Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Wohungsmarkt: Es bleibt wenig Zeit

Gastkommentar Sachwerte von Dr. Andreas Mattner

Infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine ist mit über einer Million Flüchtenden und einem kurzfristigen Bedarf an 500.000 zusätzlichen Wohnungen zu rechnen. „Wir brauchen grünes Licht für Erleichterungen in sämtlichen Phasen des Wohnungsbaus“, kommentiert Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses.

Wenig Zeit Bild: ZIA

Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilienausschuss (ZIA), Bild: ZIA

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat nicht nur direkte Folgen auf den deutschen Energiemarkt. Schon jetzt sprechen Experten von der größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg – mit Konsequenzen für den deutschen Immobilienmarkt. Denn laut einer aktuellen Studie, die wir beim Forschungsinstitut empirica in Auftrag gegeben haben, ist infolge des Krieges mit bis zu 1,29 Millionen Flüchtenden und einem kurzfristigen Bedarf an 500.000 zusätzlichen Wohnungen zu rechnen.

Ausgehend von drei Szenarien belaufe sich die Zahl der Flüchtenden demnach auf mindestens 310.000, was 120.000 zusätzlich benötigten Wohnungen entspreche. Im mittleren Szenario müsse sich Deutschland auf etwa 810.000 Flüchtende und einen Bedarf an 310.000 Wohnungen einstellen. Knapp die Hälfte der Wohnungsnachfrage müsse durch Neubau gedeckt werden.

Angesichts dieser dramatischen Zahlen haben wir unsere Forderung an den Bundeskanzler zuletzt bekräftigt, einen Flüchtlingsgipfel zur Aufnahme und Versorgung der Geflüchteten einzuberufen – unter Beteiligung des Bundes, der Länder und Gemeinden sowie der Wirtschaft und Hilfsorganisationen. Uns bleibt wenig Zeit. Für die aus der Ukraine geflohenen Menschen müssen wir so schnell wie möglich ausreichende Kapazitäten schaffen, um sie menschenwürdig unterzubringen, mit Wohnungen zu versorgen und uns an der Integration beteiligen, so wie es unsere Wohnungsunternehmen bereits in der Flüchtlingswelle 2015 vorbildlich getan haben.

Dazu brauchen wir kurzfristig einen kapazitätsorientierten Verteilungsschlüssel, zudem sollten wir die bestehenden Möglichkeiten des Baugesetzbuches für Flüchtlingsunterkünfte nutzen und weitere Beschleunigungsmaßnahmen ergreifen. Wir brauchen grünes Licht für Erleichterungen in sämtlichen Phasen des Wohnungsbaus. Immobilienwirtschaft und Kommunen müssen an einem Strang ziehen.

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