Rechtsschutz: Blick hinter die Kulissen für Makler

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Die Märkte, in denen sich der Rechtsschutz bewegt, verändern sich massiv. Um die Folgen für den Versicherungsschutz und die häufigsten und teuersten Rechtsschutzschäden ging es auf einem virtuellen Maklerforum von KS/Auxilia.

Nur wenn Kunden den Nutzen der Rechtsschutzversicherung erkennen, sind sie für eine Beratung offen, ermuntert Auxilia-Vorstand Bernd Rademacher Makler zur Kundenakquisition. Bild: Auxilia

Nur wenn Kunden den Nutzen der Rechtsschutzversicherung erkennen, sind sie für eine Beratung offen, ermuntert Auxilia-Vorstand Bernd Rademacher Makler zur Kundenakquisition. Bild: Auxilia

Der Rechtsschutzspezialist KS/Auxilia hatte Makler am Mittwoch zu einem virtuellen Makler-Forum unter dem Motto „Jetzt erst Recht“ eingeladen. Als Maklerversicherer wolle man den Geschäftspartnern  Mehrwerte und neue Impulse für ihren Vertriebs-Alltag bieten.

Den Auftakt bildete Vorstandschef Rainer Huber. Er zeigte auf, wie die Digitalisierung den gesamten Rechts- und Rechtsschutzmarkt verändert. Ausgangspunkt: Hierzulande gibt es rund 23 Millionen Policen mit einem Durchschnittsbeitrag von 210 Euro bei einer durchschnittlichen Schadenhöhe von 705 Euro. Die Combined Ratio rutschte nach drei Jahren  im knappen Profitbereich wieder ins Negative und lag 2020 bei 102,6 Prozent – rund die Hälfte der Anbieter schrieb zuletzt also wieder rote Zahlen.

Makler noch mit viel Rechtsschutz-Potenzial

Huber sieht bei Maklern noch großes Potenzial. Von den 23 Millionen Policen seien rund 20 Prozent im Maklerbestand (4,6 Millionen Verträge). Während die Haushaltsdurchdringung beim Rechtsschutz insgesamt rund 45 Prozent ausmacht, sind es in den Maklerbeständen nur 20 bis 30 Prozent, wie Makler selbst schätzen. Makler liegen also unter ihrem Potential. Das Marktstorno samt Umdeckungen betrage rund sechs Prozent (275.000 Verträge). Durch leichtes Stückzahlwachstum der Maklerbestände schätzt Auxilia die Gesamtzahl der jährlich über Makler eingedeckten RS-Verträge auf 300.000.

„Der Rechtsschutz wandelt sich vom individuellen Schadenfall zur permanenten digitalen Suche nach Ansprüchen durch die Klageindustrie“, hat Huber beobachtet. Rhetorisch fragt er: Hat der Fiat-Ducato- Diesel-Fahrer, haben die PKV-Kunden wirklich Probleme, oder werden ihnen permanent mögliche Ansprüche aufgezeigt? „Das Leben der Verbraucher wird zunehmend digital auf eventuelle Ansprüche durchforstet“, beklagt der Vorstandschef. „So war Rechtsschutz jedenfalls nicht gedacht und auch nicht kalkuliert.“

Warum digitales Schadenmanagement eher Versicherten hilft

Dennoch sei es gut, dass durch Digitalisierung das Schadenmanagement verbessert werde – auch durch mehr Schnittstellen zum Verbraucher. Da seien die RS-Anbieter gut beraten, selbst Interessenten auf Ansprüche zu lenken, etwa über Netzwerkpartner wie Anwaltskanzleien. Wer das verpasse, überlasse Rechtsdienstleistern das Feld, deren Geschäftsmodelle auf den Zeitpunkt des Schadenfalls (point of claim) abzielten, der zunehmend zum point of sale werde, meint Huber.

Allerdings machte er Menschen ohne Rechtsschutzversicherung da wenig Hoffnung: Für manche Anwälte und Teile der „Klageindustrie“ seinen Nichtversicherte als Mandanten uninteressant (oft zu niedrige Streitwerte). Zudem macht die 2021 erfolgte Erhöhung der Justizkosten- und Rechtsanwaltsvergütungen um 15 Prozent die Verfolgung eigener rechtlicher Interessen ohne Rechtsschutzversicherung finanziell vielfach unmöglich.

An diesr Stelle sollten Makler im Kundengespräch ansetzen, meint Huber. Immerhin muss ein RS-Versicherter den juristischen Erfolg nicht mit einem Legal-Tech oder einem Prozessfinanzierer teilen und Rechtsansprüche ließen sich ohne Kostendruck verfolgen.

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