Telematik-Tarife: Finanztest weist auf Tücken hin

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Wer sein Fahrverhalten aufzeichnen lässt, kann bei der Kfz-Versicherung Geld sparen. Dafür gibt er Daten her, doch die Datenschutzerklärungen sind oft mangelhaft, kritisiert Finanztest. Was Makler in der Kundenberatung beachten sollten.

Telematik Bild: Adobe Stock/scharfsinn86

Telematik-Tarife animieren auch zu umweltfreundlichem Fahren. Grüne wird der Kraftverkehr dadurch aber noch lange nicht. Bild: Adobe Stock/scharfsinn86

Makler kennen das Stöhnen ihrer Stammkunden, wenn deren Kinder das erste eigene Auto anmelden und für den Versicherungsschutz tief in die Tasche greifen müssen. Fahranfänger zwischen 18 und 20 haben ein besonders hohes Unfallrisiko - fünfmal höher als von Fahrern zwischen 45 und 67 - und werden daher in die teuren Schadenfreiheitsklassen 0 oder ½ eingestuft.

Sparen können junge Fahrer mit sogenannten Telematik-Tarifen. Der Begriff verbindet Telekommunikation mit Informatik und bezeichnet in der Kfz-Versicherung die Ermittlung und Auswertung persönlicher Fahrdaten. Die Grundidee: Statt nur auf statistische Wahrscheinlichkeiten wird die jährliche Prämie auch auf das individuelle Risiko zugeschnitten. „Wer vorsichtig fährt, spart“, schrieb Finanztest in der Februar-Ausgabe.

Viel Rabatt für Fahranfänger, aber …

Bei optimalem Fahrverhalten sind bis zu 45 Prozent Rabatt drin, haben die Warentester ermittelt. Das summiert sich auf mehrere Hunderter im Jahr, berichtet die Stiftung Warentest nach einem Tarifvergleich von elf Anbietern für einen 20-jährigen Modellkunden. Die Rabattangaben seien jedoch nur bedingt aussagekräftig. Bei der HUK24 könne man beispielsweise „nur“ 30 Prozent Rabatt erhalten. Dafür sei der Grundbeitrag viel niedriger als etwa bei der Feuersozietät. „Wie die Rabatte berechnet werden, ist nicht immer einfach nachzuvollziehen“, so Finanztest.

Einen echten Test gab es dazu nicht. Im Vergleich der Kfz-Haftpflicht plus Teilkasko mit 150 Euro SB inklusive Autoschutzbrief für einen gebrauchten Fiat 500, der an der Straße geparkt wird, bieten HUK24/Basis Select (390 Euro Jahresbeitrag), ADAC-Autoversicherung/Basistarif (420 Euro), HUK-Coburg/Basis Select (440 Euro), Ergo/Smart (480 Euro) und Allianz/Smart (512 Euro) die günstigsten Preise.

… Methodik im Dunkeln und Bilanzen nicht beachtet

Die konkrete Bewertungsmethodik wird jedoch nicht deutlich gemacht. „Es gibt auch günstige Tarife ohne Datenermittlung“, dieser Hinweis lässt den Leser weitgehend allein, so dass er ohne Berater nicht weiterkommt. Zudem könnten Verluste der Anbieter sich im Folgejahr durch steigende Preise auswirken. Im Vorjahr waren Garanta, Oldenburgische Landesbrandkasse, Europa, R+V Direkt und Allianz Direct unprofitabler als 2020, hat die V.E.R.S. Leipzig GmbH in ihrem Branchenmonitor Kraftfahrtversicherung ermittelt.

Immerhin wird auf einige Tücken verwiesen. Einige Versicherer nutzen für die Aufzeichnung des Fahrverhaltens die GPS-Daten des Fahrer-Smartphones, andere einen fest angebrachten Telematik-Sensor. Die Krux beim Smartphone: „Es kann Ihre Fahrten mit fremden Autos, Bus oder Bahn als Ihre eigenen Fahrten verbuchen, die sich wiederum negativ auf Ihre Bewertung auswirken, wenn Sie diese nicht manuell reklamieren“, warnt Finanztest. Aus den meisten Telematik-Bausteinen kann man ohne lange Fristen wieder aussteigen, verliert dann aber den bis dato eingefahrenen Rabatt.

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