Finanztest: Angreifbarer Test von Rechtsschutzpolicen

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Rechtsschutz kann sich in Beruf, Verkehr und privatem Bereich lohnen. Warum der neue Finanztest trotz leicht verändertem Bewertungsdesign angreifbar und auch eine Umfrage unter Anwälten zu Erfahrungen mit Versicherern kaum aussagekräftig ist.

Finanztest: Angreifbarer Test von Rechtsschutzpolicen Bild: Adobe Stock/Murrstock

Eine Rechtsschutzpolice hilft praktisch auf Knopfdruck, das Prozesskostenrisiko zu begrenzen. Ein Selbstbehalt im Schadenfall lohnt kaum. Bild: Adobe Stock/Murrstock

Die Stiftung Warentest hat in der April-Ausgabe von Finanztest 60 Rechtsschutz-Tarife von 29 Anbietern verglichen und dabei das Augenmerk vor allem auf Familien gelegt, die als Nicht-Selbstständige das Paket für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr nutzen wollen. Vor zwei Jahren waren im Test nur 49 Tarife von 22 Anbietern vertreten.

Nicht aufgeführt wurden auch diesmal wieder Tarife ohne den von Finanztest definierten Mindestschutz. „Mindestens“ folgende Leistungen mussten mit jeder Police abgedeckt sein:

  • weltweite Deckung für Schadenersatz-Rechtsschutz
  • Arbeitsrechtsschutz
  • Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht (auch außergerichtlich)
  • steuerrechtsschutz vor Gerichten
  • Sozialgerichtsrechtsschutz
  • Verwaltungsrechtsschutz in Verkehrssachen
  • Disziplinar- und Standesrechtsschutz
  • Strafrechtsschutz
  • Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz
  • Beratungsrechtsschutz im Familien- und Erbrecht

Ob dieser Maßstab sinnvoll ist, wurde auch diesmal von zahlreichen Maklern in Internetforen kritisch hinterfragt, darunter die fehlende Bewertung des Kündigungsrechts durch den Versicherer, da eine solche Kündigung Rechtsschutz anderswo quasi unmöglich mache.

Kaum Augenmerk auf konkrete AVB

In das Testurteil gingen die AVB zu 90 Prozent ein und die Verständlichkeit zu zehn Prozent. Die Teilnote zu den AVB „ergibt sich aus einer Fülle von Bewertungskriterien“, heißt es in der Zeitschrift. Welche Kriterien das genau sind und in welcher Gewichtung sie in diese Teilnote einflossen, wird wie schon vor zwei Jahren nicht transparent, ist aber wichtig, etwa, wann der Versicherungsfall eintritt. Nirgends wird auf eine ausreichend hohe Deckungssumme verwiesen, die bei mindestens 300.000 Euro liegen sollte. Einige Gesellschaften bieten inzwischen sogar unbegrenzte Deckung.

Die Benotung einiger Anbieter hat sich gegenüber dem Test 2020 „deutlich verschoben“. Als Grund gibt Finanztest an, dass der Bundesgerichtshof (BGH) 2021 die kundenunfreundliche Klausel der Arag zum „verstoßabhängigen Rechtsschutzfall“ gekippt hat (Az.: IV ZR 221/19). Diese Klausel ermöglichte es Rechtsschutzversicherern, die Deckungszusage zu verweigern, wenn der Kunde in seiner Begründung nicht die gegnerischen Argumente berücksichtigt. Die Klausel werde nun marktweit nicht mehr angewendet.

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