Offene Immobilienfonds: Renditen unter Druck

Stefan Terliesner Berater Investmentfonds

Ein Selbstläufer ist ein Investment in offene Immobilienfonds nicht mehr. Weil Shopping-Center leiden, drängen die Anbieter jetzt ins Wohnsegment und treiben dort die Preise hoch. Gute Renditen verlangen allerdings einen Balanceakt.

Immobilienfonds Bild: Adobe Stock/Robert Kneschke

Viele Immobilienfonds investieren in jüngerer Vergangenheit verstärkt in Wohn-Immobilien. Bild: Adobe Stock/Robert Kneschke

Angesichts der Unsicherheit an den Märkten werden auch die Anbieter offener Immobilienfonds (OIF) bescheiden. „Wir streben mit unseren Grundbesitz-Fonds eine positive Jahresrendite an“, sagt Ulrich Steinmetz, Leiter Portfoliomanagement Immobilien-Publikumsfonds bei der DWS. Ebenso äußert sich Carsten Thiel, Leiter Fondsmanagement bei Union Investment Real Estate: „Wir erwarten für unsere Fonds weiterhin eine stabile Entwicklung.“  

Etwas konkreter aber gleichwohl vorsichtig formuliert Esteban de Lope, Geschäftsführer der Deka Immobilien, seine Prognose für die Produkte seines Hauses: „Wir erwarten für 2022 ein Ergebnis etwa in der gleichen Größenordnung wie im Vorjahr“. Pandemie-bedingt war die Performance in diesem Zeitraum je nach Deka-Immobilienfonds auf 1,5 bis 2,5 Prozent gesunken.  

Beachtliche Renditeunterschiede  

Im vergangenen Jahr schafften OIF laut Fondsverband BVI im Schnitt eine Rendite von 2,4 Prozent. Über fünf Jahre lag der Satz bei 3,0 Prozent p.a. und über zehn Jahre bei 2,7 Prozent p.a. Auch Sonja Knorr, Leiterin Alternative Investments bei Scope Fund Analysis, hält eine Prognose für 2022 „in der aktuellen Situation für besonders schwierig“. Schließlich nennt sie gegenüber procontra doch eine Spanne von 2,0 bis 2,5 Prozent. „Die Entwicklung der Inflation und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird die Rendite der Fonds maßgeblich prägen“, sagt die Expertin. Auch die Kosten für die Transformation zur Einhaltung der Klimaziele werde für die Branche relevanter.  

Solche Durchschnittszahlen belegen zwar, dass OIF zu Recht als relativ sichere Geldanlage gelten. Und positive Renditen in Zeiten einer Geldentwertung in Höhe von sieben bis acht Prozent sind ja auch was. Die Durchschnittswerte täuschen aber darüber hinweg, dass es zwischen den einzelnen Vehikeln beachtliche Renditeunterschiede gibt. So schaffte der Fokus Wohnen Deutschland in den vergangenen fünf Jahren eine Rendite von 4,4 Prozent p.a., während der UniImmo Global nur auf ein Prozent p.a. kommt. Der Performance-Unterschied liegt auch an der Ausrichtung – hier der Schwerpunkt Wohnimmobilien in Deutschland, dort Gewerbeimmobilien vor allem in Amerika und Europa.  

Seite 1: OIF-Anbieter werden zunehmend bescheiden
Seite 2: Stabile Wohn- und chancenreiche Gewerbeimmobilien