BFV: Wie Maklerversicherer unabhängige Vermittler fördern

Berater Detlef Pohl

Die in der BFV zusammengeschlossenen Maklerversicherer setzen sich für die Förderung des Berufsstandes Versicherungsmakler ein. Was sich dahinter verbirgt, was bislang erreicht wurde und wo aktuell die Schwerpunkte der Initiative liegen.

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Die tatsächliche Rolle des Versicherungsmaklers sei in Teilen von Politik und Verbraucherschutz immer noch zu unbekannt, sagt Erwin Hausen, Koordinator der BFV. Bild: AdobeStock/kieferpix

Versicherungsmakler nehmen im Vertriebswege-Mix eine herausragende Stellung ein. So machen Makler und Mehrfachagenten 37 Prozent des Umsatzes in der betrieblichen Altersversorgung, 27 Prozent in der privaten Altersvorsorge (davon 31 Prozent in der Lebensversicherung und 50 Prozent in der BU-Versicherung) sowie je rund 26 Prozent in der PKV und der Schaden- und Unfallversicherung.

Dennoch tun sich Versicherer, die ausschließlich oder überwiegend auf den Maklervertrieb setzen, in der politischen Regulierungsdebatte schwer – auch weil im Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) große Anbieter mit starkem Ausschließlichkeitsvertrieb die Lobbyarbeit dominieren.

Arbeitsgemeinschaft vertritt Maklerinteressen

Dies führte schon 2014 zur Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV). Die Initiative ist ein Zusammenschluss mittelständischer Versicherer mit Fokus auf den Maklervertrieb, die Tätigkeit und Rechtsstellung des Maklers bekannter machen und dadurch seine Rolle bei Kunden und in der Politik stärken will. Die BFV ist registrierter Interessenvertreter (Registernummer R000688) für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung und gibt dazu auch Stellungnahmen bei Gesetzgebungsverfahren und Konsultationen ab.

Mitglieder sind inzwischen zehn Versicherer, darunter seit gestern auch My Life und seit vergangener Woche Markel. Die anderen Gesellschaften sind schon länger dabei: Alte Leipziger/Hallesche, Canada Life, Concordia, die Bayerische, DMB-Rechtsschutz, Die Haftpflichtkasse, LV 1871 und Volkswohl Bund. „Als Nettoversicherer mit innovativen Vorsorge- und Investmentkonzepten ist es für uns eine Herzensangelegenheit, die unabhängigen Berater nun auch über die BFV zu fördern, weil sich hier ihre Interessen vereinen und sie mit der BFV eine noch stärkere Stimme erhalten“, sagt Jens Arndt, Vorstandsvorsitzender der My Life.

Erfolgreich in politische Regulierung eingemischt

Zur bisherigen Bilanz zählen Stellungnahmen, die letztlich zu gesetzgeberischen Korrekturen geführt haben, etwa zum LVRG 2014, über die IDD-Umsetzung und den seinerzeit geplantem Provisionsdeckel (Rechtsgutachten) mit Fachgesprächen, Teilnahme an Experten-Anhörungen im Deutschen Bundestag bis hin zu Konsultations-Teilnahmen von BaFin und EIOPA.

„Gemeinsam mit Berufsverbänden der Versicherungsmakler und freien Vermittler konnten wir seit Gründung der BFV 2014 gravierende Fehlentwicklungen bei gesetzgeberischen Vorhaben verhindern und einen großen Teil der drohenden bürokratischen Mehraufwendungen abmildern“, sagt BFV-Koordinator Erwin Hausen gegenüber procontra. Dazu gehörte auch die Anregung zu Protestbriefen der Makler gegen den LV-Provisionsdeckel und die Entlarvung falscher Zahlen der BaFin zur Begründung des Provisionsdeckels.

Politik und Verbraucherschutz verkennen häufig Unabhängigkeit des Maklers

Ein zentrales Anliegen der BFV sei, bei aufkommenden regulatorischen Eingriffen immer wieder die tatsächliche Rolle des Versicherungsmaklers herauszuarbeiten, der im Auftrag seines Kunden tätig ist und ausschließlich dessen Interessen vertritt. „Dieser Umstand ist in Teilen von Politik und Verbraucherschutz leider immer noch zu unbekannt“, hat Hausen beobachtet.

Aktuell beschäftigt sich die BFV mit mehreren Themen. Dazu zählt die jüngste Ankündigung der BaFin, einen Provisionsrichtwert einzuführen. „Die Vorschläge der EIOPA zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden in die Eignungsprüfung verfolgen und begleiten wir mit einer kürzlich erfolgten Stellungnahme ebenso wie mögliche Entwicklungen bei der im Ampel-Koalitionsvertrag angekündigten Zulagenrente, bei der wir eine Reform der Riester-Rente befürworten“, benennt Hausen drei Projekte. Die BFV werde weiter an diversen Regulatorik-Verfahren teilnehmen.

Apropos Nachhaltigkeitspräferenzen: In seiner Stellungnahme sieht die BFV die Gefahr, dass Verbraucher eher bedrängt werden, Nachhaltigkeitspräferenzen zu haben. Zudem sei das Abfrageprozedere an mehreren Stellen praxisfremd und erfordere eine deutliche Vereinfachung. Aus mehreren Gründen sei man für eine Verschiebung des Inkrafttretens der Regelungen, das schon zum 2. August geplant ist. Ein Grund: Die technischen Standards kommen erst 2023.

Digitale Bildungsinitiative für Makler finanziell gefördert

Darüber hinaus gibt es auch ausgewählte praktische Hilfe für den Makleralltag. So wurde Anfang 2021 in Kooperation mit der deutschen Makler Akademie (DMA) eine digitale Bildungsinitiative für kleine und mittelständische Makler aus der Taufe gehoben, die von der DMA fortgesetzt wird. Ziel ist es, die digitalen Kompetenzen der Makler zu stärken, damit sie zeitgemäße Kundenakquise, -beratung und -betreuung betreiben und so besser im Wettbewerb mithalten können.

Die BFV-Mitglieder sponsern zahlreiche Teilnehmer durch die Vergabe von Gutscheinen. „Der Marktpreis der Qualifizierung ist mit über 1.200 Euro zu beziffern“, erinnert Hausen. Davon muss jeder Teilnehmer nur 100 Euro selbst bezahlen; den Hauptbeitrag leisten die BFV-Mitglieder. Diese zehn Versicherer verfügen nach BFV-Informationen über mehr als 90.000 Geschäftsanbindungen mit registrierten ungebundenen Versicherungsvermittlern.

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