Wie ein Makler in der Nordsee aufräumt

Martin Thaler Berater Zielgruppenansprache Panorama Top News

Tausende Tonnen alter Netze landen jedes Jahr in den Ozeanen und lassen Wale, Seehunde und Haie elendig verenden. Versicherungsmakler Timo Vierow will das nicht weiter akzeptieren und ruft zur Bergungsaktion auf. Die ganze Geschichte

Ghost Diving Germany Bild: Privat

Geisternetze wie dieses hier wollen die Taucher von Ghost Diving Germany Anfang Mai aus der Nordsee holen. Bild: Ghost Diving Germany

An Gespenster muss man nicht glauben, Geisternetze hingegen sind traurige Realität. Zwischen 640.000 und 800.000 Tonnen industrieller Fischereiausrüstung werden Jahr für Jahr in den Meeren der Welt entsorgt oder gehen verloren – insbesondere herrenlose Fischernetze werden für viele Meereslebewesen unter Wasser zur qualvollen Todesfalle. Laut Angaben von Greenpeace liegen allein in der südlichen Nordsee 1.000 Wracks auf dem Meeresboden – an jedem befinde sich eines der sogenannten Geisternetze.  

Anfang Mai dieses Jahres sollen es einige weniger werden – und das ist auch der Verdienst von Timo Vierow, Besitzer des Maklerunternehmens tauch.versicherung. Zusammen mit Bessergrün, dem Gemeinschaftsunternehmen der NV Versicherung, der Itzehoer und der Inter, und den Tauchern des neu gegründeten Vereins „Ghost Diving Germany“ soll in der ersten Maiwoche vom ostfriesischen Neuharlingersiel aus in See gestochen werden. Denn auch zwischen Borkum und Wilhelmshaven wabern Geisternetze im Wattenmeer und gefährden Seehunde, Schweinswale und andere Tiere.  

„In der Nordsee macht das praktisch keiner“

Während in anderen Meeren Umweltschutzorganisationen wie WWF und Greenpeace schon längst die herrenlosen Netze bergen, ist die Nordsee bisweilen noch sträflich vernachlässigtes Territorium. „In der Nordsee macht das praktisch keiner“, bemerkt Vierow. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Selbst für die erfahrenen Taucher von „Ghost Diving Germany“ dürfte die geplante Bergungsaktion kein Spazier(tauch)gang werden.   

 „Die Nordsee ist eines der herausforderndsten Tauchgebiete überhaupt“, warnt Vierow. Starke Strömungen, trübe Sicht und das Wechselspiel der Gezeiten sind auch für erfahrene Unterwassersportler eine Herausforderung. Der Versicherungsmakler weiß, wovon er spricht – Vierow ist nicht nur selbst passionierter Taucher, auch seine Maklertätigkeit hat er auf die Zielgruppe der Taucher zugeschnitten.

Die Aktion ist auch für die beteiligten Versicherer Neuland. Bislang wurde für jede abgeschlossene nachhaltige Versicherung in der Regel ein Baum gepflanzt – nun wird der Fokus durch die Initiative des Bremer Versicherungsmakler auch auf das Meer ausgedehnt. Die Idee hierzu sei ihm im Gespräch mit NV-Vorstand Henning Bernau gekommen, mit dem Vierow schon bei einer Hausratversicherung speziell für Taucher kooperierte. Bernau war schnell überzeugt. „Sein Büro liegt unmittelbar hinterm Deich, das Meer ist also vom Büro zu sehen“, erinnert sich Vierow.  

Eine Gefahr stellen die Geisternetze nicht nur für die maritime Fauna dar, sondern auch für den Menschen – mittelbar wie unmittelbar. Durch die Sonne und die Gezeiten wird sämtliches Plastik im Meer und damit auch die häufig aus Polyethylen, Polyamid oder Polyester bestehenden Netze zersetzt. Die immer kleiner werdenden Teile – das sogenannte Mikroplastik – gelangt über die Mägen der Fische schließlich auch wieder auf die Teller der Menschen.  

Bewusstsein schaffen

Und auch für Taucher – und somit Vierows Zielgruppe – stellen die Geisternetze eine durchaus ernstzunehmende Gefahr dar. „Auch darum sollten Taucher immer ein Schneidewerkzeug dabeihaben, um sich im Fall der Fälle befreien zu können“, rät Sporttaucher Vierow.  

Ob es weitere Aktionen nach dem Ostfriesland-Projekt Anfang Mai geben wird? „Gut möglich“, sagt Vierow – doch nun gelte es erst einmal, die Organisation und Durchführung dieses ambitionierten Projekts durchzuziehen. Der Erfolg bemisst sich dabei nicht allein an der Zahl der geborgenen Netze. Genauso wichtig ist es, ein Bewusstsein für ein Problem zu schaffen,  das noch zu häufig durch die großen Maschen des öffentlichen Bewusstseins schlüpft.

Hinweis: Wer mehr über das "Ostfriesland-Projekt" erfahren möchte, kann sich für weitere Informationen an Timo Vierow wenden.

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