Brandschaden: Wann ist eine eingeschaltete Herdplatte grob fahrlässig?

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Für 20 Minuten hatte eine Frau ihre Wohnung verlassen und vorher versehentlich den Herd angeschaltet. In welchem Umfang muss der Versicherer für den entstandenen Schaden aufkommen? Ein aktuelles Urteil gibt Aufschluss.

Herd Bild: Adobe Stock/U2M Brand

Wohnungsbrand: Welche Pflichten haben Versicherungsnehmer, wenn sie das Haus verlassen? Bild: Adobe Stock/U2M Brand

Welche Pflichten haben Versicherungsnehmer vor dem Verlassen ihrer Wohnung zu beachten? Wann liegt eine grobe Fahrlässigkeit vor und in welchen Fällen muss der Gebäudeversicherer komplett haften? Mit diesen Fragen befasste sich nun das Oberlandesgericht Bremen (Az.: 3 U 37/21).

Was war passiert?

Vor zwei Jahren war in der Küche einer Bremerin ein Feuer ausgebrochen. Die Brandursache:  eine eingeschaltete Herdplatte. Vor Verlassen ihrer Wohnung hatte die Frau versehentlich den falschen Drehknopf an ihrem Elektroherd betätigt – statt die Herdplatte auszuschalten, stellte sie diese auf die höchste Stufe. Den entstandenen Brandschaden regulierte der Wohngebäudeversicherer der Frau allerdings nur zu 75 Prozent. Eine Zahlung der restlichen rund 9.000 Euro lehnte er mit der Begründung ab, dass die Frau grob fahrlässig gehandelt habe.

Dagegen klagte die Versicherungsnehmerin und bekam zunächst vor dem Landgericht Bremen Recht. Das Verhalten der Klägerin sei fahrlässig, aber nicht grob fahrlässig gewesen, urteilten die Richter. Es habe kein „typischer so genannter Herdplattenfall“ vorgelegen, in dem jemand „bewusst oder unbewusst“ zubereitetes Essen auf dem eingeschalteten Herd zurückgelassen habe. Stattdessen sei im konkreten Fall der „Kochvorgang“ mit dem vermeintlichen Ausschalten der vorderen Herdplatte abgeschlossen gewesen. Die Klägerin habe mit ihrem Verhalten die gebotene Sorgfaltspflicht nicht in einem „ungewöhnlich hohen Maße“ verletzt.

Gegen dieses Urteil legte der Wohngebäudeversicherer schließlich Berufung ein. Die Klägerin habe wissen müssen, dass ihr Verhalten geeignet gewesen sei, den Versicherungsfall herbeizuführen und einen entstandenen Schaden zu vergrößern.

Der Argumentation des Versicherers folgten die Richter am Oberlandesgericht und hoben die Entscheidung der Vorinstanz auf. Denn: Grobe Fahrlässigkeit sei dadurch definiert, dass ein „objektiv schwerer und subjektiv nicht entschuldbarer Verstoß gegen die erforderliche Sorgfalt“ vorliege. Ein sowohl objektiver wie subjektiver Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht liege in dem konkreten Fall vor. Die Frau habe das Haus für circa 20 Minuten verlassen. Vorher hätte sie sich jedoch durch einen Blickkontakt vergewissern müssen, dass der Herd tatsächlich ausgestellt gewesen war. Das sei nicht passiert.

Zudem habe weder besondere Eile geherrscht noch sei Ablenkung durch eine außergewöhnliche Notsituation erkennbar gewesen. „Eine solche Vergewisserung war auch einfach, schnell und unproblematisch möglich, entweder durch einen Blick auf die Drehknöpfe (bei modernen Geräten auf das Display) oder auf den farblichen Zustand der Ceranfelder“, heißt es in der Urteilsbegründung. Eine Kürzung der Versicherungsleistung um 25 Prozent sei daher angemessen.

Die Richter ließen eine Revision zu dem Urteil nicht zu.  

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