„Das Schrauben am Provisionsdeckel macht die Branche kaputt“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen Top News

Wie lässt sich dem Thema Nachwuchsmangel begegnen? Und welchen Einfluss hat darauf die politische Diskussion um die Vermittlervergütung? Auf einer Fachtagung in Köln wurde nach Antworten gesucht.

MCC Bild: Adobe Stock/Krakenimages.com

Die Diskussionen in puncto Vermittlervergütung verschärfen das Problem Nachwuchsmangel. Bild: Adobe Stock/Krakenimages.com

„Schneller, höher, weiter“. Für Michael H. Heinz ist das ein Motto, an dem sich die Vermittlerbranche aktuell orientiert – und das der Reputation des Berufs aus seiner Sicht erheblichen Schaden zufügt. „Wenn es für Berufsanfänger hauptsächlich darum geht, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir keinen Nachwuchs finden“, sagte der BVK-Präsident auf der MCC-FachkonferenzLebensVersicherung aktuell“ am Dienstag in Köln. Dabei rückt das Problem des Nachwuchsmangels zugleich die politische Diskussion zum Thema Vermittlervergütung in den Fokus. Denn die immer wieder aufflammende Debatte um die Einführung eines Provisionsdeckels dürfte etliche junge Leute zusätzlich vom Ergreifen des Berufs abhalten.  

Überschaubare 250 Vermittlerbeschwerden pro Jahr

„Warum wird seit Jahren das Thema Provisionsdeckel politisch diskutiert? Setzen wir so viele Fehlanreize?“, versuchte BVK-Präsident Heinz zunächst, das Thema greifbar zu machen und wies dann darauf hin: 250 Vermittlerbeschwerden würden die Juristen des BVK im Schnitt pro Jahr bearbeiten – das sei eine überschaubare Zahl. Vor dem Hintergrund sei die jahrelang geführte Debatte über die Einführung eines Provisionsdeckels rein ideologischer Natur.

Zwar scheint mit der Ampelregierung die Einführung einer Provisionsobergrenze zunächst vom Tisch zu sein, im aktuellen Koalitionsvertrag ist davon keine Rede. Doch ganz von der Bildfläche verschwunden ist das Thema trotzdem nicht. So brachte es erst kürzlich BaFin-Chefaufseher Frank Grund erneut ins Spiel. „Wir streben einen Provisions-Richtwert an“, sagte er auf der Jahrespressekonferenz der Finanzaufsicht. Unter Vermittlerverbänden löste dieser Satz heftige Debatten aus, viele vermuten hier einen Provisionsdeckel durch die Hintertür.

Dies dürfte wohl auch ein Grund gewesen sein, warum das Thema Provisions- versus Honorarvergütung auf der MCC-Fachkonferenz nicht wenig Raum einnahm. „Wenn es immer wieder darum geht, an einem Provisionsdeckel herumzuschrauben, dann macht das die Branche kaputt“, erklärte Heinz in der Diskussionsrunde. Der Fokus müsse nach seiner Meinung stattdessen darauf liegen, dass Vermittler motiviert arbeiten. Dr. Guido Bader, Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung, unterstrich dabei, dass die Provisionsvergütung auch einen sozialen Ausgleich beinhalte: So würden ohne Abschluss keine Kosten fällig – und je nach Umfang der abgeschlossenen Police seien die Provisionen gestaffelt. „Wenn die Provision aber durch ein hochkomplexes Honorarsystem ersetzt wird, werden sich aber viele sagen: Dann steige ich gar nicht erst in den Beruf gar nicht erst ein“, merkte er an.

Kunden in der Regel nicht nichtsahnend

Dr. Peter Schwark, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, wies zusätzlich darauf hin, dass sich Kunden in der Regel auch nicht nichtsahnend vom Vermittler beraten ließen. Stattdessen wüssten sie sehr genau, dass der Berater am Versicherungsverkauf mitverdient. Im Falle einer Honorarvergütung sei es ähnlich wie im Autohaus: Wer Eintritt bezahlen muss, um sich über den möglichen Kauf eines Fahrzeugs zu informieren, lasse schnell die Finger davon. „Hier fahren die Menschen mit dem alten Auto weiter. Scheuen sie aber den Gang zum Berater, droht die Altersarmut.“

Transparenz-Hinweis: procontra ist Medienpartner der MCC-Fachkonferenz „LebensVersicherung aktuell“.

 

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!