Grundfähigkeitsversicherung: 8 von 10 Tarifen sind „ausgezeichnet“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Die richtige Grundfähigkeitsversicherung für ihre Kunden zu finden, ist für Makler aufgrund der vielseitig definierten Leistungsauslöser ein komplexes Unterfangen. Orientierung will ein Vergleich von 112 Tarifen bieten. Allerdings ist die Liste der Testsieger lang.

Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Offenbar ist das Leistungsniveau in der Grundfähigkeitsversicherung sehr hoch. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Das Vertriebspotenzial in der Arbeitskraftabsicherung (AKS) ist sehr groß. Das liegt erstens daran, dass die Mehrheit der potenziellen Kunden noch keine solche Police abgeschlossen haben. Und zweitens, weil dem Thema einige Vorurteile aufsitzen, die man mit fachkundiger Beratung wahrscheinlich schnell relativieren kann.

Da wäre zum einen die Annahme, dass AKS nur in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgen kann. Wer sich dann kurz informiert, stößt vor allem im Falle von körperlich anstrengenden Tätigkeiten auf sehr hohe Beiträge für den BU-Schutz, oft noch gepaart mit Leistungsausschlüssen. Doch laut Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating & Analyse bei der Rating-Agentur Morgen & Morgen, bietet sich speziell für diese Zielgruppen die Grundfähigkeitsversicherung an.

Sie leistet nicht wie die BU- und EU-Police ab einem konkreten Grad der Berufs- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit, sondern beim konkreten Verlust einer körperlichen Fähigkeit, wie etwa dem Greifen mit einer oder beiden Händen. Gemäß einem Beispiel von Morgen & Morgen für eine 30-jährige Dachdeckerin (Endalter 67) mit 1.000 Euro versicherter monatlicher Rente kostet eine BU-Police monatlich 160,07 Euro. Eine vergleichbare EU-Police sei dagegen schon für 56,30 Euro und eine vergleichbare Grundfähigkeitsversicherung bereits für 47,16 Euro zu haben.

Aufwendige Tarifauswahl

Weniger als ein Drittel vom BU-Beitrag klingt natürlich erstmal toll. Allerdings ist bei Grundfähigkeitsversicherungen die große Definitionsvielfalt der Leistungsauslöser der Knackpunkt. Solche Policen sollten nicht als „BU-light“ verstanden werden, sagt zum Beispiel AKS-Experte Philipp Wenzel – auch nicht von den Vermittlern. Denn die sehr unterschiedlich formulierten Leistungsauslöser am Markt machen die Beratung zur Grundfähigkeitsversicherung sehr aufwendig. Schließlich müssten nicht nur die passenden zu versichernden Grundfähigkeiten für jeden Kunden ermittelt werden, sondern anschließend auch die dafür vorteilhaftesten Definitionen.

Zwar sind bereits Bestrebungen am Markt erkennbar, um die vielen verschiedenen Tarife besser miteinander vergleichbar zu machen. Jedoch ist die Situation für Makler immer noch komplex. Um in dieser Orientierung zu bieten, hat Morgen & Morgen am Mittwoch zum dritten Mal sein M&M Rating Grundfähigkeit veröffentlicht. Bewertet wurden insgesamt 112 Tarife und Tarifkombinationen von 28 Lebensversicherern. Für das Rating wurden diese anhand von 36 Leistungsfragestellungen, bezogen auf 15 verschiedene Grundfähigkeiten, miteinander verglichen (nähere Informationen zur Methodik gibt es hier).

So wurde bewertet

Um die Höchstnote von fünf oder die zweitbeste Bewertung von vier Sternen zu erreichen, mussten die Deckungskonzepte zudem die folgenden acht Mindestkriterien erfüllen:

  • Bei einem verspätet gemeldeten Versicherungsfall wird ohne Einschränkung rückwirkend geleistet.
  • Der Prognosezeitraum wird auf sechs Monate verkürzt.
  • Bei einer bereits sechs Monate andauernden ununterbrochenen Fähigkeitenbeeinträchtigung wird rückwirkend von Beginn an geleistet.
  • Jeder einzelne Fähigkeitenverlust ist ausreichend, um die Leistungspflicht zu begründen.
  • Der Versicherer verzichtet auf sein Recht auf Beitragserhöhung oder Kündigung bei unverschuldeter Obliegenheitsverletzung des Versicherungsnehmers nach §19 VVG.
  • Der Versicherungsschutz besteht weiter, wenn die versicherte Person während der Versicherungsdauer ins Ausland verzieht.
  • Auf Antrag werden die Beiträge ab dem Zeitpunkt der Leistungsmeldung bis zur endgültigen Entscheidung über die Leistungspflicht gestundet.
  • Der Versicherer verzichtet auf unübliche Einschränkungen bzw. Klauseln, die nicht zu den ratingrelevanten Sachverhalten gehören.

Auffällig ist, dass 92 der 112 getesteten Tarife/Tarifkombinationen fünf Sterne („ausgezeichnet“) erhielten. Das sind 82 Prozent aller getesteten Produkte. In einem vergleichbaren Grundfähigkeits-Rating von Franke und Bornberg hatte nur etwa ein Drittel der getesteten Tarife/Tarifkombinationen die Höchstnote erhalten. Bei Morgen & Morgen erhielten nun 13 Produkte vier Sterne („sehr gut“), drei Mal gab es drei Sterne („durchschnittlich“) und vier Mal gab es zwei Sterne („schwach“). Die Ergebnisliste kann hier eingesehen werden.

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