Wald-Investments: „Hohe Renditen gibt es nur im Ausland“

Anne Mareile Walter Investmentfonds Sachwerte Top News

Niedrigzinsen und Rekord-Inflation rücken die Anlageklasse Wald immer mehr in den Fokus. Ein neuer Trend: Forstgrundstücke werden verstärkt im Netz gehandelt, der Faktor vererben rückt in den Hintergrund. Welche Folgen hat das? Wie sollen Berater auf den Handel im Netz reagieren? Darüber sprach procontra mit dem Förster und Asset Manager Dr. Christian Clasen von Latifundium Management – einem Vermögensverwalter für den Bereich Land- und Forstwirtschaft.

Clasen Bild: privat

Förster und Asset Manager Dr. Christian Clasen berät Privatleute, institutionelle Investoren und Stiftungen zu Anlagen im Bereich Forstwirtschaft. Bild: privat

procontra: Klassischerweise wird Wald von Generation zu Generation vererbt. Mittlerweile ist es aber so, dass Forstgrundstücke auch verstärkt im Netz gehandelt werden, weil viele Anleger das Investment Wald für sich neu entdecken. Worin sehen Sie die Ursache für diese Entwicklung?

Christian Clasen: Früher haben Verkäufer vor allem via Print inseriert oder den Makler eingespannt, jetzt passiert das ebenso im Netz. Dabei wird in den Online-Börsen vor allem kleinerer Wald angeboten, im Schnitt sind das Grundstücke von einer Größe bis zu zehn Hektar. Der Makler kommt meist erst ab 50 Hektar aufwärts ins Spiel, er verfügt in der Regel über spezifisches Waldwissen und kann tendenziell auch den höchsten Preis erzielen. Dass mittlerweile verstärkt Online-Börsen genutzt werden, ist aus meiner Sicht gut. Denn nur Vererben ist nicht immer ein Vorteil für den Wald. Der Großvater verfügt zwar über altes Wissen, aber bei einem rein schematischen Bewirtschaften kann das katastrophal enden – vor allem in Anbetracht des Klimawandels. Oft ist vererbtes Wissen daher nachteilig für den Wald. Die Frage ist ja: Was vererbe ich da für ein Wissen?

procontra: Das heißt im Umkehrschluss, Erben informieren sich weniger umfassend über ihren neuen Besitz als Anleger, die jetzt neu in Forst investieren?

Christian Clasen: In Teilen ist das zutreffend. Wer sich für Wald interessiert und kaufen will, bringt meist schon gewisse Vorkenntnisse mit – in der Regel mehr als der Erbe. Und wer Wald kauft, möchte sein eigenes Konzept einbringen, zum Beispiel bestimmte Mischbaumarten pflanzen. Da ist es ein Vorteil, wenn man nicht in alten Familienstrukturen verhaftet ist. Für den Wald ist eine permanente, nachhaltige Nutzung optimal, ein nachhaltiges Gewinnen von Rohstoffen. In manchen Kleinstprivatwäldern passiert gar nichts, weil Wald vererbt wurde und die Leute manchmal gar nicht wissen, dass sie Wald besitzen. Dann ist das schlecht für die Umwelt und das Klima, weil wir die Chance verpassen, nachhaltige Holzproduktion vor der Haustür zu betreiben und stattdessen mehr Holz aus dem Ausland importieren. Der Vorteil von Online-Börsen: Jemand, der sich wirklich für Wald interessiert, kommt schnell dran. Es gibt aber natürlich auch viele Erben, die über Generationen hinweg große Forstbetriebe betreuen, ein umfangreiches Waldwissen besitzen, nachhaltige Konzepte verfolgen. Man kann nicht pauschal sagen, das eine ist gut und das andere ist schlecht.

procontra: Erzielen denn die Online-Käufer höhere Renditen, weil sie in der Regel fachgerechter bewirtschaften als die Erben?

