„Es gibt viele positiv Verrückte in unserer Branche!“

Abenteuer Nachhaltigkeit Berater von Beatrix Altmann

Versicherungsmakler Klaus Hermann hat Panama erreicht und befindet sich bereits auf seinem gefährlichen Trip durch den Darién Gap. procontra hat ihn vor dem Abflug nach Lateinamerika noch zu einem Interview getroffen. Warum dies eine Reise in Sachen Nachhaltigkeit ist und was er sich von der Versicherungsbranche wünscht, verrät er exklusiv.

Klaus Hermann. Bild: privat

Exklusiv für procontra und Pangaea Life hat Klaus Hermann aktuelle und spannende Eindrücke von seiner Dschungeltour geschickt. Bild: privat

procontra: Sie sind Makler, Abenteurer und Buchautor – wie passt das zusammen? Oder anders gefragt: Wie kommt ein Makler dazu, solche Strapazen auf sich zu nehmen?

Klaus Hermann: Na, ja. Ein Makler ist in seinem Charakter nicht vorgefertigt. Es gibt viele positiv Verrückte in unserer Branche. Ich bin einer davon. Ich liebe meinen Job. Es ist jedoch für mich sehr wichtig, auch den anderen Leidenschaften meines Lebens Freiraum zu geben. Während meiner Abwesenheit kümmert sich mein großartiges Team um den Laden und unsere Kunden.

procontra: Was erwarten Sie von der Reise für Ihren Alltag als Makler – werden sich Ihre Erfahrungen möglicherweise auf Ihre Arbeit auswirken?

Hermann: Die gewonnenen Erkenntnisse werden sich sicherlich eher für mich als Menschen insgesamt auswirken. In meinem Job befinde ich mich zwar täglich in einem Dschungel aus tausenden Tarifen, aber das ist mit dem in Panama nur schwer zu vergleichen. Ich denke, die kommenden Erfahrungen könnten helfen, sich stärker auf das Wesentliche zu konzentrieren. Außerdem werde ich feststellen, wie wenig man wirklich zum (Über)leben braucht.

procontra: Nun wissen Sie als Makler auch, dass man gut vorsorgen muss… Haben Sie das auch für Ihre Reise beherzigt – und gibt es vielleicht sogar einen Notfallplan?

Hermann: Selbstverständlich ist das erledigt. Neben der Auslandsreisekrankenversicherung mit notwendigem Rücktransport ist der Rücktritt und Abbruch abgesichert, die Bergungskosten nach einem Unfall und für weitere Szenarien gibt es schon länger einen Notfallordner, in dem alle Vollmachten geregelt sind. Für den Notfall vor Ort haben wir ein Satellitentelefon dabei, mit dem ein Helikopter angefordert werden könnte.

procontra: Ihre Mission ist es, auf die Umweltverschmutzung weltweit hinzuweisen. Ist Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche angekommen – oder ist es bis dahin noch ein weiter Weg?

Hermann: Ich glaube unsere Branche kann nur einen kleinen Teil zum Gesamtpaket der notwendigen Maßnahmen beitragen. Leider ist es jedoch so, dass selbst da noch viel zu tun ist. Wenn auf einer Veranstaltung der Branche, wie kürzlich von mir erlebt, tagsüber die Nachhaltigkeit gepredigt wird, abends dann aber das argentinische Rinderfilet serviert wird, dann ist das ein Beispiel dafür, dass wir noch nicht weit genug sind. Es wird noch viel grün angestrichen und nicht konsequent und wirklich ernsthaft gehandelt.

procontra: Was muss sich Ihrer Meinung nach noch dringend ändern?   

Hermann: Die Versicherer könnten mit ihrer Marktmacht unmittelbar auf das Verhalten der Verbraucher einwirken. So wie Ende der neunziger Jahre. Damals hat die Automobilbranche ernsthaft behauptet, elektronische Wegfahrsperren wären nicht serienmäßig zu verbauen. Als die Versicherer, dann 10% Selbstbeteiligung bei Diebstahl eines PKW ohne Wegfahrsperren eingeführt hat, ging alles dann blitzschnell. In der Art und Weise ginge das auch heute. Für Elektrofahrzeuge, Bodenbeläge aus nachhaltiger Forstwirtschaft, niedrig emittierende Geräte und so weiter. Erste Ansätze sind da, aber in der Breite fehlt da noch die Ernsthaftigkeit. Außerdem sollten die Versicherer viel früher aus allen Anlagen aussteigen, die unserem Klima schaden. Das wären starke und klare Botschaften.

procontra: Wie sieht Ihre persönliche Nachhaltigkeitsbilanz aus?

Hermann: Wie für fast jeden Mitteleuropäer, schlecht.  Wir haben zwar nur einen PKW im Haushalt, ich fahre alle möglichen Wege mit der Bahn oder mit dem Rad, ernähre mich überwiegend vegan, kaufe viel Bio und regional, habe meinen Konsum stark eingeschränkt, Ecosia statt Google, trinke Leitungswasser, steuere das Heizen digital und ökologisch und vieles mehr. Auch, wenn ich damit 40% unter den Durchschnittsemissionen eines Deutschen liege, ist es Fakt. Wenn alle Menschen so emittieren würden, wäre der Planet nicht mehr zu retten. Wir brauchen viel größere Anstrengungen, um das Schlimmste für unsere Spezies zu verhindern.

procontra: Welche Wünsche und Erwartungen haben Sie an Ihre Reise?  

Hermann: Gesund und verletzungsfrei bleiben, viel Spaß, Grenzerfahrungen, einen tollen Team Spirit, Demut vor Natur und aufregende Geschichten, die mir keiner mehr nehmen kann.

procontra: Und was sind Ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft?

Niemals aufgeben, positiv, neugierig und lebensfroh bleiben. Dazu der beinahe unverschämte Wunsch und mein festes Vorhaben, zum überwiegenden Teil die Dinge zu tun, die mir Freude bereiten.

Hier können Sie Dschungelpate für Klaus Hermann werden.

 

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