BVK sieht EU-Finanzregulierung mitunter als Drangsalierung

Top News Detlef Pohl Berater Recht & Haftung

Die europäische Finanzregulierung gefährdet den Verbraucherschutz mehr als sie ihm nutzt und erschwert Vermittlern unnötig die Arbeit. Dies belegte der BVK auf einer Fachtagung in Berlin anhand mehrerer Beispiele. Vermittler und deren Kunden würden verunsichert.

BVK sieht EU-Finanzregulierung mitunter als Drangsalierung Bild: BVK

Der Vertrieb von Finanzdienstleistungen insgesamt darf nicht über den Umweg der Regelung von Finanzdienstleistungen im Internet verschärft werden, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Bild: BVK

Die neue Bundesregierung will die private Altersvorsorge über einen öffentlichen Fonds „grundlegend“ umgestalten und Selbstständigen eine wahlfreie, aber verpflichtende Altersvorsorge aufzuerlegen. Das sieht der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) weiterhin kritisch.

„Altersvorsorge ist individuell und kann keinesfalls mit einem Standardprodukt ohne Kosten und Staatsfonds-Ideen umgesetzt werden“, sagte BVK-Präsident Michael H. Heinz am Freitag in Berlin auf einer Pressekonferenz anlässlich einer BVK-Fachtagung zur europäischen Finanzregulierung und deren Auswirkungen auf den deutschen Vermittlermarkt.

Leitantrag zu europäischer Finanzregulierung

Die europäische Regulierung sei mit Licht und Schatten für Verbraucher, Produktgeber und Vermittler verbunden. Heinz, dem es die Stimme teilweise verschlagen hatte, gebrauchte den drastischen Begriff „Drangsalierung“. Gleichwohl beschloss der Verband auf seiner Jahreshauptversammlung am Freitag den Leitantrag „Europäische Finanzregulierung und neue Bundesregierung – Positionen und Forderungen der Vermittler“.

Schon vor einigen Tagen hatte Heinz gesagt: „Wir begrüßen, dass die EU-Kommission den Online-Handel von Finanzdienstleistungen unter die Lupe nimmt und Fehlentwicklungen der letzten Jahre in diesem Bereich korrigieren will.“ Der BVK trete schon immer für gleiche Informations- und Wettbewerbsbedingungen für den persönlichen und den online-basierten Vertrieb von Finanzdienstleistungen ein. „Diese Korrektur darf jedoch jetzt nicht dazu führen, dass über den Umweg der Regelung von Finanzdienstleistungen über das Internet der Vertrieb von Finanzdienstleistungen insgesamt verschärft wird“, warnte der BVK-Präsident.

BaFin sollte nicht gesetzgeberisch tätig sein wollen

Erstaunt zeigt sich der BVK vom Vorstoß der BaFin für einen Provisionsrichtwert in der Lebensversicherung. Eingriffe in die Vergütungen der Versicherungsvermittler hält der Verband generell für kritisch, da sie der marktwirtschaftlichen Ordnung widersprechen und deshalb unangebracht sind. Vergütungen seien differenziert zu betrachten. „Es geht aber nicht, dass die Aufsicht den Willen des Gesetzgebers ignoriert und selber gesetzgeberisch gestaltend tätig wird“, ergänzte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli. „Es wird vom BMF keine Aktivität zur Provisionsbegrenzung geben“, erklärte Maximilian Mordhorst, FDP-MdB und Mitglied des Finanzausschusses, auf der anschließenden Fachkonferenz.

Dennoch setze sich  der BVK gegenüber den Versicherern schon seit längerem dafür ein, qualitative Beratungs- und Vermittlungsleistungen stärker zu berücksichtigen. „Schließlich sollten Vergütungsmodelle nicht kurzfristigen Erfolg honorieren, sondern eine qualitativ hohe Beratung und Betreuung von Kunden“, so Heinz. Dies geht in Richtung ratierliche Vergütung statt hoher Abschlussvergütung.

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