Clasen: Das lässt sich schwer einschätzen. Gerade auf kleineren Grundstücken wächst oft nur eine Altersklasse von Bäumen. Da lassen die ersten Erträge auch mal 30 Jahre auf sich warten. Und die Motivationen für einen Kauf sind sehr unterschiedlich. Der eine Käufer will etwas für den Naturschutz tun, der andere strebt einfach nur den Vermögenserhalt an. Und dann gibt es eine dritte Sparte, die eine effiziente Bewirtschaftung verfolgt. In Deutschland liegen die Renditen meist unter einem Prozent. Geld zu verdienen, sollte auch niemals das primäre Ziel von Walderwerb sein. Erst einmal geht es darum, in Pflanzung und Pflege zu investieren, erst danach spielen Ertragsaspekte eine Rolle. Wer mit Wald hohe Renditen erwirtschaften will, muss ins Ausland gehen.

procontra: Was unterscheidet das Investieren in ausländischen Wald vom Anlegen in deutschen Forst?

Clasen: In Deutschland sind wegen der hohen Bevölkerungsdichte komplexe Bewirtschaftungsmethoden erforderlich. Wir haben hierzulande eine integrative Forstwirtschaft. Die Wälder sollen verschiedenen Faktoren Rechnung tragen: Naturschutz, Erholung, saubere Luft. Die meisten anderen Länder, Finnland oder Neuseeland beispielsweise, verfolgen bei der Bewirtschaftung einen segregativen Ansatz. Dort leben deutlich weniger Einwohner, deshalb sind Kahlschläge mit anschließender Wiederaufforstung die Regel und auch nichts Schlechtes. Hinzu kommt, dass die Bäume dort schneller wachsen als hier. Bei einer Kahlschlagswirtschaft sind die Renditen höher. In Deutschland geht das behutsame Bewirtschaften zu Lasten der Rendite.

procontra: Über welche Punkte sollten sich die „neuen“ Waldeigentümer als erstes informieren? Wie können Wissenslücken am besten gefüllt werden?

Clasen: Zunächst einmal: Bei der Wald-Bewirtschaftung kann man vieles falsch machen. Der Revierförster vor Ort sollte der erste Ansprechpartner sein. Denn die Forstverwaltungen der Bundesländer haben die Hoheit über jeden Wald und der Revierförster kann auch Fördermöglichkeiten nennen, Hinweise geben. Ziel jeden Erwerbs sollte idealerweise ein strukturierter, artenreicher Wald sein, in dem unterschiedliche Altersstufen vertreten sind. Danach geht es um Ernte und Ertrag. Man kann sich nicht im Vorfeld einen Betrag ausdenken, den man am Ende gerne in der Tasche hätte. Wenn jemand unbedingt Wald neu erwerben möchte und sich damit nicht auskennt, wird er schnell an seine Grenzen kommen.

procontra: Mit welchen Preisen müssen Wald-Anleger rechnen?

Clasen: Die Entscheidung, Wald zu kaufen, ist keine günstige. Es gibt eine sehr große Spannbreite. Günstigere Grundstücke kosten zwischen 8.000 und 12.000 Euro pro Hektar. Im Großraum München oder Frankfurt ist man dagegen schon mal mit 100.000 Euro pro Hektar dabei. Wenn man Wald besitzt und dann nichts macht, kann man das Geld genauso gut zum Fenster rauswerfen.

procontra: Welchen Effekt hat der Online-Handel auf den Berateralltag? Wie können sich Vermittler vorbereiten?

Clasen: Ein Finanzberater kann nicht einfach so in die Rolle eines Forstmaklers schlüpfen. Dafür müssen Kurse, Fortbildungen besucht und es muss mit spezialisierten Beratern zusammengearbeitet werden. Im besten Fall interessiert sich der Vermittler selbst für Wald und verfügt über ein Netzwerk von forstlichen Beratern. Seit der Finanzkrise und im Zuge der niedrigen Zinsen suchen die Menschen nach alternativen Anlagen – und Wald ist ein stabiler Baustein fürs Portfolio. Dem Wald ist Krieg egal, dem Wald sind Finanzkrisen egal und wenn der Holzpreis niedrig ist, dann wartet man eben mit der Holzernte. Da gibt es schon die Entwicklung, dass sich mehr Anleger fragen: Ist das vielleicht auch ein Investment für mich? Im Zuge dessen registrieren wir auch mehr Vermögensberater, die uns zu einer Beratung in puncto Wald-Investment befragen. Im Großen und Ganzen sehe ich auf die Berater aber keine große Veränderung zukommen. Nach wie vor beauftragen viele Interessenten Makler oder setzen Gesuche in die Zeitung. Einen strukturellen Wandel wird es in der Beratung nicht geben.

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