Fondspolicen: Sind die Kosten zu hoch und intransparent?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Investmentfonds

Die BaFin bemängelt hohe Kosten bei Fondspolicen, Verbraucherschützer legen bei der Kritik nach. Doch die Effektivkosten der meisten Angebote sind im grünen Bereich. Was Makler zu Kickbacks wissen und ihren Kunden erklären sollten.

Fondspolicen: Sind die Kosten zu hoch und intransparent? Bild: Adobe Stock/photoschmidt

Die Kosten von Fondspolicen sind seit jeher mehr oder weniger intransparent. Die BaFin hat sich die Effektivkosten von klassischen und fondsgebundenen Policen genauer angesehen. Bild: Adobe Stock/photoschmidt

Die Zeitschrift Finanztest hat in der April-Ausgabe 2022 die wichtigsten Tipps aufgelistet, welche Fondspolicen in der Rentenphase überzeugen. Klar ist: Je besser die ausgewählten Fonds oder ETF, desto besser die Performance der Police. Dabei können auch Vermittler helfen.

Schwieriger wird es bei den Kosten. Die sind seit jeher mehr oder weniger intransparent. Neue Fakten liefert eine Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu Effektivkosten von klassischen und fondsgebundenen Policen mit Laufzeiten zwischen zwölf und 40 Jahren. In die Kennziffer fließen unter anderem Verwaltungskosten für die Fonds (Kapitalanlagekosten) und den Versicherungsmantel (Vertrags- und Risikokosten samt Abschlusskosten) ein.

Ergebnis, nachzulesen im Bafin-Journal 03/22 (Seiten 12 bis 15): Fondspolicen waren im ersten Halbjahr 2021 durchweg teurer als die Klassikpolicen, wobei die Kosten mit zunehmender Laufzeit relativ abnehmen. Auch zwischen den Gesellschaften streuten die Kosten deutlich, wobei die BaFin – wie immer – keine Namen nennt. Im gewichteten Mittel betrugen die Effektivkosten (TER) für eine Fondspolice mit 100 Euro Monatsbeitrag bei vier Eintrittsaltern zwischen 1,75 Prozent (40 Jahre Laufzeit) und 2,66 Prozent (12 Jahre Laufzeit).

Aufsicht sieht Verbesserungsbedarf

Die BaFin leitet daraus „Verbesserungsbedarf“ ab, auch wegen potenzieller Interessenkonflikte im Vertrieb. Hohe Kosten könnten darauf hindeuten, dass ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis von Fondspolicen nicht vorliegt, aber genau dafür müsse ein Versicherer im Produktfreigabeverfahren sorgen, schreibt die Behörde. Auch auf europäischer Ebene stehe das Preis-Leistungs-Verhältnis von Fondspolicen derzeit im Fokus der Aufsicht.

Doch die Umfrage findet nichts Skandalöses, im Gegenteil: Bei 30 Jahren Laufzeit sind laut BaFin-Umfrage bei 25 Prozent der Fondspolicen die Effektivkosten niedriger als 1,30 Prozent, bei 50 Prozent niedriger als 1,64 Prozent und bei 75 Prozent niedriger als 2,35 Prozent – im gewichteten Mittel also 1,9 Prozent. Es gebe jedoch Anbieter, bei denen die Effektivkosten der meistverkauften Fondspolicen oberhalb von 4,0 Prozent liegen, konstatiert die BaFin. Nicht gesondert ausgewiesen wurde, ob und wie ETF in Fondspolicen die Kosten verringert haben.

Effektivkosten bei langen Laufzeiten im Mittel vertretbar

Den meisten Fondspolicen beinhalten Aktienfonds, damit Kunden an den Chancen der Aktienmärkte teilhaben können. „Die im Mittel zu beobachtenden Effektivkosten erscheinen bei den längeren Laufzeiten angesichts dieser Zielsetzung vertretbar“, schreibt die BaFin. Die höheren Kosten in der Spitze ließen aber ernsthaft Zweifel, dass die Produktfreigabeverfahren den Interessen des Zielmarktes ausreichend Rechnung tragen.

Bei einem Drittel des Neugeschäfts der meistverkauften Fondspolicen zahlten die Fondsgesellschaften Rückvergütungen („Kickbacks“) an den Versicherer – im gewichteten Mittel pro Jahr gut 0,3 Prozent des Fondsguthabens, in der Spitze bis gut 1,2 Prozent. Bei etwa 80 Prozent dieser Policen sind spezielle Überschussanteile vorgesehen, mit denen die Versicherer ihre Kunden gezielt an den Kickbacks der Fonds aus der Police beteiligen. Im gewichteten Mittel werden etwa 52 Prozent der Kickbacks an die Kunden ausgeschüttet, bei rund einem Viertel der Policen sogar 100 Prozent.

Kickbacks der Fonds an Versicherer in Transparenz-Kritik

Besonders kritisch sind laut BaFin jedoch die restlichen 20 Prozent Fondspolicen, bei denen es solche Überschussanteile nicht gibt. Zwar erhöhten die Kickbacks auch dann das „übrige Ergebnis“, an dem die Versicherer Kunden zu mindestens 50 Prozent beteiligen müssen. „Diese Regelung greift jedoch nur bei einem positiven übrigen Ergebnis“, so die BaFin.

Apropos Kickbacks: Rückvergütungen, die Investmenthäuser an Fondspolicen-Anbieter zahlen, können Kunden und Vermittler oft nicht erkennen. Denn für einen transparenten Ausweis besteht keine Pflicht. Banken dagegen müssen Kickbacks offenlegen, die sie aus Ausgabeaufschlägen und jährlichen Verwaltungskosten erhalten, aber nicht an die Kunden weiterleiten.

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