Studie: Wohneigentum wird zum „unerreichbaren Traum“

Anne Mareile Walter Sachwerte

Immer mehr Deutsche stellen den Wunsch nach einer eigenen Immobilie hinten an. Der Grund: die astronomischen Preise. Schenkungen oder familiäre Hilfen spielen bei der Finanzierung deshalb eine immer größere Rolle.

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Wegen der explodierenden Preise schwören immer mehr Deutsche dem Traum von der eigenen Immobilie ab. Bild: Adobe Stock/NeoLeo

Die Immobilienpreise klettern in astronomische Höhen – für etliche Deutsche ist der Traum von den eigenen vier Wänden daher geplatzt. So ist nach einer aktuellen Studie des privaten Baufinanzierers Interhyp eine Mehrheit der Befragten der Ansicht: Ein Immobilienkauf in der eigenen Region sei „gar nicht“ oder „kaum noch“ leistbar. 51 Prozent von 1.000 befragten Immobilieninteressenten gaben dies in der Erhebung an. 77 Prozent sind sogar der Überzeugung, dass es in Deutschland eine Immobilienblase gibt.

„Viele der von uns Befragten haben das Gefühl, dass die Preise ‚unaufhörlich ins Unermessliche‘ steigen“, erklärte dazu Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe, in einer Pressemitteilung. Laut den Interhyp-Daten verlaufe die Preissteigerung nach zwei Jahren mit einem Anstieg von jeweils über zehn Prozent aktuell weiter ungebremst und falle höher als im Vorjahresquartal aus. lm ersten Quartal 2022 lagen demnach die durchschnittlichen Kosten für den Bau oder Kauf einer Immobilie inklusive Nebenkosten bei 540.000 Euro – 14 Prozent mehr als im ersten Quartal 2021. Damals lag der Preisanstieg bei neun Prozent. Kaum überraschend, liegen die Durchschnittspreise in den Metropolen noch einiges darüber. So müssen Kaufwillige in München im Schnitt 905.000 Euro für eine Immobilie berappen, in Hamburg sind durchschnittlich 750.000 Euro fällig.  

EZB-Zinspolitik wird verantwortlich gemacht

Dementsprechend fallen die Reaktionen der Befragten aus: 65 Prozent bezeichnen die Preise als „abschreckend“ und mit 45 Prozent ist fast die Hälfte der Ansicht, dass die aufgerufenen Kaufpreise in Relation zum Einkommen zu hoch sind. 29 Prozent haben daher den Immobilienkauf verschoben. Mit sieben Prozent lässt sich hingegen nur eine Minderheit nicht vom überhitzten Markt beirren und hält weiter an ihrem Immobilientraum fest.

Was die Ursachen für den Preisanstieg betrifft, gehen die Ansichten der Befragten auseinander: 58 Prozent machen die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich, 46 Prozent verorten den Grund für die explodierenden Preise im knappen Angebot an Objekten und der geringen Bautätigkeit. Für 37 Prozent sind Spekulanten und Investoren die Hauptpreistreiber. Interhyp-Vorstand Utecht sieht in dem Punkt die Politiker in der Pflicht: „Damit Immobilien für breite Bevölkerungsschichten wieder leistbarer werden, sind passendere staatliche Anreize, wie zum Beispiel Erleichterungen bei der Grunderwerbsteuer, nötig.“

Wer sich trotz explodierender Preise für eine Finanzierung entscheidet, nutzt in der Regel einen Kredit: Das tun 77 Prozent der Befragten. Mehr als ein Viertel der Deutschen (27 Prozent) kann sich den Traum von den eigenen vier Wänden nur durch ein Erbe, eine Schenkung oder die Unterstützung der Eltern leisten. Dabei summieren sich die Ersparnisse der Befragten im Schnitt auf 128.000 Euro. Wer über eine Schenkung verfügt, besitzt durchschnittlich 94.000 Euro, bei Erben sind es 158.000 Euro. „Wer nicht auf Geldmittel aus der Familie zurückgreifen kann, benötigt in der Regel ein hohes Einkommen und etliche Jahre zum Aufbau der Ersparnisse, bevor ein Immobilienkauf möglich ist“, so Utecht.

Jungen Menschen oft auf familiäre Unterstützung angewiesen

Ähnlich war die Situation in puncto Finanzierung im vergangenen Jahr. Damals zeigte eine im März 2021 veröffentlichte Studie der Interhyp-Gruppe, dass 29 Prozent der Deutschen bei der Immobilienfinanzierung auf Unterstützung aus dem privaten Umfeld angewiesen sind. Auf eigene Ersparnisse setzten damals 51 Prozent, immerhin 79 Prozent realisierten den Traum von den eigenen vier Wänden mit Hilfe eines Darlehens von Kreditinstituten. „Besonders für junge Menschen ist es wichtig, dass man ihnen beim Immobilienkauf finanziell unter die Arme greift“, erklärte Utecht damals anlässlich der Studienveröffentlichung.

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