Psychologie: Angst vor dem Absturz beherrschen

Detlef Pohl Berater Investmentfonds

Nach den guten Ergebnissen 2021 haben sich viele Verbraucher der Aktienanlage genähert. Doch seit dem Überfall auf die Ukraine herrscht nackte Panik, die Börsen rutschten in den Keller. Ein Finanzanalytiker gibt Tipps gegen die Angst.

Derzeit verlieren die Börsenkurse kräftig. Zuvor ging es jedoch 22 Jahre fast nur bergauf. Daher dürfte der Kursverfall langfristig kaum Auswirkungen haben. Bild: Pixabay/Mediamodifier

Derzeit verlieren die Börsenkurse kräftig. Zuvor ging es jedoch 22 Jahre fast nur bergauf. Daher dürfte der Kursverfall langfristig kaum Auswirkungen haben. Bild: Pixabay/Mediamodifier

Der Deutsche Aktienindex (DAX) hatte im März 2009 bei einem Stand von weniger als 4.000 Punkten einen nahezu konstanten Aufwärtstrend vorgelegt, der am 18. November 2021 mit einem neuen Allzeit-Hoch von 16.290 Punkten vorläufig endete. Durch die russische Invasion und deren vermeintliche Folgen für die Weltwirtschaft fiel der deutsche Leitindex massiv und startete mit nur 12.450 Punkte in die neue Woche – ein Verlust von 23,5 Prozent gegenüber dem Allzeit-Hoch vor dreieinhalb Monaten.

Um besser einschätzen zu können, welche Erträge Aktieninvestments langfristig abwerfen können, lohnt ein Blick auf die Rendite-Dreiecke für verschiedene Börsenindizes. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hatte kürzlich seine neuen Rendite-Dreiecke vorgelegt. Ein Ergebnis: Der DAX 40 legte 2021 um fast 16 Prozent zu. „Entscheidend ist nicht der richtige Einstiegszeitpunkt, sondern die Dauer der Aktienanlage“, betont DAI-Vorstand Christine Bortenlänger. Die Zeit schlage den Zeitpunkt, erinnert sie an eine alte Börsenregel.

Politische und militärische Börsen nur von kurzer Dauer

„Die Rendite-Dreiecke zeigen auch, dass Kursverluste am Aktienmarkt mitunter schnell wieder ausgeglichen werden und die langfristige Rendite von Aktien attraktiv ist“, sagt Bortenlänger. Fondsanleger bestätigen, dass frühere militärische Auseinandersetzungen meist nur kurzfristigen Einfluss auf die Börsen hatten. Es bleibt abzuwarten, ob das diesmal auch so ist, zumal Russland angedroht hat, auch nukleare Waffen einzusetzen.

Im Moment grassiert die Angst vor einem sich ausweitenden Krieg und vor weiteren Abstürzen an den Börsen. „Angst hat nicht nur fatale Auswirkungen auf die Psyche, sondern auch auf den Umgang mit Geld“, schrieb Finanzanalytiker Volker Looman kürzlich in seiner FAZ-Kolumne und mahnte zu innerer Ruhe. Falls die Kurse der Aktien in sechs Monaten um 50 Prozent fallen und in den nächsten 25 Jahren nicht wieder steigen, könnte selbst eine teure Immobilie in Berlin eine gute Investition sein, meint Looman, um ironisch nachzulegen: „Natürlich nur, wenn Putin in 15 Jahren Berlin nicht überfällt.“

Persönlicher Einfluss nur auf eigene Ängste

Niemand wisse aber, was in Zukunft passiert, auch nicht an der Börse. Es könne richtig sein, zu kaufen, wenn die Kanonen donnern. Genauso könne kurzfristig eine entgegengesetzte Börsenregel richtig sein, die etwa besagt: Greife niemals in ein fallendes Messer. Gemeint ist, dass Aktien, deren Kurse gefallen sind, auch noch weiter fallen könnten.

„Das ist alles pure Spekulation, aber wir können unsere Ängste bekämpfen“, legt Looman die Finger in die Wunde. Zu diesen Ängsten gehöre auch, dass man kein Geld verlieren darf. Genau diese innere Ur-Angst führt aktuell zu massivem Stress. Natürlich könne man über diese finanziellen Sorgen mit einem Psychologen oder Therapeuten reden und danach versuchen, die Struktur des Depots so anzupassen, dass nicht jede neue schlechte Nachricht Herzrasen verursacht.

Durchatmen und in Ruhe langfristige Ziele anpeilen

Doch die Umschichtung in sogenannte sichere Häfen wie Staatsanleihen oder Festgeld bringt bei vielen wieder andere Ängste zum Klingen, etwa die, dass Geldanlagen mindestens Zinsen abwerfen müssten und keinesfalls Strafzinsen hinzunehmen seien. Das ist jedoch in der heutigen Zeit kaum möglich, wenn man sich von der Börse abwendet. So muss man sich entscheiden. Looman hält viel davon, sich als Angsthase zu bekennen, weil man auf Zinsen verzichtet, und seinen Frieden damit zu machen.

Risikobewusste dagegen sollten den „täglichen Medienkonsum minimieren und auch nicht laufend auf die Kurse schauen“, meint der Finanzanalytiker. Dies sei das beste Heilmittel im Kampf gegen Strafzinsen, Inflation und Kursverluste und bringt vielen die Ruhe, über die weitere Gestaltung des Vermögens nachzudenken. „Jeder sollte die Struktur finden, die zu ihm passt, und diese Verteilung auf lange Zeit durchhalten“, rät Looman. Zwischenzeitlich sinkende Kurse seien kein Drama, weil „jeder Krieg und jede Pest ihr Ende haben und es danach wieder bergauf geht“, so Looman. Dies war immer so und werde immer so bleiben.

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