Fahrraddiebstähle: Durchschnittliche Schadenhöhe so hoch wie nie

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Erneut ist die Anzahl der Fahrraddiebstähle im vergangenen Jahr gesunken – auf ein Rekordtief. Indessen hat sich die durchschnittliche Schadenhöhe verdoppelt und ist damit so hoch wie nie zuvor.

Fahrraddiebstähle: Schadendurchschnitt so hoch wie nie Bild: Adobe Stock/Rainer Fuhrmann

Während die Anzahl der Fahrraddiebstähle seit Jahren rückläufig ist, hat die durchschnittliche Schadenhöhe deutlich zugenommen. Bild: Adobe Stock/Rainer Fuhrmann

Obwohl immer mehr Bundesbürger ein Fahrrad haben, ist die Anzahl der Fahrraddiebstähle nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gesunken. „Insgesamt wurden 125.000 versicherte Fahrräder gestohlen, rund 15.000 weniger als im Jahr zuvor“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Abermals liege das am sogenannten Corona-Effekt: Während der Pandemie haben 2021 viele Arbeitnehmer von zuhause gearbeitet, Fahrräder standen deshalb seltener im öffentlichen Raum, wo sie häufig gestohlen werden. „Es gab wie schon im ersten Corona-Jahr schlicht weniger Gelegenheiten zum Fahrraddiebstahl“, erklärt Asmussen.

Insgesamt sank die Anzahl der gestohlenen Fahrräder – mit und ohne Versicherungsschutz – laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2021 um 10,5 Prozent auf rund 234.000. Häufig werden Diebstähle jedoch nicht zur Anzeige gebracht – die Dunkelziffer dürfte deswegen weitaus höher liegen, mutmaßt der GDV.

Gerade, wenn weniger Velos auf offener Straße stehen, suchen Diebe zunehmend gezielt in Kellerräumen nach hochwertigen Rennrädern, E-Bikes oder Mountainbikes, um sie anschließend weiterzuverkaufen. „Fahrräder im Keller sollten daher nicht nur abgeschlossen, sondern am besten auch fest angeschlossen werden“, rät Asmussen.

Schadendurchschnitt nahezu verdoppelt

Die Schadensumme blieb gegenüber 2020 mit 110 Millionen Euro zwar gleich hoch. Allerdings habe sich der Schadendurchschnitt in den vergangenen zehn Jahren von 440 Euro auf 860 Euro nahezu verdoppelt – und liegt damit so hoch wie noch nie.

Der Anstieg der Entschädigungsleistung sei ein Indiz dafür, dass besonders teure Fahrräder gestohlen werden. Schließlich sind die Verkaufszahlen von kostspieligen E-Bikes im vergangenen Jahr erstmals auf zwei Millionen gestiegen und die Anschaffungskosten liegen nicht selten bei über 2.000 Euro. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Fahrräder inklusive E-Bikes lag, laut aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), im vergangenen Jahr bei 1.395 Euro – das entspricht einer Verdreifachung innerhalb eines Jahrzehnts.

Ist es tatsächlich zu einem Diebstahl gekommen, greift die Hausratversicherung. Allerdings nur dann, wenn das Fahrrad aus verschlossenen Abstellräumen, Kellern oder Wohnungen gestohlen wird. Da die beliebten Zweiräder indessen meist auf offener Straße entwendet werden, sind Besitzer gut beraten, wenn sie auf eine Zusatzklausel in der Hausratpolice achten. Von den knapp 27 Millionen Versicherungsverträgen haben 47 Prozent die besagte Fahrradklausel eingeschlossen. Wurde das Velo nicht durch ein verkehrsübliches Schloss gesichert, gehen Verbraucher selbst mit Zusatzklausel leer aus und bleiben auf dem Schaden wortwörtlich sitzen.

Versicherten wird stets der sogenannte Wiederbeschaffungswert erstattet, der sich danach bemisst, wie viel ein neues gleichwertiges Rad kostet. Die Höchstentschädigung werde in der Regel auf einen bestimmten Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrates festgelegt. Für höherwertigere Räder und E-Bikes kann sich daher eine Erhöhung der Versicherungssumme lohnen oder Besitzer schließen gleich eine spezielle Fahrradversicherung ab. Gute Zeiten für Makler, schließlich liegt der Fahrradbestand in Deutschland mittlerweile bei 81 Millionen. Zumindest statistisch betrachtet verfügt nun fast jeder Bundesbürger über ein Fahrrad, so der ZVI. Entsprechend gut stehen die Chancen für einen Beratungsaufhänger. Zumal: Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Check24 hatte 2021 über die Hälfte der Fahrradbesitzer (55 Prozent) keine geeignete Versicherung. Selbst über ein Viertel der E-Bike-Besitzer waren ohne Versicherungsschutz.  

Aus Kundensicht schneiden in Bezug auf E-Bike-Versicherungen insgesamt acht Anbieter mit einem "sehr gut" ab: Die Ammerländer Versicherung, Wertgarantie SE, Ergo, SV Sparkassenversicherung, WGV, Zurich, HDI und die Waldenburger Versicherung.

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