EU-Richtlinie für Fernabsatzgeschäfte: Neue Regeln zulasten der Versicherungsvermittler?

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Die EU-Kommission will Verbraucher beim Online-Kauf von Finanzdienstleistungen besser schützen. Derweil sorgt sich der BVK, dass die neuen Regeln zulasten der Versicherungsvermittler gehen könnten.

EU-Richtlinie zu Fernabsatzgeschäften: Neue Regeln zulasten der Versicherungsvermittler? Bild: Adobe Stock/drubig-photo

Die EU-Kommission will die Verbraucherrechte stärken und schlägt Änderungen beim Fernabsatz vor. Der Branchenverband BVK reagiert besorgt. Bild: Adobe Stock/drubig-photo

Schließen Verbraucher einen Vertrag online, per E-Mail, telefonisch oder per Fax ab, ist die Rede von einem Fernabsatzgeschäft. Doch nicht immer sind die Verbraucher dabei auch gut geschützt, so werden beispielsweise bei Internetverträgen oft nicht alle Kosten ausgewiesen.

Um das zu ändern, hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Vorschriften für Fernabsatzverträge bei Finanzdienstleistungen anzupassen. Die Entwürfe betreffen damit auch Versicherungen und Altersvorsorge-Produkte. Das widerum ruft den Bundesverband deutscher Versicherungskaufleute (BVK) auf den Plan.

BVK-Präsident Michael H. Heinz warnt, die neuen Regeln dürfen nicht die Versicherungsvermittler belasten. „Wir begrüßen, dass die EU-Kommission den Online-Handel von Finanzdienstleistungen unter die Lupe nimmt und Fehlentwicklungen der letzten Jahre in diesem Bereich korrigieren will“, kommentiert BVK-Präsident Heinz das Vorhaben. Allerdings dürfe die Korrektur nicht dazu führen, dass dadurch auch der Vertrieb von Finanzdienstleistungen insgesamt verschärft werde.

Widerrufsrecht, Kostentransparenz, persönliches Gespräch

Am Mittwoch stellte Justizkommissar Didier Reynders die Pläne in Brüssel vor: Vorgesehen ist unter anderem, dass bei Internetverkäufen nunmehr die Kosten ausführlich ausgewiesen sind und das Widerspruchsrecht für Verbraucher erleichtert wird.

Wer im Internet oder per Telefon etwas bestellt, kann sich grundsätzlich im Nachhinein innerhalb von 14 Tagen wieder vom Vertrag lösen, weist das Bundesministerium der Justiz vorsorglich auf seiner Website hin. Um dieses Widerrufsrecht zu erleichtern, sollen nach den Vorschlägen der EU-Kommission Unternehmen bei elektronischen Verkäufen eine Schaltfläche für den Widerruf einrichten.

Auch mögliche versteckte Kosten müssen Unternehmen jetzt konkret und deutlich sichtbar ausweisen. Da Unternehmen häufig Bots und Chatboxen einsetzen, um mit den Kunden zu kommunizieren, diese Kommunikation aber nicht immer zufriedenstellend sei, solle auch ein persönliches Gespräch möglich gemacht werden.

Neue Zeiten, neue Regeln

Die EU-Kommission erklärt hingegen, dass neue Arten von Finanzdienstleistungen, neue Vertriebskanäle und ganz generell die rasant fortschreitende Digitalisierung den Markt grundlegend verändert haben. Die im Jahr 2002 erlassenen Vorschriften müssten nun unbedingt entsprechend angepasst werden. „So wie sich die Welt der Finanzdienstleistungen weiterentwickelt, müssen auch unsere Vorschriften auf dem neuesten Stand sein“, erklärte Justizkommissar Reynders.

„Die Verbraucher nehmen zunehmend Online-Dienste in Anspruch, auch im Finanzbereich, und das ist eine gute Sache. Wir müssen aber auch sicherstellen, dass die Spielregeln mit den jüngsten Entwicklungen Schritt halten. Die Verbraucher brauchen klare Informationen und ein Sicherheitsnetz für den Fall, dass etwas schiefgeht“, wird die für Werte und Transparenz zuständige Vizepräsidentin der Kommission Vera Jourová auf der Website der EU-Kommission zitiert.

Der Entwurf für die neuen Richtlinien soll nun im EU-Ministerrat und im EU-Parlament diskutiert werden. Der BVK wollen sich dafür einsetzen, dass im Ergebnis die Finanzdienstleistungen der Versicherungsvermittler nicht erschwert werden.

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