Deutsche gingen 2021 früher in Rente als sonst

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Das Renteneintrittsalter ist im vergangenen Jahr leicht gesunken, parallel fielen die Bezüge höher aus als zuvor. Die höchsten Durchschnittsrenten kassierten Senioren bei der „Rente mit 63“.

Neurentner Bild: Adobe Stock/NDABCREATIVITY

2021 gingen die Deutschen früher in Rente als sonst. Hing dies mit den höheren Bezügen zusammen? Bild: Adobe Stock/NDABCREATIVITY

Angesichts der davongaloppierenden Inflation entfachte kürzlich die Debatte über eine Rente mit 70 neu – parallel überrascht folgende Entwicklung: Das Renteneintrittsalter ist im vergangenen Jahr offenbar leicht gesunken. So gingen Männer im Schnitt mit 64,05 Jahren in Altersrente, bei Frauen betrug der Altersdurchschnitt 64,18 Jahre. 2020 lag das Renteneintrittsalter bei den Männern noch bei 64,07 Jahre und bei den Frauen bei 64,24 Jahren. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Erwerbsminderungsrenten fielen höher aus

In den Jahren zuvor ging der Trend lange in die andere Richtung: Seit Beginn der Nullerjahre stieg die durchschnittliche Versicherungszeit um vier Jahre an. So waren im Jahr 2000 nur zehn Prozent der 60- bis 64-Jährigen rentenversicherungspflichtig beschäftigt – diese Zahl erhöhte sich in den vergangenen Jahren um mehr als 40 Prozent.

Dass die Deutschen 2021 etwas früher in Rente gingen als sonst, könnte auch mit dem Anstieg der Bezüge der Neurentner zusammenhängen. So bekamen Männer 2021 durchschnittlich 1.204 Euro Rente, 2020 hatten die durchschnittlichen Bezüge noch bei 1.171 Euro gelegen. Frauen erhielten 856 Euro, 2020 betrug der Durchschnittswert noch 827 Euro. Diese Entwicklung war auch bei den Erwerbsminderungsrenten zu beobachten, die im vergangenen Jahr ebenfalls höher ausfielen als 2020.  

Die höchsten Durchschnittsrenten bekamen die Senioren aufs Konto überwiesen, die mit der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren aus dem Berufsleben ausschieden („Rente mit 63“): Nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge lag hier bei Männern der durchschnittliche Rentenzahlbetrag im Schnitt bei 1.579 Euro, bei Frauen betrug er 1.235 Euro. Insgesamt gingen 1,435 Millionen Beschäftigte 2021 in Rente.     

Infolge der aktuellen Rekord-Inflation hatten zuletzt die Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen, Stefan Kooths und Gunther Schnabl die Diskussion um ein Renteneintrittsalter mit 70 Jahren erneut angeheizt. So sagte unter anderem der Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Der Mix aus alternder Gesellschaft, hoher Verschuldung und Energiewende wird in den nächsten Jahren zu einer steigenden Gefahr für die Preisstabilität.“ Dass immer mehr Rentnern immer weniger Beschäftigte gegenüberstünden, könne zu weiter steigenden Preisen führen.

In dieselbe Kerbe schlug der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl. „Das Renteneintrittsalter muss steigen. Deutschland hat schon heute ein riesiges Fachkräfteproblem, Hunderttausende Stellen sind unbesetzt“, zitiert ihn die Boulevard-Zeitung. Dies führe dazu, dass unter anderem die Löhne in den nächsten Jahren kräftig steigen müssten und damit Waren noch teurer würden.

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