Votum-Verband: „Europarente hat Geburtsfehler“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Zum Start der PEPP-Policen hagelt es harsche Kritik: Votum-Vorstand Martin Klein sieht in der Europarente einen Rohrkrepierer, die viel zu starre Kostenbegrenzung verschrecke Anbieter. Derweil kündigt das Altersvorsorge-Start-up Vantik an, eine PEPP-Police auf den Markt bringen zu wollen.

Votum Bild: Adobe Stock/Grecaud Paul

Ab 22. März können Versicherer Produkte für die Europarente anbieten. Kritiker sehen die Anforderungen der EU für die Policen als zu hoch gesteckt. Bild: Adobe Stock/Grecaud Paul

An diesem Dienstag fällt der Startschuss für die Europarente. Das von der EU auf den Weg gebrachte paneuropäische private Pensionsprodukt (kurz PEPP) ist in der Branche allerdings umstritten, die Anforderungen an die Policen gelten als zu hoch. So schreibt die EU beispielsweise einen Inflationsausgleich sowie den Vertrieb als Garantieprodukt vor. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind die Produkte daher für viele Versicherer unattraktiv. In einem Presse-Statement zur Einführung der Europarente spricht Votum-Vorstand Martin Klein nun von einem „Fehlstart“.

Anbieter schrecken „zurecht" zurück

Das begründet er unter anderem damit, dass sich die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA auf Nachfrage zu laufenden Genehmigungsverfahren für PEPP-Produkte zurückhaltend geäußert habe. Aktuell sei dort offenbar kein Genehmigungsverfahren anhängig. Es gebe lediglich die Absichtserklärung einiger Versicherer, künftig ein solches Produkt entwickeln zu wollen. „Diese Entwicklung zeigt deutlich den Geburtsfehler der Europarente auf“, sagt Klein. „Wenn EU-Gesetzgeber und Regulatoren mit unrealistischen Wunschvorstellungen selbst Produktentwickler spielen, dürfen sie sich nicht wundern, dass der Markt nicht folgt.“

Anbieter würden „zurecht“ vor der Einführung entsprechender Produkte zurechtschrecken, die Vorgaben der EU seien zu streng. So sollten Versicherer bei jedem Angebot ein Standardprodukt mit hohen Garantien, Inflationsausgleich und minimalen Kosten vorhalten – unrealistische Vorgaben bei anhaltenden Niedrigzinsen und gleichzeitig steigender Inflation. „Da darf sich der EU-Gesetzgeber nicht wundern, wenn der Markt nicht folgt“, meint Klein.

Aus seiner Sicht Kern des Problems: Die starre Begrenzung der Kosten. „Jeder Anbieter weiß, dass gerade in der Anfangsphase einer Produktlinie Verwaltungskosten deutlich erhöht sind und sich eine Entwicklung für einen ungewissen Markt schnell als unrentables Zuschussgeschäft entpuppt.“ Dementsprechend würden PEPP-Produkte ohne angemessene Vertriebsvergütung auch keinen Absatz finden – auch beim Start der Riester-Produkte sei das der Fall gewesen. „Der Gesetzgeber hat aus den Fehlern der Vergangenheit wieder nicht gelernt“, sagt Klein.  

Das Berliner Altersvorsorge-Start-up Vantik kündigt derweil am Montag an, als „erster Anbieter“ in Europa ein PEPP-Produkt auf den Markt bringen zu wollen. Aktuell arbeite das Team von Vantik daran, die technischen Voraussetzungen und die notwendigen Genehmigungen für die Einführung der Europarente sicherzustellen. „Mit der Europarente bringt Vantik die modernste Altersvorsorge Europas auf den Markt“, erklärte Vantik-Gründer Til Klein, der zudem Mitglied im Europarente-Expertenrat ist.

Geringe Chancen für umfangreiche Verbreitung

Aus seiner Sicht biete die Europarente erhebliche Vorteile, da sie mehr Vergleichbarkeit durch „standardisierte Produktinformationen und die Einführung eines Standardprodukts“ ermögliche. Zudem könne durch flexible Anlagemöglichkeiten auch mehr Rendite erzielt werden. Neben Versicherern könnten mit der Europarente künftig auch Banken und Vermögensverwalter eine Altersvorsorge anbieten. Ihre Lizenz könnten sie europaweit nutzen und so erhebliche Größenvorteile realisieren. „Anbieter können bis zu sechs PEPP-Varianten anbieten.“   

Die Chancen für eine umfangreiche Verbreitung der PEPP-Produkte hatte Mitte Februar eine Untersuchung des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa) als gering eingeschätzt. Als Ursache führten die Studienautoren an: Wollen Anbieter die PEPP-Policen nicht als Garantieprodukte vertreiben, müssen sie spezielle Risikominderungstechniken anwenden. Bei dem laut EU-Verordnung vorgesehenen Standardprodukt – dem Basis-PEPP mit einem Kostendeckel von einem Prozent – müssten Anbieter zu Beginn und während der Leistungsphase beispielsweise eine Beitragsrückzahlung mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 92,5 Prozent sicherstellen. Und eben daran dürften viele Versicherer kein Interesse haben. Auch der GDV betrachtete die umfangreichen Regeln für die PEPP-Policen als Stolperstein. Die Umsetzung sei für Anbieter teuer und berge Rechtsrisiken. „Wir gehen allenfalls von einer geringen Nachfrage und einem geringen Angebot aus“, erklärte ein GDV-Sprecher Mitte Februar auf procontra-Anfrage.    

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