Geldanlage: Wie die Inflationsrate aufs Sparverhalten durchschlägt

Detlef Pohl Investmentfonds Panorama

Trotz Niedrigzins und Inflationsanstieg favorisieren viele weiterhin Girokonto und Sparbuch als „Geldanlage“. Allerdings machen Aktien trotz russischer Invasion in der Ukraine Boden gut. Was Umfragen noch an neuen Trends zeigen.

Geldanlage: Wie die Inflationsrate aufs Sparverhalten durchschlägt Bild: Adobe Stock/Von mekcar

Angst ist bei der Geldanlage jeher ein schlechter Ratgeber gewesen. Inflationsangst begegnet man am besten mit Anlagen in Sachwerten wie Aktienfonds oder Aktien. Bild: Adobe Stock/Von mekcar

Die Pandemie und Preissteigerungen verändern die Prioritäten der Deutschen bei der Geldanlage. Das Girokonto und das Sparbuch verlieren deutlich an Beliebtheit, ergab die Frühjahrsumfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen, der dreimal jährlich das Sparverhalten unter jeweils 2.000 Bundesbürgern ab 14 Jahren vom Marktforscher Kantar TNS ermitteln lässt.

Am liebsten lagern die Verbraucher ihr Geld auf dem Girokonto (42 Prozent), das bereits 2020 das Sparbuch als beliebteste Geldanlage der Deutschen abgelöst hatte. Allerdings sank die Zahl der Nennungen gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte. Unverändert auf dem zweiten Platz liegt in der Gunst der Konsumenten das Sparbuch mit aktuell 35 Prozent (2021: 43 Prozent), wobei Mehrfachnennungen erlaubt waren.

Für den Schwund bei den beiden Varianten, die durch Niedrigzins und Inflation zu realen Verlusten führen, sieht der Verband der Privaten Bausparkassen einen klaren Grund. „Die kräftigen Verluste sind eine deutliche Antwort auf Inflationsraten, wie wir sie zuletzt vor 40 Jahren beim ersten Golfkrieg gesehen haben“, sagt Christian König, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Bausparkassen, zu dem Ergebnis.

Aktien auf dem Vormarsch

Die weiteren Platzierungen der Umfrage zeigen zunächst, dass sich am Sicherheitsbedürfnis der Deutschen wenig geändert hat. Rentenversicherungen liegen mit 29 Prozent (2021: 30 Prozent) auf dem dritten Platz, gefolgt mit je 26 Prozent von Bausparverträgen (2021: 28 Prozent) und Immobilien (2021: 26 Prozent). Die leichten Rückgänge weisen auf die eigentlichen Trendgewinner hin: Trotz Coronakrise und damit verbundener wirtschaftlicher Unsicherheit machten Aktien den größten Sprung nach vorn und stiegen in der Verbrauchergunst auf 23 Prozent (2021: 17 Prozent). Investmentfonds legten um zwei Prozentpunkte auf 25 Prozent zu.

Der Vollständigkeit halber seien auch die anderen Top-10-Geldnalegen noch genannt: Riester-Rente und kurzfristige Geldanlagen (Tagesgeld, Festgeld, Termingeld) schafften je 19 Prozent Nennungen (2021: 21 Prozent), während festverzinsliche Wertpapiere bei sieben Prozent verharren.

Langfristige Sparmotive weiter im Vordergrund

Bei den Sparmotiven hat sich laut Umfrage kaum etwas gegenüber dem Herbst 2021 geändert. „Altersvorsorge“ ist mit 59 Prozent und einem Plus von vier Prozentpunkten wieder das meistgenannte Sparmotiv. „Konsum“ – verstanden als Sparen für größere Anschaffungen – nennen 53 Prozent der Befragten (Rückgang um drei Prozentpunkte). Ein Plus um sechs Prozentpunkte auf 44 Prozent verzeichnet das Sparmotiv „Wohneigentum“.

Die anderen drei wichtigsten Sparmotive sind die „Kapitalanlage“ mit 33 Prozent der Nennungen (minus vier Prozentpunkte), „Notgroschen“ mit fünf Prozent – nach sechs Prozent im Herbst – „Ausbildung der Kinder“ vier Prozent (minus ein Prozentpunkt).

Inflationsängste mit Sachwerten beruhigen

Die Gemütslage in Sachen Finanzen bleibt angespannt, untermauert auch die „Gothaer Anlegerstudie 2022“. Danach fürchten 68 Prozent steigende Alltagskosten und eine damit einhergehende Entwertung der Geldanlagen (2021: 60 Prozent). Zudem sorgen sich 48 Prozent, dass der bisherige Lebensstandard nicht gehalten werden kann (2021: 41 Prozent). In diesem Zusammenhang halten 60 Prozent die Niedrigzinspolitik der EZB für falsch (2021: 41 Prozent). In der Gunst der Sparer legten auch hier Aktien mit 25 Prozent (plus drei Prozentpunkte) und Fonds mit 30 Prozent (2021: 26 Prozent) stark zu.

Apropos Fonds: Mit einer cleveren Anlagestrategie und etwas Geduld lässt sich schon mit geringen monatlichen Sparraten ein Vermögen aufbauen. Welche Assets die besten Ertragschancen bieten, hatten Experten zu Jahresbeginn gegenüber procontra verraten. Um besser einschätzen zu können, welche Erträge Aktieninvestments langfristig abwerfen können, lohnt ein Blick auf die Rendite-Dreiecke für verschiedene Börsenindizes, die unter anderem auf Internetportalen zu finden sind. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hatte kürzlich seine neuen Rendite-Dreiecke vorgelegt. Ein Ergebnis: Der DAX 40 legte 2021 um fast 16 Prozent zu.

Politische Börsen nur von kurzer Dauer

Die Rendite-Dreiecke zeigen auch, dass Kursverluste am Aktienmarkt mitunter schnell wieder ausgeglichen werden und die langfristige Rendite von Aktien attraktiv ist. Auch frühere militärische Auseinandersetzungen hatten meist nur kurzfristigen Einfluss auf die Börsen. Es bleibt abzuwarten, ob das diesmal auch so ist.

Im Moment grassiert die Angst vor einem sich ausweitenden Krieg und einem weiteren Absturz der Börsen. „Angst hat nicht nur fatale Auswirkungen auf die Psyche, sondern auch auf den Umgang mit Geld“, schrieb Finanzanalytiker Volker Looman kürzlich in seiner FAZ-Kolumne und mahnte, Anleger müssten nun Ruhe bewahren.

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