Immobilienfinanzierung als Ganzes denken

Sachwerte Gastkommentar von Dr. Andreas Mattner

Niedrige Bauzinsen galten lange als Rettungsanker im angespannten Investitionsumfeld. Das ändert sich nun: Die ersten Projektentwickler und Bestandshalter stellen ihre Tätigkeiten ein, weil das Fremdkapital zu teuer wird, kommentiert ZIA-Präsident Andreas Mattner.

Dr. Andreas Mattner, Bild: ZIA

Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilienausschuss (ZIA), Bild: ZIA

Die Immobilienwirtschaft ist langfristig auf ein stabiles und planbares Finanzierungsumfeld angewiesen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Das gilt umso mehr angesichts der immensen finanziellen Herausforderungen, die der Europäische Green Deal, die aktuelle Zins- und Inflationsentwicklung sowie die geopolitischen Risiken mit sich bringen werden.

Geringe Bauzinsen waren lange der Rettungsanker im immer schwieriger werdenden Investitionsumfeld. Das ändert sich nun: Die ersten Projektentwickler und Bestandshalter beginnen bereits mit der Einstellung ihrer Tätigkeiten, weil das Fremdkapital zu teuer wird.

Aufgrund der neuen Gegebenheiten gilt es, die europäische und nationale Finanzmarktregulierung sowie die Aufsichtspraxis vorausschauend anzupassen. Regulierung und Aufsicht müssen dabei so ausgestaltet sein, dass die Finanzierung von Immobilienprojekten auch in Zukunft ermöglicht wird, insbesondere vor der dem Hintergrund einer möglichen Kreditklemme für all diejenigen Projekte, die die strengen Kriterien für Immobilien- und Sachwertinvestitionen im Rahmen der EU-Taxonomie nicht erfüllen. Hierzu ist es besonders wichtig, dass verabschiedete Maßnahmen auf nationaler sowie europäischer Ebene zeitlich und inhaltlich stimmig sind, ineinandergreifen und einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten.

Ziel muss es sein, dass ein in Zukunft gerichteter Aufbau Taxonomie-konformer Immobilienquoten ermöglicht und dieses Verständnis von allen Akteuren, seien es Banken, Investoren oder Aufsichtsorgane, gelebt wird. Finanzmarktprodukte müssen aber auch für die Transformation hin zur Nachhaltigkeit zur Verfügung stehen, denn gerade dafür werden erhebliche Investitionssummen von professionellen und privaten Investoren benötigt. Dies gilt insbesondere für den Immobilienbestand.

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