Berufsgenossenschaft: Wann ist ein Praktikums-Unfall versichert?

Anne Mareile Walter Versicherungen

Eine Frau war während eines „Kennenlern-Praktikums“ im Betriebslager eines Unternehmens gestürzt. Ob für den Fall die gesetzliche Unfallversicherung aufkommen muss, hatte nun das Bundessozialgericht zu entscheiden.

BSG Bild: picture alliance/Andreas Gillner

Sind Bewerber an einem Praktikumstag über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert? Damit befasste sich das Bundessozialgericht. Bild: picture alliance/Andreas Gillner

Für Unfälle am Arbeitsplatz und solche, die sich auf direktem Weg dorthin ereignen, leistet die gesetzliche Unfallversicherung. Doch wie ist die rechtliche Lage, wenn eine Bewerberin während eines eintägigen Schnupper-Praktikums an ihrem potenziell neuen Arbeitsplatz einen Unfall hat? Springt in dem Fall die Berufsgenossenschaft ein? Über diese Frage hatte nun das Bundessozialgericht (Aktenzeichen: B 2 U 13/20 R) zu entscheiden.

Was war passiert?

Nach einer Bewerbung als IT-Administratorin wurde die Klägerin von ihrem potenziell neuen Arbeitgeber zu einem unentgeltlichen, eintägigen „Kennenlern-Praktikum“ eingeladen. Währenddessen führte sie dort mehrere Gespräche, es gab eine Führung durch den Betrieb sowie einen fachlichen Austausch mit der "Informationstechnik"-Abteilung. Zum Schluss besuchte die Frau auch das Hochregallager des Unternehmens. Dabei stürzte sie und brach sich den rechten Oberarm. Doch da die Berufsgenossenschaft den Vorfall nicht als Arbeitsunfall anerkannte, klagte die Frau und scheiterte damit in den Vorinstanzen. Die Begründung der Richter: Es habe sich weder um ein Versicherungsschutz begründendes Beschäftigungsverhältnis noch um eine versicherte Aus- und Fortbildung gehandelt. Zudem sei die Frau nicht als Wie-Beschäftigte versichert gewesen.

Vor dem Bundessozialgericht legte die Bewerberin schließlich Revision ein – und war damit erfolgreich. Denn aus Sicht der Karlsruher Richter habe es sich bei dem Sturz um einen Arbeitsunfall gehandelt, da die Frau zu dem Zeitpunkt an einer Unternehmensbesichtigung teilgenommen habe. „Die Klägerin stand als Teilnehmerin einer Besichtigung kraft Satzung der Beklagten unter Unfallversicherungsschutz“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung. Maßgeblich für die Beurteilung der Versicherteneigenschaft sei nicht der Praktikumstag, sondern die letzte unmittelbar vor dem Unfallereignis „konkret ausgeübte Verrichtung“ – in diesem Fall die Besichtigung des Hochregallagers.

„Nach der Satzungsregelung genügt für die Erfüllung des Versicherungstatbestandes die Teilnahme an einer Besichtigung, um Unternehmer umfassend von erhöhten Haftungsrisiken freizustellen, die durch Besichtigungen ihrer Unternehmen entstehen“, begründeten die Richter ihre Entscheidung weiter. Aus diesem Grund seien auch Bewerber bei Vorstellungsgesprächen vom Versicherungsschutz erfasst – sofern sie denn das Unternehmen besichtigen.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!