Honorarberatung: Was Kunden zahlen würden

Martin Thaler Berater Versicherungen

Nicht nur bei Vermittlern ist die Bereitschaft, gegen Honorar zu beraten, groß – auch Kunden sind grundsätzlich bereit, für die Finanzberatung per Honorar zu zahlen. Bei der Höhe der angemessenen Vergütung gehen die Meinungen je nach Alter des Kundens jedoch auseinander.

Honorarvergütung Bild: Adobe Stock/Andrei Korzhyts

Eine Beratung gegen Honorar können sich viele Kunden grundsätzlich vorstellen. Bei der Höhe der Vergütung gibt es altersabhängig aber unterschiedliche Vorstellungen. Bild: Adobe Stock/Andrei Korzhyts

Auch wenn die Provisionsberatung zumindest zwischenzeitlich von der politischen Abschussliste verschwunden ist, ist die Diskussion um die Vermittlervergütung nicht unbedingt leiser geworden. Die Finanzaufsicht BaFin setzte das Reizthema im Mai erneut auf die Tagesordnung, als ihr Exekutivdirektor Frank Grund ankündigte, einen aufsichtsrechtlichen Standard für eine angemessene Vergütung – oder kurz: einen Provisionsrichtwert – entwickeln zu wollen. Eine Ankündigung, die innerhalb der Branche für teils harsche Reaktionen sorgte.  

Die Dauerdiskussion zur angemessenen Provisionshöhe wird auch den einen oder anderen Makler dazu verleitet haben, sich verstärkt mit der Alternative Honorarvergütung auseinanderzusetzen. Grundsätzlich ist die Bereitschaft innerhalb der Vermittlerschaft groß, auf Wunsch die Kunden auch honorarbasiert zu beraten. Laut der Umfrage „Nettopolicen und der Stand der Honorarberatung 2021“ des Lebensversicherers Liechtenstein Life können sich das 60 Prozent der Makler vorstellen – wirkt sie doch auch konfliktmindernd auf Kunden und Verbraucherschützer. Häufig fehle es jedoch an den passenden Nettotarifen – die Schuld für die doch noch sehr ausbaufähige Verbreitung liege also bei den Versicherern.  

Hohe Bereitschaft für Honorarvergütung

Bei den Kunden selbst scheint die Bereitschaft, für eine Beratung in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten ein Honorar zu zahlen, durchaus vorhanden. Das zeigt zumindest eine Befragung des Finanzportals FragFina, die insgesamt 600 Verbraucher und Verbraucherinnen zum Thema befragte.  

Die überwältige Mehrheit (85 Prozent) wäre bereit – eine unabhängige, nicht produktbezogene Beratung vorausgesetzt – für die Beratung auch zu zahlen. Honorarwürdig sind aus Sicht der Verbraucher dabei in erster Linie offenbar generelle Einordnungen oder ein Check der bestehenden Verträge. Der konkrete Abschluss neuer Policen steht indes im Hintergrund.  

Vor allem bei Fragen zur Altersvorsorge (23,7 Prozent wären bereit, hierfür ein Honorar zu zahlen), zu Geldanlagethemen (21,3 Prozent) sowie zu Berufsunfähigkeitsversicherungen (10 Prozent) ist die Honorarbereitschaft hoch, bei Sach- bzw. Krankenversicherungen hingegen nur sehr gering ausgeprägt.   Interessant ist in diesem Hinblick natürlich, wie tief die Kunden bereit wären, in die eigene Tasche zu greifen – schließlich muss die Höhe des Honorars für den Berater auch auskömmlich sein.

Je älter, desto höher die Zahlungsbereitschaft

Hier lässt sich sagen: Je älter der Kunde, desto mehr Geld ist dieser auch bereit, für seine Beratung zu bezahlen. Während den unter 30-Jährigen im Durschnitt eine Beratung gerade einmal 118 Euro wert wäre, liegt dieser Wert bei den über 50-Jährigen fast dreimal hoch – 313 Euro wären sie im Durchschnitt bereit, die Aufklärungsarbeit durch den Vermittler zu entlohnen. Über alle Altersgruppen hinweg liegt das akzeptable Durchschnittshonorar bei 243 Euro.  

Die hohe Bereitschaft der Kunden könnte Makler, die eine Honorarberatung bislang kategorisch ablehnen, nochmal animieren, das Thema zu überzudenken. Denn eines ist sicher: Die nächste Vergütungsdebatte kommt bestimmt.

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