Prognose für Versicherer: Höhere Einnahmen, geringere Kosten, trotzdem Probleme

Florian Burghardt Versicherungen

80 Prozent mehr Prämieneinnahmen und deutlich geringere Kosten prophezeit eine Bain-Studie der Versicherungsbranche bis 2030. Doch diese Entwicklung hat für die etablierten Versicherer auch Tücken. Am Ende könnten sie sogar schlechter dastehen als jetzt.

Bild: Adobe Stock/shockfactor.de

Höhere Beitragseinnahmen und geringere Kosten klingen für Versicherer erstmal toll. Doch laut einer Studie wird die Assekuranz nicht von alleine in eine goldene Ära rutschen. Bild: Adobe Stock/shockfactor.de

Bis 2030 – das ist schon in acht Jahren – rechnet die Unternehmensberatung Bain & Company beinahe mit einer Verdopplung der weltweiten Prämieneinnahmen von Versicherern. Von derzeit 5,5 Billionen US-Dollar werden diese auf neun bis zehn Billionen ansteigen, schreibt die Studienautoren in einer aktuellen Analyse des globalen Versicherungsmarkts. Das würde einen Anstieg um circa 80 Prozent bedeuten, womit die weltweiten Prämien bis 2030 doppelt so schnell wachsen würden wie in den 2010er Jahren, so der Vergleich.

Den deutlichen Anstieg begründet Bain erstens mit einer stark steigenden Nachfrage nach Versicherungsschutz in Schwellenländern. Zweitens werde die Anzahl der abgeschlossenen Policen für bestimmte Risiken in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Als Beispiele werden Cyber-Risiken genannt, von denen laut Bain bislang erst fünf Prozent versichert seien, sowie Elementarschutz, den bislang erst rund 24 Prozent aller denkbaren Risiken genössen. Zudem würden sich die Versicherer zunehmend die Vermeidung oder zumindest Minimierung von Risiken als Ertragsquellen erschließen.

Deutlich geringere Kosten erwartet

Auch bei den Kosten rechnet die weltweit tätige Unternehmensberatung mit deutlichen Einsparungen. So werde, durch den Einsatz neuer Technologien, der Schadenaufwand bei Sachversicherern in den kommenden Jahren im Schnitt um 15 bis 20 Prozent sinken. Im Versicherungsbetrieb seien durch die Automatisierung von Prozessen sogar Einsparungen von 40 bis 50 Prozent möglich und die Kosten von Lebensversicherern dürften sich um 20 bis 30 Prozent reduzieren, heißt es in der Studie.

Doch was nach einem goldenen Zeitalter für die Versicherer klingt, wird diesen nicht automatisch einen größeren Profit bescheren, glaubt Dr. Christian Kinder, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Versicherungen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika: „Theoretisch würden steigende Prämieneinnahmen bei rückläufigen Kosten zu einem deutlichen Anstieg der Marge führen, doch in der Praxis wird es sich anders verhalten. Die sinkenden Kosten werden in erster Linie den Kundinnen und Kunden zugutekommen, da ihre Prämien zurückgehen."

3 Themen, die Versicherer bedenken sollten

Doch das ist nur eine der Herausforderungen, welche mit der Entwicklung der nächsten Jahre auf die etablierten Versicherer zukommen werden. Denn das wachsende Prämienvolumen und die sinkenden Kosten würden immer mehr Wettbewerber anlocken. So würden Technologiekonzerne und InsurTechs versuchen, die etablierten Versicherer aus bestimmten lukrativen Bereichen zu verdrängen. Versicherer würden mit ihren Policen auf einen Zulieferer-Status degradiert werden, was schon heute zum Beispiel beim Kauf von Pkw der Fall sei. Die neuen modernen Wettbewerber würden kombinierte Lösungen für nahezu alle Teile der Wertschöpfungskette anbieten und die Versicherer im besten Fall zu Nebendarstellern machen, so das Fazit. Die Strategie der neuen Wettbewerber werde unterstützt durch deren Suche nach dem direkten Kontakt zu den Kunden.

Aus Sicht von Kinder müssten sich die etablierten Versicherer mit drei Themen auseinandersetzen, um von den grundsätzlich guten Marktbedingungen der nächsten Jahre zu profitieren:

  1. Erweiterung des Geschäftsmodells um Risikovermeidung und -minimierung, beispielsweise durch die Ansprache risikoarmer Kundengruppen mit Telematiktarifen und Gesundheitsprämien. Zudem Privat- und Gewerbekunden durch die Früherkennung von Risiken unterstützen, etwa durch Smart Devices, die Gefahren im Straßenverkehr oder Kurzschlüsse in Fabrikhallen früherkennen.

  2. Für sich selbst klären, ob man als Versicherer aktiv bleiben möchte, auch wenn man als Zulieferer nur noch eine „Embedded Insurance“ liefern kann, also den Versicherungsschutz als einen kleinen Teil eines Gesamtprodukts wie dem Autokauf.

  3. Über Omnikanalansätze den direkten Kontakt zum Kunden erhalten, um nicht ausgebootet zu werden. Natürlich habe jeder Versicherer und Vermittler irgendwelche Kontaktdaten zu seinen Kunden. Es gehe aber darum, diese am schnellsten und auf deren favorisierten Kanälen zu erreichen. Der Ausbau direkter Vertriebskanäle in Verzahnung mit den klassisch etablierten Vertriebswegen sei hierzu ein weiterer Schlüssel.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!