Fondspolicen: Neuer Regulierungswahn der EU-Kommission

Detlef Pohl Berater Versicherungen

Die EU-Kommission konsultiert aktuell Fachverbände, um eine verbesserte Eignungs- und Angemessenheitsbeurteilung von Finanzanlagen zu erreichen und deren Portabilität zu verbessern. Betroffen sind auch Vermittler von Fondspolicen. Die Hintergründe.

Fondspolicen: Neuer Regulierungswahn der EU-Kommission, Bild: Adobe Stock/oatawa

Damit Finanzanlagen nicht in einer Art Domino-Effekt ins Wanken geraten, plant die EU-Kommission weitere Regulierungen bei Anlagestrategien für Private, die auch Berater treffen. Bild: Adobe Stock/oatawa

Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Verbesserungsbedarf bei den Effektivkosten einiger Fondspolicen-Anbieter angemeldet und mit dem Hinweis verbunden hat, dass auch auf europäischer Ebene das Preis-Leistungs-Verhältnis von Fondspolicen im Fokus der Aufsicht steht, kommen nun neue Signale aus Brüssel.

Im Zuge der EU-Kleinanlegerstrategie erwägt die EU-Kommission, eine „personalisierte Anlagestrategie“ einzuführen, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese soll über alle Anlagemöglichkeiten hinweg gelten und schließt versicherungsbasierte Anlageoptionen explizit ein, also auch Finanzanlagevermittler und Vermittler von Fondspolicen.

Personalisierte Anlagestrategien und die Folgen für Vermittler

Die „personalisierte Anlagestrategie“ soll maschinenlesbar und portabel sein, damit es Kunden erleichtert wird, sowohl Vermittler als auch Produktanbieter zu wechseln. Die EU-Kommission will damit auch festgelegen, inwieweit es Finanzvermittlern erlaubt ist, von dieser einmal erstellten personalisierten Anlagestrategie abzuweichen und wann sie aktualisiert werden muss.

Diese geplante Portabilität hat einen engen Bezug zu den parallellaufenden Arbeiten der EU-Kommission an einem „Open Finance“-Rechtsrahmen. Diesen will die EU-Kommission bis Ende 2022 vorlegen.

Kritische Stellungnahme des GDV – in englischer Sprache

Der GDV hat sich kritisch zu den Vorschlägen geäußert. Wichtigster Punkt: Versicherungsbasierte Anlageprodukte unterscheiden sich grundlegend von anderen Anlageprodukten. „Die Vorschläge haben das Potential, die Produktauswahl und den Zugang zu qualitativ hochwertiger Beratung einzuschränken“, heißt es in der 34-seitigen englischsprachigen Stellungnahme des Verbandes vom 21. März auf den EU-Fragebogen.

Zudem gibt es laut dem Versichererverband keine Hinweise dafür, dass eine Änderung des Rechtsrahmens erforderlich wäre. Die Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) biete ausreichenden Schutz und habe sich in der Praxis bewährt. Außerdem bemängelt der GDV die nur vierwöchige Konsultationsfrist. Hinzu kommt, dass für ab dem 2. August anberaumte neue Beraterpflichten zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz ihrer Kunden bei der Geldanlage noch gar keine Kriterien gibt. Die Standards sollen erst 2023 kommen.

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