Ukrainekrieg: „Die Preise für Edelmetall werden sicher weiter steigen“

Investmentfonds Sachwerte Top News von Jan F. Wagner

 

procontra: Welche Werte dürften zu den Gewinnern der Ukraine-Krise gehören?

Klude: Wenn man aus der Vogelperspektive auf die aktuellen Entwicklungen schaut und sagt, mich interessieren nur die profitablen Unternehmen, dann sollte man etwa auf die Sektoren Öl und Gas, Rohstoffe, aber auch Rüstungsfirmen schauen. Wir bei M.M. Warburg & Co. steuern unsere Portfolios nach nachhaltigen Kriterien. Folglich haben wir keine Ölaktien und keine Rüstungsaktien im Portfolio. Ich bin jedoch sehr gespannt, wie sich die Anleger in dieser Krise verhalten werden. Denn vor der Krise waren sie bei nachhaltigen Anlagen bereit, gegebenenfalls auf Rendite zu verzichten. Jetzt aber könnte es sein, dass sie ihren Nachhaltigkeitsansatz hinterfragen, weil sie sagen, ganz ohne Performance geht es auch nicht. Ich favorisiere zudem größere und profitable Technologieunternehmen wie Amazon oder Apple. Von den direkten negativen wirtschaftlichen Folgen des Krieges, wie zum Beispiel dem starken Anstieg des Ölpreises, dürften sie verschont bleiben.

procontra: Sind auch Edelmetalle wie Gold im klaren Vorteil?

Klude: Es könnte durchaus sein, dass die Preise für Edelmetalle noch weiter ansteigen, weil diese von den Anlegern als ein sicherer Hafen angesehen werden. Der Goldpreis hatte zuletzt einen neuen Rekord erreicht, und falls der Krieg länger dauert, könnte ich es mir gut vorstellen, dass der Preis nochmals um zehn oder 15 Prozent zulegt. 

procontra: Wie positioniert sich Warburg im Edelmetall-Bereich?

Klude: Wir sehen Gold als eine Versicherung gegen wirtschaftliche Risiken wie die, die jetzt mit dem Ukraine-Krieg zusammenhängen. Allerdings kaufen wir kein Gold oder Gold-ETCs (Schuldverschreibung) für die Depots unserer Kunden, sondern investieren zum Beispiel in Goldminenaktien. Im Fall einer wirklichen Krise nutzt Gold im Depot den Kunden nicht, weil der Börsenhandel wahrscheinlich gar nicht mehr möglich wäre. Abgesehen von Goldminen führt unsere defensive Strategie dazu, dass wir entweder den Kassa-Posten oder den Anleiheposten in Fonds und in den Depots anheben. Langlaufende Staatsanleihen funktionieren derzeit aber nicht, weil sie keine Renditen erwirtschaften. Wir haben daher kurz laufende Staatsanleihen außerhalb der Euro-Zone wie z.B. US-Treasuries gekauft. Sie bringen ein wenig Rendite und sorgen darüber hinaus für mögliche Währungsgewinne. Denn wir glauben schon, dass der Euro weiter abgewertet wird.

procontra: Was würden Sie als Berater einer Anlegerin mit 200.000 Euro empfehlen in dieser schwierigen Zeit?

Klude: Das hängt natürlich stark von individuellen Faktoren wie etwa der Risikotragfähigkeit der Anlegerin ab. Pauschal gesagt, fährt man mit einem ausgewogenen Portfolio mit Qualitätsaktien gut. Vor dem langfristigen Zeithorizont, also 15 bis 20 Jahre, zeigt sich, dass Aktien gegenüber Anleihen klar im Vorteil sind. Denn was ist die derzeitige Perspektive bei den Anleihen? Ich bekomme fast keinen Coupon und die Zinswende scheint gerade erst zu beginnen, sodass weitere Kursverluste vorprogrammiert erscheinen. Wenn die Anlegerin 200.000 Euro zu investieren hat, dann würde ich empfehlen, die ersten 50.000 Euro zu investieren und dann schauen wir, wo wir im Sommer stehen. Dann nehmen wir die nächsten 50.000 Euro und kaufen bei entweder niedrigeren oder höheren Kursniveaus. Damit nutze ich den sogenannten Cost-Average-Effekt. Das heißt, bei fallenden Kursen verbillige ich den durchschnittlichen Einstiegskurs. Vor allem in volatilen Börsenzeiten kann dies die Nerven von Neueinsteigern in den Aktienmarkt schonen. Ich mache dann schrittweise weiter, bis wir Ende 2022 voll investiert sind.

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