BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund: „Einen Provisionsdeckel beabsichtigt niemand. Aber…“

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Obwohl das Thema Vermittlervergütung nicht mehr auf der politischen Agenda steht, ist die Branche in Aufruhr. Jetzt hat sich abermals BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund geäußert und nimmt den Schutz der Verbraucher in den Fokus. Dieser sei derzeit durch unterschiedliche Entwicklungen in Gefahr.

BaFin: „Einen Provisionsdeckel beabsichtigt niemand. Aber…“ Bild: AdobeStock/Ascannio

Die Branche kommt beim Thema Vermittlervergütung nicht zur Ruhe. Bild: AdobeStock/Ascannio

Die Diskussion um das Thema Vermittlervergütung reißt nicht ab. Erst gestern monierte der BVK-Präsident Michael H. Heinz: „Wenn es immer wieder darum geht, an einem Provisionsdeckel herumzuschrauben, dann macht das die Branche kaputt“. Er zeigte sich verwundert, warum das Thema Provisionsdeckel seit Jahren überhaupt politisch diskutiert werde und stellte die rhetorische Frage: „Setzen wir so viele Fehlanreize?“

Während das Thema einer Provisionsobergrenze von politischer Seite erst einmal nicht weiterverfolgt wird, schließlich ist davon im aktuellen Koalitionsvertrag keine Rede mehr, sieht das bei der Finanzaufsichtsbehörde BaFin schon anders aus. Demnach werde ein Provisions-Richtwert angestrebt, wie der BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund kürzlich mitteilte.

„Einen Provisionsdeckel beabsichtigt niemand. Aber die Frage, bis wann etwas aufsichtlich unbedenklich ist sollte immer gestellt werden, das ist auch für den Markt gut“, sagte er am Mittwoch auf der MCC-Fachkonferenz „LebensVersicherung aktuell“ in Köln. Zumal: Einen Deckel könne die BaFin ohnehin nicht beschließen, das könne nur der Gesetzgeber selbst. Gerade weil hinsichtlich der Vergütung keine gesetzlichen Regelungen in Zukunft absehbar seien, müsse sich die Behörde besonders mit der Verhinderung von Fehlanreizen beschäftigen, so Grund.

Aus diesem Grund analysiere die BaFin sorgfältig, wie es um den Kundennutzen, den sogenannten Value for Money, bestellt ist. Es müsse klar sein, „wie viel Geld ausgegeben wird, bevor ein Produkt am Ende beim Kunden ankommt“. Die dazu erhobenen Daten würden genug Anlass für die Debatte geben, so Grund. Er fordert, auch die Versicherer müssten die Vertriebskosten kennen. Zumal es für die generelle Höhe der Kostenbelastungen keine starren gesetzlichen Pflichten gebe. Die Erwartungshaltung der BaFin an die Anbieter wolle man im Laufe des Jahres kommunizieren. „Wir werden uns bis Ende des Jahres dazu äußern und das vorher transparent kommunizieren.“

Versicherer, Verbraucher und Produkte müssen geschützt werden

Um den Schutz der Verbraucher ist Grund derweil auch hinsichtlich der Produkte besorgt, schließlich belaste die Inflationsdynamik nicht nur die Versicherer, sondern auch „gravierend“ die Versicherungsnehmer. „Die Altersvorsorge wird entwertet, der reale Wert der Produkte sinkt“, warnt er.

Auch die Pensionskassen seien von der Inflation besonders betroffen, wenngleich die leichte Erhöhung des Zinsumfelds zu einer – wenn auch nur geringfügigen – Verbesserung geführt haben. Zudem haben die Pensionskassen den Rechnungszins abgesenkt und darüber hinaus planen viele, ihren Kapitalstock in chancenreichere Anlagen umzuschichten oder haben das bereits getan. „Deswegen beaufsichtigen wir auch nur noch rund 30 Pensionskassen intensiver, vorher waren es noch 40.“ Dennoch würden die Maßnahmen bei einigen Anbietern möglicherweise nicht ausreichen, so Grund.

Das Problem beim Zinsanstieg für Pensionskassen: Er habe gegenläufige Effekte. Einerseits würde dadurch die Ertragskraft gesteigert, andererseits wirke sich der Anstieg der Zinsen auf die stillen Reserven jedoch negativ aus – sie schmelzen. „Wenn die Zinsen stärker steigen, wäre keine stille Reserve nennenswerter Art mehr vorhanden.“

Die beschriebenen Mechanismen und Folgen gelten, so der BaFin-Exekutivchef, auch für die intensiv beaufsichtigten Lebensversicherer: Deren Zahl sei leicht gesunken und liege derzeit bei 14. Dennoch schätzt die BaFin die verbleibenden Anbieter als robust ein: Viele haben die Überschussbeteilungen gesenkt, die Kosten reduziert und die Zinszusatzreserve aufgebaut.

Transparenz-Hinweis: procontra ist Medienpartner der MCC-Fachkonferenz „LebensVersicherung aktuell“.

 

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