Anzahl der Wohnungseinbrüche auf historischem Tiefstand

Hannah Petersohn Versicherungen Berater

Die aktuellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik und des GDV dürften in der Versicherungsbranche für Freude sorgen: Die Anzahl der registrierten Wohnungseinbrüche ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Pandemie ist aber nicht der einzige Grund für die positive Entwicklung.

Anzahl der Wohnungseinbrüche auf historischem Tiefstand Bild: AdobeStock/Andrey Popov

Während Cyberkriminelle auf dem Vormarsch sind, haben Wohnungseinbrüche in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Bild: AdobeStock/Andrey Popov

Es ist ein Trend, der sich bereits seit einigen Jahren gezeigt hat und der nun rekordverdächtig geworden ist: Die Anzahl der Wohnungseinbrüche ist hierzulande abermals gesunken – auf den historischen Tiefstand von insgesamt 54.236 Fällen im vergangenen Jahr, wie aus den Zahlen der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervorgeht. Das entspricht das einem Rückgang um 27,7 Prozent (2020: 75.023 Einbrüche).

Bereits im Jahr 2020 war die Zahl der Wohnungseinbrüche um 13,9 Prozent gesunken. Die Schadenhöhe ging dadurch von 230 Millionen Euro (2020) auf 160 Millionen Euro (2021) zurück – bei einer vergleichsweise geringen Aufklärungsquote von 19,5 Prozent (2020: 17,6 Prozent).

Besonders stark sank die Anzahl der Einbrüche in Bayern: um 44,5 Prozent auf 2.322 Taten. Auch in Hamburg (2.204 Einbrüche, ein Minus von 36 Prozent), Sachsen (1.977, minus 30,2 Prozent) und Baden-Württemberg (3.298, minus 29,8 Prozent) war der prozentuale Rückgang zweistellig. Da nahezu jeder Einbruch polizeilich erfasst wird, sind die Zahlen im Vergleich zu anderen Delikten valide, die Dunkelziffer dürfte eher gering ausfallen.

„Die Zahl der versicherten Einbrüche ist 2021 auf ein historisches Tief gesunken“, sagt auch der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, am Dienstag in Berlin. „Die deutschen Versicherer zählten rund 60.000 Wohnungseinbrüche, ein Viertel weniger als im Jahr zuvor.“ Das sei auch beim GDV der niedrigste Wert in der bis 1998 zurückreichenden Statistik.

Da der Verband unter einen Wohnungseinbruch auch Einbrüche in Nebengelasse, Abstellräume und Keller, die über die Hausratversicherung gedeckt sind, zählt, fallen die Zahlen entsprechend höher aus. „Auch ein Wohnungseinbruch in eine WG, in der die Betroffenen jeweils ihren Hausrat versichert haben, wird bei jeder Versicherung gezählt, bei der polizeilichen Kriminalstatistik nur einmal“, erklärt GDV-Pressesprecherin Kathrin Jarosch. So erklärt sich auch, dass der GDV von der Kriminalstatistik abweichende Zahlen zur Schadenhöhe vermeldet: „Die Schadenhöhe verringerte sich um 40 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro. Der Schadendurchschnitt stieg dagegen von 2.700 Euro auf 3.100 Euro“, so der GDV- Hauptgeschäftsführer Asmussen.

Viele Haus- und Wohnungsbesitzer investieren demnach in bessere Sicherheitstechnik. „Das zahlt sich aus“, sagt er. Dass die neue Bundesregierung auch für 2022 Fördermittel für den Einbruchdiebstahlschutz bereitgestellt habe, sei ein wichtiges Signal. Bis zu 1.600 Euro Fördergelder können bei der KfW beantragt werden.

Aus Sicht der Versicherer sollten Schwachstellen an Haus oder Wohnung besonders gesichert werden, etwa Fenster und Türen. Schließlich scheitere nahezu jeder zweite Einbruch, weil die Täter nicht schnell genug ins Haus kommen. Allerdings werden solche Fenster und Türen, die Einbrechern den Einstieg erschweren, bei Neubauten nicht standardmäßig eingebaut, auch Vorschriften dazu fehlen bislang.

Homeoffice: Positive und negative Folgen

Gemäß der polizeilichen Statistik stiegen die erfassten Straftaten im Cyberbereich um 12,1 Prozent auf insgesamt 146.363 Fälle. Beide Entwicklungen, der Rückgang der Wohnungseinbrüche und die Zunahme der Cyberkriminalität könnten gleichermaßen mit der Tatsache zusammenhängen, dass im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund der Pandemie viele Menschen im Homeoffice gearbeitet haben. Die Präsenz in den eigenen vier Wänden mag zwar Einbrecher abgeschreckt, die verstärkte Internetnutzung könnte jedoch wiederum Cyberkriminelle angelockt haben.

Neben den gesunkenen Wohnungseinbrüchen sind auch Auto- und Fahrraddiebstähle zurückgegangen, jeweils um 8,7 Prozent (21.584) und 10,5 Prozent (233.584). Es ist anzunehmen, dass auch diese positiven Entwicklungen mit der Arbeit im Homeoffice zusammenhängen, schließlich stellen viele Besitzer ihr Auto beziehungsweise Fahrrad eher auf dem eigenen Grundstück beziehungsweise im abschließbaren Fahrradkeller ab.

Insgesamt seien im vergangenen Jahr über fünf Millionen Straftaten (5.047.860 Millionen) registriert worden und damit 4,9 Prozent weniger als noch 2020. Damit bewegt sich die Kriminalität auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie zu Beginn der Neunzigerjahre. Dabei fällt eine Besonderheit auf: Während in Berlin am häufigsten Straftaten verübt worden sind (13.158 pro 100.000 Einwohner), gefolgt von Bremen (11.169) und Hamburg (10.062), bewegt sich die Anzahl der erfassten Straftaten im Süden auf niedrigerem Niveau: Demnach wurden in Bayern 4.138, in Baden-Württemberg 4.380 und in Rheinland-Pfalz 5.302 Straftaten pro 100.000 Einwohnern gezählt.

Die Aufklärungsquote liege bei 58,7 Prozent und habe damit einen neuen Höchststand erreicht. „Die Kriminalstatistik zeigt in den meisten Bereichen eine positive Entwicklung. Die erneut gestiegene Aufklärungsquote zeigt, dass sich die Stärkung der Polizei auszahlt“, so Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei der Vorstellung der PKS.

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