Getsafe: 300.000 Kunden und noch lange nicht genug

Florian Burghardt Digital Versicherungen

Getsafe hat die Marke von 300.000 Kunden überschritten und ist seit kurzem auch Lebensversicherer. Laut CEO Christian Wiens geht es nun aber erst richtig los. Soeben wurde die Lizenz für drei weitere Länder beantragt, zudem sollen Altersvorsorgeprodukte und Krankenversicherungen folgen.

Bild: Getsafe

Bislang ist Christian Wiens mit Getsafe in Deutschland und Großbritannien aktiv. Der Neoversicherer will nun aber noch in drei weiteren europäischen Ländern loslegen. Bild: Getsafe

Seit rund sieben Jahren ist Getsafe auf dem Markt. Ein Zeitraum, in dem sich die Unternehmenslandschaft der jungen Wilden in der Versicherungsbranche gefühlt schon drei Mal selbst umgekrempelt hat. Deshalb wird der Begriff des Insurtechs, der häufig mit Start-ups assoziiert wird, dem Heidelberger Unternehmen nicht mehr wirklich gerecht.

Das verdeutlichen auch die heute kommunizierten Zahlen des fast ausschließlich digital agierenden Unternehmens: Zum Ende des Geschäftsjahres 2021 hatte die Kundenzahl die Marke von 300.000 überschritten, im Bestand befinden sich nun rund 350.000 Verträge. Die meisten davon stammen aus Deutschland. Hier hatte Getsafe erst im Herbst die Versichererlizenz erhalten und zuvor als Assekuradeur agiert.

Lizenzen für Frankreich, Italien und Österreich beantragt

Neben den bereits seit längerem angebotenen Haftpflicht-, Hausrat- und Kfz-Versicherungen hat der Neoversicherer – so die selbst gewählte Bezeichnung – seit Anfang 2022 auch Lebensversicherungen aus dem Bereich Arbeitskraftabsicherung in der Auslage. Im Laufe des Jahres sollen diese noch um Altersvorsorgeprodukte ergänzt werden und auch einen eigenen privaten Krankenversicherer will Gründer und CEO Christian Wiens aufbauen. „Letztes Jahr war ein Wendepunkt. Wir haben die Robustheit des Geschäftsmodells bewiesen und wachsen im In- und Ausland schneller als erwartet. 2022 werden wir diesen Wachstumspfad nochmals beschleunigen“, so Wiens.

Gemeint sind damit zum einen die Expansionsziele Frankreich, Italien und Österreich. Für alle drei Staaten hat Getsafe jetzt im März die Ausweitung der Geschäftstätigkeit bei der BaFin beantragt. Überzeugt werden sollen die dortigen Verbraucher mit schnellen, digitalisierten Services. Laut Getsafe seien über 90 Prozent der über die eigene App angebotenen Interaktionen automatisiert. Die daraus resultierenden niedrigen Kosten will der Neoversicherer über günstige Prämien weitergeben. In Großbritannien, wo das Unternehmen bereits aktiv ist, will man ab April auch eine Wohngebäudeversicherung anbieten.

Grundsätzlich setzt der Neoversicherer darauf, dass seine Hauptzielgruppe, die digital-affinen Millennials, zunehmend selbst fürs Alter vorsorgen werden und dabei auf Lebensversicherer setzen, die den Prozess komplett über das Smartphone anbieten. Zwar hat der GDV seine Wachstumsprognose für das LV-Neugeschäft heute, vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, von zwei auf ein Prozent gesenkt. Bei Getsafe geht man jedoch von einer anderen Marschrichtung aus. „Die Nachfrage von Getsafe-Kund:innen nach Lebensversicherungen ist seit der Einführung im Januar regelrecht explodiert“, so Wiens. Das stimme ihn zuversichtlich, einen starken Lebens- und Krankenversicherer in Europa aufbauen zu können.

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