3 Tipps für die nachhaltige Produktauswahl

Berater Versicherungen von André Disselkamp

Ab August müssen Makler die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abfragen. Wie sie bei der Produktauswahl vorgehen sollten, um Kunden die nachhaltigsten Versicherungslösungen anzubieten, erklärt André Disselkamp, Geschäftsführer von Finsurancy.

3 Tipps für die nachhaltige Produktauswahl Bild: Marco Wilm

Worauf Versicherungsmakler bei der Auswahl nachhaltiger Produkte achten sollten, erklärt André Disselkamp, Geschäftsführer und einer der beiden Gründer von Finsurancy. Bild: Marco Wilm

1. Prüfen Sie die Kapitalanlage

Gleich vorweg: Eine komplett grüne Kapitalanlage inklusive Sicherungsvermögen wird man aktuell auf dem Markt noch nicht finden. Auch wenn die Versicherungsgesellschaften sehr bemüht sind, ist eine Umstellung in der Größenordnung sehr zeitaufwändig, denn viele Anlagen sind über mehrere Jahrzehnte festgeschrieben und lassen sich nicht so leicht umschichten.

Um die Versicherungsgesellschaften jetzt miteinander zu vergleichen, gibt es zwar die Nachhaltigkeitsberichte, aber diese haben im Schnitt einhundert Seiten, sind nur auf Englisch erhältlich und haben kein einheitliches Format, was die Vergleichbarkeit sehr schwierig macht. Eine Empfehlung: Um nach den ESG Ratings zu suchen, kann man einfach „Name der Versicherungsgesellschaft ESG Rating“ bei Google eingeben. Die am meisten genutzten und damit die, die eine gute Vergleichbarkeit bieten, sind unter anderem Dow Jones Sustainability Index (DJSI), MSCI ESG und Vigeo Eiris. Bei der Kapitalanlage selbst können sich Vermittler getrost auf die EU-Offenlegungsverordnung verlassen. Diese schreibt den Versicherungsgesellschaften vor, Finanzprodukte in die folgenden 3 Kategorien einzuordnen:

Basic

Produkte, die nachhaltig sein können, aber nicht den vollständigen Anforderungen von „ESG“ oder „Impact“ entsprechen.

ESG (Artikel 8)

Produkte, die nachhaltige Aspekte in ihrer Anlagestrategie berücksichtigen und/oder definieren, welche Investitionen ausgeschlossen sind und zudem konkret beschreiben, wie sie diese erfüllen.

Impact (Artikel 9)

Produkte, die mit ihrer Investition konkret positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft anstreben und in ihrer Anlagestrategie beschreiben, wie dieses Ziel erreicht wird.

Impact ist demnach die nachhaltigste Option, die du deinem Kunden empfehlen kannst.

2. Prüfen Sie die Versicherungsbedingungen

Keine Sorge, man muss jetzt keine 80 Seiten Versicherungsbedingungen von jeder Versicherungsgesellschaft lesen. Das Ziel ist es Produkte zu identifizieren, die dazu beitragen den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dafür kann man einfach die Software für den Bedingungsvergleich nutzen. Wichtig sind Leistungen wie der Ersatz im Schadenfall mit einer klimafreundlichen Variante wie zum Beispiel intelligente Heizungssysteme mit regenerativen Energien. 

Auch Mehrkosten für Reparatur statt Ersatz, Kosten für Nachhaltigkeitsberatung und prozentuale Unterstützung von Klimaschutzprojekten pro Euro Schadensumme sind wichtige Leistungen, um das Klimaziel zu erreichen.

3. Wie steht es um das Engagement der Versicherungsgesellschaft?

Zu guter Letzt kann man sich noch über das generelle Engagement der Versicherungsgesellschaften informieren. Diese werden wohl noch eine Weile nicht ganz CO2-neutral funktionieren, dennoch beteiligen sich viele Gesellschaften an der freiwilligen CO2-Kompensation durch CO2-Zertifikate. Sprich: Klimaschutzorganisationen erhalten Geld, um den CO2-Überschuss des Unternehmens zu neutralisieren.

Das aktive Engagement in der Stimmrechtsausübung kann bei den Milliarden-Beteiligungen der Versicherungsgesellschaften an diversen Unternehmen eine Menge bewirken. Um sich dazu einen Überblick zu verschaffen, muss man leider aktuell noch in die Nachhaltigkeitsberichte schauen und nach “Impact Investment” suchen. Auch dort sind die Investitionen in die Klimaforschung zu finden, die einen großen Einfluss auf das Klimaziel haben können.

Die Vergleichbarkeit der Versicherungsgesellschaften ist aktuell noch nicht ganz einfach, wie wir das gerne in unserem Arbeitsalltag hätten. Dennoch gibt es mittlerweile eine Menge Bewegung in dem Sektor, weshalb wir in einigen Jahren mit einer guten Transparenz rechnen können.

André Disselkamp ist Geschäftsführer von Finsurancy, einem digitalen und nachhaltigen Versicherungsmakler aus Berlin, den er 2021 gemeinsam mit Tobias Niendieck gegründet hat.