So erstellen Makler die passende Betriebsbeschreibung

Stefan Terliesner Baugewerbe Berater

Ein Vermittler sollte die Tätigkeiten eines Bauhandwerkers verstehen. Im Beratungsgespräch beschreibt der Kunde dann seinen normalen Arbeitstag und der Makler achtet auf Flexibilität.

Betriebsbeschreibung Bild: Adobe Stock/visoot

Mit den gängigen W-Fragen ist es bei der Betriebsbeschreibung nicht getan. Bild: Adobe Stock/visoot

Im Gewerbegeschäft gilt die Regel: Je präziser die Betriebsbeschreibung ist, desto besser ist der Versicherungsnehmer geschützt. Doch was gehört hier alles rein? Die vier W-Fragen (wer, was, wo, womit), die in diesem Zusammenhang zum Beispiel im Internet genannt werden, reichen nicht aus. Hieraus ergibt sich höchstens die Einschätzung, „ja, der Kunde braucht eine Betriebshaftpflichtversicherung“, sagt Kevin Kübel, Maklerbetreuer der R+V Versicherung. Und weiter: „Viel wichtiger ist, dass die Maklerin oder der Makler über die Branche informiert ist, damit zunächst die Vielschichtigkeit kennt und dann auf die individuellen Gegebenheiten des Kunden eingehen kann.“

Gespräch statt Verhör

Anschließend gehe es darum, den Kunden nicht nur zu befragen, sondern seine Tätigkeiten und Leistungen zu verstehen. „Eine Betriebsbeschreibung beginnt mit dem Leitbild des Unternehmers“, so Kübel. Denn hier erfahre der Vermittler, worauf der Kunde den größten Wert bei seiner Tätigkeit legt. Wenn das verstanden sei, könne der Kunde in die Details einsteigen und es ergebe sich ein Beratungsgespräch anstelle eines Beratungsverhörs. Zur detaillierten Betriebsbeschreibung gelangten beide dann, indem der Kunde dem Vermittler seinen normalen Arbeitstag beschreibt. Das gebe letztlich auch dem Versicherer nicht nur Aufschluss darüber, was der Kunde macht, sondern auch wie.

Vom normalen Arbeitstag könne man dann im Beratungsgespräch zu den Spezialfällen überleiten. Dies seien zum Beispiel besondere Bauprojekte, die der Handwerkbetrieb in der Vergangenheit begleitet und durchgeführt hat. Das habe zwei Vorteile: Erstens würden über den normalen Betrieb hinausgehende Risiken erkennbar. Und zweitens schließe sich der Kreis zum Verstehen der Tätigkeiten und Leistungen, da die besonderen Projekte in der Regel die sind, auf die ein Bauhandwerker besonders stolz ist. Mit diesem Ansatz lasse sich der Kontakt zum Kunden intensiv leben, ist Kübel überzeugt. Der Kunde gebe von sich aus eine detaillierte Beschreibung seines Betriebs. Dann ergebe sich auch die Chance, gezielt Fragen zu stellen, sollten diese erforderlich sein.

Versichertes Risiko definieren

Bei einer nicht ausreichenden Betriebsbeschreibung hat im Schadenfall nicht nur der Versicherungsnehmer ein Problem. Der Bundesgerichtshof nahm in einem Urteil vom 26.3.2014 (Az: IV ZR 422/12) den Makler in Haftung, weil dieser die Tätigkeiten eines Ofenbauers genauer hätte erfragen und dies im Beratungsprotokoll hätte dokumentieren müssen. Im konkreten Fall hatte der Ofenbauer einen Pumpensumpf abgedichtet. Allerdings kann auch nicht erwartet werden, dass ein Makler in der Praxis jeden Handgriff durchdeklinieren kann.

Zur Tätigkeit eines Ofenbauers gehört sicherlich auch das Fliesenlegen rund um den Ofen dazu. Und zum Malen und Anstreichen der Auf- und Abbau eines Gerüsts zum Streichen einer Fassade. Nicht versichert sei, wenn ein Versicherungsnehmer Baggerarbeiten in seiner Betriebsbeschreibung angegeben hat, aber Umsätze mit Arbeiten wie Kellerabdichten erzielt. Um einem Bauhandwerker eine gewisse Flexibilität zu geben, eine neue Tätigkeit geschäftsmäßig aufzunehmen, sei die sogenannte Vorsorgeversicherung heute Marktstandard. Selbstverständlich müsse der Versicherungsnehmer die neuen Risiken beim Versicherer/Makler melden, wenn er danach gefragt wird, was meistens jährlich erfolge. Auch Nebenrisiken wie ein (nicht geplanter) Gelegenheitsjob für einen Freund, seien meist mitversichert.

Problematik Mischbetrieb

Hilfreich auch für Vermittler sei der Hinweis auf § 5 Handwerkerverordnung: „Wer ein Handwerk ... betreibt, kann hierbei auch Arbeiten in anderen Handwerken ... ausführen, wenn sie mit dem Leistungsangebot seines Gewerbes technisch oder fachlich zusammenhängen oder es wirtschaftlich ergänzen.“ Mit Verweis auf diese Regelung hätten Gerichte schon den Versicherungsschutz bestätigt, auch ohne, dass jede einzelne Tätigkeit als Betriebsbeschreibung hinterlegt war.

In der Praxis problematisch ist der Mischbetrieb, betonen Versicherungsfachleute. So stelle ein Baubetrieb häufig selber Baumaterialien her und handele damit, nennt Kübel ein Beispiel. Wichtig sei in diesem Fall ein umfassender Schutz auch für die Hersteller- und Handelsrisiken wie eine erweiterte Produkthaftpflichtversicherung und eine Allgemeine Rückrufdeckung. Experten zufolge sind bei Mischbetrieben generell die verschiedenen Tätigkeiten in der Betriebsbeschreibung anzugeben. Die Beitragsberechnung erfolge dann meist mit einer Aufteilung von Umsatz, seltener gemäß Lohn-/Gehaltssumme oder Anzahl der Mitarbeiter. Vorsicht ist bei manchen Vergleichsrechnern angebracht: Mitunter kann dort derzeit nur eine Tätigkeit eingegeben werden. Das widerspreche der Regel, je präziser die Betriebsbeschreibung ist, desto besser ist der Versicherungsnehmer geschützt.