Altersvorsorge: Anzahl der Riester-Verträge sackt weiter ab

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Erfreute sich die Versicherungsbranche noch zu Beginn des Jahres über einen Neugeschäfts-Boom bei den Riester-Verträgen, ist der Blick hinsichtlich der Bestandszahlen getrübt. Wer auf eine schnelle Reform gehofft hat, wird allerdings enttäuscht.

Altersvorsorge: Anzahl der Riester-Verträge sackt weiter ab Bild: Adobe Stock/YY apartment

Zu Beginn des Jahres war noch von einem deftigen Neugeschäftszuwachs die Rede, die Bestandszahlen bei den Riester-Verträgen sinken jedoch kontinuierlich. Bild: Adobe Stock/YY apartment

Der Abwärtstrend bei der Anzahl der Riesterverträge setzt sich fort, wenn auch erst einmal nur geringfügig: Wurden 2020 noch 10,687 Millionen Versicherungsverträge im Bestand gezählt, sank die Anzahl im vergangenen Jahr auf 10,672 Millionen. Auch die Gesamtzahl, also einschließlich Versicherungs-, Bankspar-, Investmentfondsverträgen sowie Wohn-Riester/Eigenheimrente, sackte um 158.000 auf nunmehr 16,211 Millionen ab, wie die aktuellen Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigen.

Viele Anbieter haben sich bereits aus dem Riester-Neugeschäft verabschiedet, weitere werden folgen. „Der Markt hat die Politik hier bereits überholt“, kommentierte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. So plant die Sparkassen Tochter Deka das Neugeschäft ab Sommer dieses Jahres komplett einzustellen. Die DWS-Group, einer der größten Riester-Anbieter, hat ihr Neugeschäft mit Riester-Produkten bereits vor einem halben Jahr beendet.

Dennoch vermeldete der GDV zu Beginn des Jahres einen Boom beim Riester-Neugeschäft. Demnach haben sich im vergangenen Jahr so viele Verbraucher für die geförderte Altersvorsorge entschieden wie seit 2016 nicht mehr. Für das Neugeschäft wurde ein Zuwachs von zwölf Prozent vermeldet, 310.000 Versicherungsverträge seien hinzugekommen. GDV-Vorsitzender Wolfgang Weiler mutmaßte, dass sich Kundinnen und Kunden vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte um das Thema Altersvorsorge „noch einen Vertrag gesichert“ hätten. Doch offenbar liefen noch mehr Verträge aus oder wurden gekündigt.

Keine Riester-Reform in diesem Jahr

Vor dem Hintergrund der nun vom BMAS veröffentlichten Zahlen rückt abermals die Frage in den Vordergrund, wie es mit der staatlich geförderten Altersvorsorge weitergehen soll: reformieren oder abschaffen? Das ist die große Frage. Während die Versicherungswirtschaft am bestehenden System festhält und lediglich Nachbesserungen fordert, bezeichnete BdV-Mann Kleinlein die Riester-Rente als einen „seit vielen Jahren müffelnden Ladenhüter. Eine leichte Steigerung der Verkaufszahlen auf sehr niedrigem Niveau ändert daran nichts“.

Auch andere Experten wie der ehemalige Grünen-Politiker und Mitinitiator der Bürgerbewegung Finanzwende Gerhard Schick schmähen das vermeintliche Comeback der Riester-Rente als „schöne Erzählung, die an der bitteren Realität für viele Verbraucher vorbeigeht“. Schick zufolge sei das Modell nicht reformierbar, diesbezügliche Bemühungen allesamt gescheitert.

Die Ampelkoalition hatte im aktuellen Koalitionsvertrag einen Prüfauftrag zu möglichen Riester-Alternativen, wie einem staatlich verwalteten Fonds, vereinbart. Doch wie mit Riester weitergeht, ist weiter unklar – lediglich Bestandschutz für die rund 16 Millionen Verträge wurde eindeutig im Vertrag festgehalten. Wer hier auf kurzfristigen Durchblick gehofft hatte, dürfte erst einmal enttäuscht werden. Auf der Jahrestagung der Deutschen Aktuarvereinigung ließ der sozialpolitische Sprecher der FDP, Pascal Kober, verlautbaren: Eine Riester-Reform werde es in diesem Jahr nicht mehr geben. Der Fokus liege darauf, die gesetzliche Rente zu stabilisieren.

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