Greenwashing-Vorwurf: Razzia bei Deutscher Bank und Fondstochter DWS

Hannah Petersohn Berater Investmentfonds

Die Vorwürfe kursieren seit Monaten, nun haben Beamte in Frankfurt am Main zugeschlagen und die Räume der Deutschen Bank und der dazugehörigen Fondstochter DWS durchsucht. Der Grund: Verdacht auf Kapitalanlagebetrug, konkret: Greenwashing.

Greenwashing-Vorwurf: Razzia bei Deutscher Bank und Fondstochter DWS Bild: picture alliance/Daniel Kubirski

Die Zentrale der Deutschen Bank und das Gebäude der Fondstochter DWS wurden am Dienstag von Einsatzkärften durchsucht. Bild: picture alliance/Daniel Kubirski

Am Dienstag haben 50 Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, BKA und BaFin die Deutsche-Bank-Zentrale und die dazugehörige Fondstochter DWS durchsucht, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Die Behörden ermitteln nach eigener Aussage wegen des Anfangsverdachts des Kapitalanlagebetrugs. Demnach soll der Vermögensverwalter DWS sein Bestreben beim Thema Nachhaltigkeit beschönigt haben. Konkrete Beschuldigte gebe es bislang allerdings nicht. „Das Verfahren richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

„Verfahrensauslösend waren Berichte in den internationalen und nationalen Medien, wonach der Vermögensverwalter DWS bei der Vermarktung von sogenannten grünen Finanzprodukten (ESG-Produkte - Environment, Social, Governance) diese Finanzprodukte „grüner“ bzw. „nachhaltiger“ verkauft habe, als sie tatsächlich sind“, so die Frankfurter Staatsanwaltschaft. So seien entgegen den Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds die ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments berücksichtigt worden, in einer Vielzahl von Beteiligungen hätten sie jedoch keinerlei Beachtung gefunden.

„Bei der DWS sollten sofort immer alle Warnlichter angehen.“

procontra hatte vor wenigen Monaten über den „DWS Invest ESG Woman for Woman“ berichtet, der nach Angaben des Vermögensverwalters mit dem Fokus auf das ESG-Thema aufgelegt worden sei. Der Fonds investierte zum damaligen Zeitpunkt (Februar 2022) unter anderem zu etwa 20 Prozent in Informationstechnologien, 16 Prozent flossen in den Finanzsektor, 13 Prozent wurden in dauerhafte Konsumgüter investiert und zwölf Prozent gingen in Unternehmen aus dem Gesundheitswesen.

„Das liest sich wie ein ganz normales Portfolio. Das ist in erster Linie eine Marketingmasche, die hier läuft. Bei der DWS sollten sofort immer alle Warnlichter angehen“, warnt die Finanzberaterin Renate Fritz im Gespräch mit procontra. „Es finden sich die gleichen Werte wie sonst auch.“ Allerdings hake es auch im System selbst, weil die Vorgaben, was konkret unter nachhaltig fällt, nach wie vor fehlen. „Es gibt keine harte Grenze.“

Ermittlungen seit Beginn des Jahres

Bereits im April hatten Ermittler in der Zentrale der Deutschen Bank nach Beweisen im Zusammenhang mit möglicherweise zu spät abgegebenen Geldwäscheverdachtsanzeigen des Instituts gesucht. Die Ermittlungen zu den aktuellen Vorwürfen laufen seit Beginn des Jahres, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegenüber dem Handelsblatt erklärte. „Wir haben in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun“, zitiert die dpa einen DWS-Sprecher.

Seit Monaten sieht sich die DWS mit Greenwashing-Vorwürfen konfrontiert. Im vergangenen Jahr hatte die einstige DWS-Nachhaltigkeitsbeauftragte, Desiree Fixler, Verfehlungen des Vermögensverwalters im Bereich der nachhaltigen Geldanlage moniert. Nachdem sie ihre Kritik intern erfolglos vorgebracht habe, habe sich Fixler an die Ermittlungsbehörden in Deutschland und in den USA gewandt. Ihr Vorwurf: Die DWS stelle sich als führend im Bereich nachhaltiger Investments dar, gleichwohl diese Darstellung nicht den Tatsachen entspreche. Die DWS weist die Vorwürfe zurück.

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