D&O-Versicherung: Der Markt wird immer schwieriger

Versicherungen Berater von Lilian Fiala

Ohne Directors-and-Officers-Versicherung lassen sich viele Manager heutzutage gar nicht erst auf einen neuen Job ein. Die Policen sind für sie Voraussetzung für effektives Arbeiten. Doch die Anforderungen der Versicherer nehmen zu.

D&O-Versicherung, Bild: Adobe Stock/ DDRockstar

D&O-Versicherungen werden immer teurer. Gleichzeitig steigen die Schadenssummen. Das sorgt auf Seiten von Versicherungsnehmern sowie -gebern nicht unbedingt für gute Laune. Bild: Adobe Stock/ DDRockstar

Einfluss, Geld, Macht – das Berufsleben als Topmanager stellen sich viele glorreich vor. Und während in den meisten Fällen zumindest das Gehalt stimmt, ist klar, dass der Job nicht nur mit einer hohen Arbeitsbelastung, sondern auch mit viel Verantwortung einhergeht.

Entscheidungen treffen gehört im Topmanagement zum Alltag – von kleinen bis hin zu großen, strategischen Beschlüssen. Die sind häufig mit einem gewissen Risiko verbunden: Ohne Risiko lässt sich schließlich nur selten Innovation vorantreiben. Und selbst bei den sichersten Urteilen können auch die Besten der Besten mal daneben liegen. Während mutwilliges Fehlverhalten wie im Fall von Wirecard zurecht abgestraft wird, sind Probleme im Unternehmen nicht grundsätzlich die Schuld einzelner Manager.

Damit die Topkräfte im Fall einer Fehlentscheidung oder sogar einer Insolvenz des Unternehmens nicht persönlich haften müssen, können Unternehmen ihre Manager mit der Directors-and-Officers-Versicherung absichern. In den vergangenen Jahren sind die Richtlinien für diese besondere Form der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung immer strenger geworden. „Vor allem beim Thema Compliance steigen die Anforderungen stetig“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des „Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft“ (GDV).

Einfluss neuer Entwicklungen

Zu den jüngsten Herausforderungen für Unternehmen gehören etwa Neuerungen im Lieferkettengesetz, durch die sich die Verantwortung des Unternehmens und damit der Manager auf die gesamte Lieferkette ausweitet. Auch die sukzessive Verpflichtung aller Unternehmen ab 50 Beschäftigten, ein Hinweisgebersystem einzurichten, wirkt sich auf die Verantwortung einzelner Manager aus.

Das Hinweisgebersystem, häufig auch Whistleblower-Funktion genannt, soll internen sowie externen Quellen die Möglichkeit geben, mögliche Verstöße oder Straftaten an ermittelnde Stellen zu melden. Den Einfluss solcher Entwicklungen auf die D&O-Policen sollten Berater Unternehmen in jedem Fall eingehend erläutern.

„Dazu kommt, dass Aufsichtsorgane häufiger als früher versuchen, Entscheider in Haftung zu nehmen und Manager dann regelmäßig mit sehr hohen Schadensersatzansprüchen konfrontiert sind“, sagt Käfer-Rohrbach. Ein Beispiel: Nach einer Analyse des GDV von 368 D&O-Schadensfällen nach Insolvenzen sollten die Verantwortlichen im Schnitt für fast sieben Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen geradestehen. „

Daher ist auch die Abwehrfunktion der D&O-Versicherung für die Manager ein ganz wesentlicher Teil des Versicherungsschutzes: Sie übernimmt auch die Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichtsverfahren“, sagt Käfer-Rohrbach. Ein wichtiger Hinweis den Berater an ihre Unternehmenskunden weitergeben können.

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