Schadenfall der Woche: 60.000 Dollar für ein Stück Karton

Martin Thaler Panorama

Für Pokemon-Karten werden teils absurde Summen gezahlt – so auch von einem Mann aus den USA. Sein Problem: Sein Geld hierfür hatte er sich erschwindelt, nun hat der Kauf für ihn schwere Konsequenzen. Doch auch die Staatsanwaltschaft steht vor Herausforderungen.

Schadenfall Bild: procontra

Seine Pokemon-Sammelleidenschaft kommt einen Mann aus Georgia nun teuer zu stehen. Bild: procontra

Sie heißen Relaxo, Plaudagei, Deponitox oder Mauzi und sind weltweit Kult: Die Rede ist natürlich von Pokemon – fiktive Monster (Pokemon ist eine Verkürzung von Pocket Monster), die Kinder sammeln, trainieren und gegeneinander antreten lassen können. Der eine oder andere wird sich an dieser Stelle vielleicht noch an die berühmt-berüchtigte „Pokemon-Police“ von Knip und der Barmenia erinnern – eine Unfallpolice, mit der sich Spieler absichern konnten, die ihren Blick nicht vom Smartphone nehmen wollten.

Doch Pokemon kann man nicht nur übers Smartphone oder die Videospiel-Konsole zocken, sondern auch per Kartenspiel. Und längst üben Pikachu & Co. nicht nur eine Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche, sondern auch auf Erwachsene und sogar Investoren aus. Denn die Spielkarten sind zu begehrten Sammlerobjekten geworden. Für besonders seltene Exemplare werden teils Summen gezahlt, mit denen man sich locker auch ein Eigenheim finanzieren könnte. Fünf- und sogar sechsstellige Beträge für ein Stück Karton sind längst keine Seltenheit mehr.

Erschlichene Staatshilfen in Höhe von 85.000 Euro

Ein Sammler aus dem US-Bundesstaat Georgia hat nun aber Ärger mit der amerikanischen Justiz bekommen. Der Grund: Betrug. Doch von Anfang an: Im Jahr 2020 hatte ein 31-Jähriger von der amerikanischen Regierung Corona-Hilfen beantragt. Auch die amerikanische Bundesregierung war damals bestrebt, Unternehmen bei der Bewältigung der weltweiten Pandemie zu unterstützen. Unter Vorgabe falscher Daten zu Umsatz und Beschäftigtenzahl erschlich sich der Mann insgesamt Staatshilfen in Höhe von 85.000 Euro, wie die „New York Times“ berichtet.

Das Geld floss allerdings nicht in das angeblich strauchelnde Unternehmen, sondern in eine Pokemon-Karte. Für genau 57.789 US-Dollar ersteigerte der 31-Jährige eine offenbar besonders seltene Karte von Glurak (Englisch: Charizard), einem feuerspeienden Drachen.

Doch der Betrug flog auf – nun muss der 31-Jährige die nächsten Jahre wohl auf Pokemon-Duelle verzichten. Nicht nur muss er die erschwindelten 85.000 Dollar sowie weitere 10.000 Dollar zurückzahlen, ihn erwartet auch eine Haftstrafe von drei Jahren – ein entsprechendes Urteil wurde nun gefällt.

Auch die Staatsanwaltschaft, die die Pokemon-Karte einkassiert hat, steht nun vor einer Herausforderung. So richtig was mit der Sammelkarte anzufangen, weiß die Staatsanwaltschaft nicht, berichtet die New York Times. „Die typischen Kriminellen kaufen Immobilien, Autos, Boote und Flugzeuge“, erklärte Staatsanwalt Xavier Cunningham – es koste einige Mühe herauszufinden, was das „Taschenmonster“ überhaupt wert ist.

Nun soll Glurak abermals versteigert werden – wer Interesse und das nötige Kleingeld hat, sollte für den Kauf aber besser auf staatliche Hilfsleistungen verzichten.

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