Nachhaltige Finanzberatung: BVK-Umfrage offenbart große Verunsicherung

Martin Thaler Berater

Die Uhr tickt: Ab Anfang August wird das Thema Nachhaltigkeit fester Bestandteil des Beratungsprozesses. Viele Makler zeigen sich aufgeschlossen. Doch an der strategischen Umsetzung hapert es noch, wie eine Umfrage des Vermittlerverbands BVK verdeutlicht.

Michael Heinz Bild: BVK

Viele Vermittler zeigen sich offen für das Thema Nachhaltigkeit, doch hadern noch mit dessen Implementierung in ihre Beratungsprozesse. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Vermittlerverbandes BVK (Bild: BVK-Präsident Michael Heinz). Bild: BVK

In gut drei Monaten ist es soweit: Mit dem Inkrafttreten der IDD-Änderungsverordnung sind Vermittler ab dem 2. August verpflichtet, ihre Kunden nach deren Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. Makler müssen also in Erfahrung bringen, ob und falls ja, in welchem Maße, ihre Kunden ihr Geld nachhaltig anlegen möchten.  

Auch wenn durch diese neue Vorgabe die Kundenberatung noch einmal komplexer wird, scheinen viele Vermittler dem Thema gegenüber aufgeschlossen zu sein. Dies suggeriert zumindest eine neue Befragung des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK) und des German Sustainability Networks (GSN) unter 300 Versicherungsvermittlern, der Großteil davon Versicherungsvertreter (83 Prozent, 12 Prozent waren Versicherungsmakler).    

Vermittler zeigen sich aufgeschlossen

Ein Großteil der Befragten (fast 80 Prozent) erklärten, dass sie aus voller Überzeugung am Thema interessiert sind – nur knapp 35 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich) gab an, sich gezwungen zu sehen, das Thema aufzugreifen. Man könnte auch sagen, dass Vermittler das Thema Nachhaltigkeit in weit größerem Umfang als Chance, denn als lästige Notwendigkeit wahrnehmen.  

Dies verdeutlicht auch die Tatsache, dass 62 Prozent der befragten Vermittler das Thema als „selbstverständlich“ für ihre eigene Geschäftsstrategie sehen, lediglich 15 Prozent bezeichneten das Thema als überflüssig.  

Die Bereitschaft, nachhaltige Aspekte in die Beratung einzubauen, ist also bei der Mehrzahl der Vermittler gegeben – wie sich diese allerdings in den Beratungsprozess integrieren lassen, scheint für so manchen Vermittler allerdings noch unklar zu sein. Laut Umfrage geht die Initiative häufig vom Kunden aus – nicht der Vermittler, sondern der Kunde selbst bringt das Thema Nachhaltigkeit also auf den Tisch.

Defizite bei strategischer Umsetzung

Viele Vermittler sind offenbar noch unsicher, wie sie sich dem Thema strategisch nähern sollen. Laut Umfrage betreibt die Mehrzahl der Vermittler (62 Prozent) beispielsweise keine Selektion nachhaltigkeitsaffiner Zielgruppen.  

Rund die Hälfte gab darüber hinaus an, dass sie sich nie oder selten mit der Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells in Bezug auf Nachhaltigkeit beschäftigen. Ob das zwingend nötig ist, sei einmal dahingestellt. Erste Maklerunternehmen, wie beispielsweise Finsurany, besetzen aber mittlerweile gezielt dieses Segment und geben das Ziel aus, Nachhaltigkeit in den Fokus zu setzen.  

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