Schadenfall der Woche: Chef muss für abgesagte Hochzeit seiner Mitarbeiterin blechen

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Panorama

Nachdem ihr Chef positiv auf Corona getestet wurde, musste sich eine Mitarbeiterin als Kontaktperson ersten Grades in Quarantäne begeben – und ihre geplante Hochzeit absagen. Der dadurch entstandene Schaden belief sich auf knapp 5.000 Euro.

Schadenfall der Woche: Chef muss für abgesagte Hochzeit seiner Mitarbeiterin blechen Bild: procontra

Eine Immobilienwirtin war gezwungen, kurzfristig ihre Hochzeit abzusagen, nachdem sie aufgrund der Corona-Erkrankung ihres Chefs in Quranatäne musste. Auf den entstandenden Kosten bleibt sie jedoch nicht sitzen. Bild: procontra

Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Das Bonmot gilt nicht allein für den Bund des Lebens, auch ein Arbeitsverhältnis sollte gut bedacht werden. In einem kürzlich vor dem Landesarbeitsgericht München verhandelten Fall hat es am Ende mit beidem nicht geklappt. Die Klägerin, eine Immobilienwirtin, hatte im Sommer 2020 – die Pandemie war gerade ein paar Monate zugange – gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Unternehmens, für das sie tätig war, für Auswärtstermine in einem Auto gesessen.

Besagter Geschäftsführer, Herr Z., habe allerdings unter deutlichen Erkältungssymptomen gelitten und wider besseren Wissens während der gemeinsamen Autotouren keine Schutzmaske getragen. Ein geschlossener Raum ist für Aerosole natürlich von großem Verbreitungsvorteil. Kurze Zeit danach wurde der Geschäftsführer dann auch positiv auf Corona getestet. Nach den geltenden Corona-Regeln ordnete das Gesundheitsamt für die Klägerin, die als Kontaktperson 1 gegolten hatte, daraufhin die Quarantäne an.

Das wäre vielleicht nicht weiter tragisch gewesen, wenn die Klägerin nicht kurz vor ihrer Eheschließung gestanden hätte. Die Folge: Sie musste ihre geplante kirchliche Trauung mit anschließender Hochzeitsfeier absagen und unter anderem den Raum für die Feier ebenso stornieren wie das Engagement einer Band, den Auftrag für das Catering und die Blumenbestellung. Auch die anschließende Reise musste das angehende Brautpaar abblasen. Selbst eine Reiserücktrittsversicherung hätte die Stornokosten für eine Hotelbuchung nur erstattet, wenn die Klägerin aufgrund einer eigenen Erkrankung die Reise nicht hätte antreten können. Die entstandene Schadenhöhe belief sich insgesamt auf 5.000 Euro, die die Frau anschließend von dem Geschäftsführer erstattet bekommen wollte.

Fehlende Maske: Fürsorgepflicht verletzt

Nachdem das Arbeitsgericht Regensburg der Klägerin bereits recht gegeben hatte, entschied auch das Landesarbeitsgericht München Mitte Februrar dieses Jahres (Az. 4 Sa 457/21): Der Arbeitgeber hat mit seinem Verhalten seine Fürsorgepflicht verletzt und dadurch die Absage der Hochzeit verursacht. Wäre er nämlich zuhause geblieben oder hätte den notwendigen Abstand zur Klägerin eingehalten, indem beide in getrennten Autos gefahren wären, hätte sich die Klägerin nicht in Quarantäne begeben müssen und die geplante Feier hätte stattfinden können. Er muss nun also knapp 5.000 Euro blechen.

Wer nun einwendet, die Klägerin hätte ja auf eine getrennte Autofahrt bestehen können und habe sich so mitschuldigt gemacht, irrt: Ein Mitverschulden könne man ihr nicht vorwerfen, schließlich sei von ihr nicht zu erwarten, dass sie gegenüber dem Vorgesetzten verlangt, ein zweites Auto zu nutzen, entschied das Gericht. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. So oder so: Noch einmal wird die Klägerin nicht mit dem Beklagten in einem Auto fahren: Das Arbeitsverhältnis endete nach über neun Jahren Ende 2020.

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