pro/contra: Taugt die Europa-Rente als Altersvorsorgelösung für alle?

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In wenigen Tagen fällt der Startschuss für die europäische, grenzüberschreitende Altersvorsorge, kurz PEPP. Über die Sinnhaftigkeit der Europa-Rente diskutieren für procontra Til Klein, Mitglied im EIOPA-PEPP-Expertenrat, und Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften.

pro/contra: Europarente, Bild: Vantik, ifa Ulm

Die Europarente ist nicht unumstritten. Til Klein, Gründer Vantik und Mitglied im EIOPA Pepp-Expertenrat (links) und Dr. Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) (rechts), bringen für procontra ihre Sicht der Dinge auf den Punkt. Bild: Vantik, ifa Ulm

Am 22. März soll die Europa-Rente eingeführt werden. Dabei strebt die EU für die Policen einen Inflationsausgleich sowie den Vertrieb als Garantieprodukt an. Die Chance, dass die europäische Altersvorsorge demnächst den Markt erobert, schätzte der GDV kürzlich als gering ein. Die Vorgaben der EU für die Versicherer seien einer Studie zufolge zu hoch. Wie erfolgsversprechend die sogenannte PEPP sein wird, diskutieren für procontra der PEPP-Experte Til Klein und Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften.

Til Klein (Gründer Vantik, Mitglied im PEPP-Expertenrat): Pro

Mit dem Pan-European Personal Pension Product (PEPP) hat die EU den Rahmen für eine zeitgemäße private Altersvorsorge in Europa gelegt. Die Europarente ist sowohl für die Verbraucher:innen als auch für Anbieter attraktiv.

Insbesondere für Verbraucher:innen bringt die Europarente erhebliche Vorteile. Vor allem mehr Rente im Alter durch mehr Rendite und weniger Kosten. Eine höhere Rendite wird durch flexiblere Anlagevorschriften und den Wegfall teurer Garantien möglich. Mehr Wettbewerb, mehr Digitalisierung und mehr Skalierbarkeit führen mittelfristig auch zu niedrigeren Kosten. Außerdem wird der Markt für private Altersvorsorge durch einheitliche Informationen und die Einführung eines Standardproduktes, des sogenannten Basis-PEPP, für Verbraucher:innen deutlich transparenter und übersichtlicher. Und wenn diese nicht mehr zufrieden mit einem gewählten Produkt oder Anbieter sind, können sie mindestens alle fünf Jahre wechseln. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Europarente sowohl in der Ansparphase als auch in der Auszahlungsphase europaweit über Grenzen hinweg mitgenommen werden kann.

Asset Manager und Robo-Advisor stehen in den Startlöchern

Offen ist derzeit noch die steuerliche Behandlung, die auf nationaler Ebene geregelt werden muss. Im Wahlkampf hat der heutige Bundesfinanzminister Christian Lindner versprochen, die Europarrente mit anderen Produkten wie Riester und Rürup steuerlich gleichzustellen. Auch für Anbieter ist die Europarente eine große Chance, längst überfällige Themen anzugehen. Mit ihr kommt der rechtliche und regulatorische Rahmen, europaweit eine digitale und flexible Altersvorsorge ohne teure Garantien anbieten zu können. Dabei wird den Anbietern sehr viel Gestaltungsspielraum z. B. hinsichtlich Anlagestrategien, möglichen Zusatzabsicherungen und der Auszahlungsarten gelassen.

Leider hat die Versicherungsbranche bisher keine Absicht erkennen lassen, die neuen Möglichkeiten der Europarente zu nutzen, um innovative und zeitgemäße private Altersvorsorge-Produkte auf den Markt zu bringen. Der Reformbedarf beim Thema der privaten Altersvorsorge ist hoch und längst überfällig. Mit der Europarente gibt es jetzt einen rechtlichen Rahmen für innovative, neue Anbieter und für moderne Produkte. Die Europarente ist vielleicht noch nicht perfekt, so gibt es noch einige offene Fragen zu klären und es herrscht gegebenenfalls Nachbesserungsbedarf an einigen Stellen. Aber grundsätzlich ist die Europarente ein großer Fortschritt in die richtige Richtung, sowohl für Verbraucher:innen als auch für Anbieter.

Es wird daher Zeit, dass die Versicherungsbranche endlich ihren Widerstand gegen die Europarente aufgibt und die Chance ergreift, die private Altersvorsorge zu modernisieren. Andernfalls kann es sein, dass sie von neuen Spielern überholt wird. Denn mit der Europarente kommt auch die Öffnung der privaten Altersvorsorge für Nicht-Versicherungen, wie z.B. Asset Manager, Robo-Advisor und Neobroker. Die stehen schon in den Startlöchern, um die Innovationslücke zu füllen, welche die Versicherungsbranche offen lässt.

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