Unfallmeldedienst: Kannibalisiert die Allianz den GDV-Unfallstecker?

Florian Burghardt Versicherungen

In der Kfz-Versicherung bietet die Allianz ihren Telematik-Kunden nun einen eigenen Unfallmeldedienst an. Eigentlich hat der GDV einen solchen schon vor Jahren aufgelegt. Dieser könnte durch den neuen Service des Schwergewichts noch mehr ins Stocken geraten.

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Allianz und GDV verfolgen mit ihren Unfallmeldediensten das gleiche Ziel. Durch den neuen Service des Kfz-Schwergewichts dürfte der Gesamtverband aber noch einige Zeit länger auf seinen Steckern sitzenbleiben. Bild: Adobe Stock/Cagkan

Die Allianz will im Kampf um Marktanteile an der Kfz-Versicherung wieder Boden gutmachen auf die zahlenmäßig enteilte Huk-Coburg-Gruppe. Ein Meilenstein ist dabei die Festigung und der Ausbau des Telematik-Kundenbestands. Deshalb gibt es für die rund 350.000 Nutzer des Allianz-Telematik-Tarifs „BonusDrive“ seit Kurzem einen zusätzlichen Service: Einen eigenen Unfallmeldedienst.

Durch den bereits in den Autos aller „BonusDrive“-Kunden angebrachten „DriveDot“ werden Erschütterungen am Fahrzeug gemessen und dadurch Unfälle erkannt. Diese werden an die Allianz gemeldet, die daraufhin direkt Kontakt über das mit der „BonusDrive“-App verbundene Smartphone aufnimmt. So will der Versicherer seine Kunden aktiv am Schadenort unterstützen und mit der Schadenregulierung beginnen.

Die Kunden selbst müssen die Kontaktaufnahme des Versicherers aber nicht annehmen. Die Infos stehen ihnen auch im Nachgang noch in der App zur Verfügung. Auch wird nicht automatisch aufgrund der Erschütterung ein Schaden bei der Allianz angelegt. Die Kunden können weiterhin selbst entscheiden, ob sie diesen der Allianz melden möchten oder nicht. Auch die Teilnahme am Unfallmeldedienst selbst ist freiwillig und muss bei Interesse in der „BonusDrive“-App aktiv bestätigt werden.

GDV-Stecker stockt

Eigentlich gibt es ein solches Angebot schon – auch für Allianz-Kunden. Bereits 2016 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seinen Unfallmeldedienst (UMD) auf den Markt gebracht. Die Mitgliedsunternehmen haben seitdem die Möglichkeit, ihren Kunden Tarife oder Zusatzbausteine zu vermitteln, die den kleinen Stecker für den Zigarettenanzünder mit beinhalten.

Doch die Nachfrage hält sich in Grenzen. Gegenüber procontra teilte eine Sprecherin der für den UMD zuständigen GDV Dienstleistungs-GmbH mit, dass bislang knapp 400.000 Stecker ausgegeben wurden und davon rund 77.000 registriert, also in Benutzung sind. Damit wurde bislang noch nicht einmal die halbe Million Stecker ausgegeben, die vor sechs Jahren als erste Charge bereitgestellt wurde.

Natürlich hat der UMD des GDV den Nutzen, Autofahrern im Schadenfall schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen. Zugleich wurde das Produkt damals in der Hoffnung eingeführt, den Autobauern im Schadenfall zuvorzukommen. Die beschädigten Fahrzeuge sollen bevorzugt in die Partnerwerkstätten der Versicherer gelotst werden, um die Reparaturkosten gegenüber den Vertragswerkstätten der Autobauer zu minimieren. Letztere müssen seit 2018 in alle Neuwagen den E-Call einbauen, quasi einen integrierten Unfallmeldedienst. Zumindest bei den vielen Millionen Gebrauchtwagen mit Baujahr vor 2018 sah der GDV mit seinen Steckern einen guten Einstieg für die Kfz-Versicherer.

Keine Konkurrenz?

Dass nun eines seiner Mitglieder, noch dazu ein Schwergewicht, mit einem eigenen Unfallmeldedienst den UMD des Verbands kannibalisieren könnte, diese Sorge trägt man nicht. „Der Unfallmeldedienst soll allen Autofahrern die Chance auf schnelle Hilfe nach einem Unfall ermöglichen. Angebote, die dieses Ziel wirksam unterstützen, werden vom GDV begrüßt“, teilte ein Verbandssprecher auf procontra-Nachfrage mit.

Auch bei der Allianz betonte ein Sprecher, dass der eigene Unfallmeldedienst keine Konkurrenz zum Unfallstecker des GDV sei. Die eigenen Telematik-Kunden hätten die neue Option ja quasi schon im Auto und müssten sie bei Bedarf nur aktivieren. Den Stecker hingegen müssten sie sich erst kaufen. Das wiederum werden nun aller Voraussicht nach mindestens 350.000 weitere Autofahrer bleiben lassen.

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