beispielsweise die Commerzbank an: „Sobald die Zinsen die Nulllinie erreichen, werden wir die Guthabenentgelte zurückfahren.“ Die Deutsche Bank teilte ebenfalls mit: „Für den Fall, dass der Satz der Einlagenfazilität null oder größer beträgt, entfällt die Erhebung des Verwahrentgelts im Privatkundengeschäft.“ Auch mehrere Sparkassen und Volksbanken sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank wollen sich für den Fall einer EZB-Zinsanpassung von ihren Verwahrentgelten verabschieden.      

Wie das Vergleichsportal Verivox berichtet, schraubten in den vergangenen zwei Wochen zudem vier Kreditinstitute ihre Freibeträge für Verwahrentgelte bereits deutlich nach oben: Die PSD Bank Kiel, die Oldenburgische Landesbank, die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau sowie die Volksbank Stendal. Bei der Oldenburgischen Landesbank beispielsweise stieg jüngst die Freigrenze von 100.000 auf 500.000 Euro – faktisch kommt das einem Abschaffen der Negativzinsen gleich.   

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