Boom dank Solarpflicht: Bei PV-Versicherungen liegt der Teufel im Detail

Carla Fritz Berater Versicherungen Top News

Kommt eine Solarpflicht für alle? Eher als gedacht? Und damit mehr Nachfrage nach Risikoschutz? Auch wenn eine Allgefahrendeckung für die Solartechnik vieles vereinfacht, im Detail braucht es oft den Spezialisten.

PV-Anlage, Bild: Adobe Stock/ Marina Lohrbach

In vielen Bundesländern besteht ab 2022 die Pflicht, bei Neubauten und Dachsanierungen Photovoltaikanlagen zu installieren. Bild: Adobe Stock/ Marina Lohrbach

„Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden.“ So ist es im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung festgehalten. Das dürfte auch Gegenstand der nächsten Umweltministerkonferenz der Länder sein. Einige sind schon vorgeprescht. So etwa Baden-Württemberg, das für Neubauten – egal ob Gewerbe oder Wohnen – bereits in diesem Jahr Photovoltaik-Anlagen vorschreibt und ab 2023 für Bestandsbauten bei umfassender Dachsanierung. Ähnliche Regelungen für neue und Bestandsgebäude greifen in Berlin ab 2023 sowie in Hamburg 2023/2025. In Niedersachsen soll die Solarpflicht für alle Dächer im Neubau 2025 kommen.

Im Grunde läuft man damit längst offene Türen ein. „Die Nachfrage nach PV-Anlagen ist groß, allein weil sich die Strompreise stark erhöht haben“, sagt Dirk Sennholz, Leiter Elektronikversicherung der VHV. Konkret macht er dies auch an den um 70 Prozent gewachsenen Stückzahlen für PV-Versicherungen in seinem Haus in den vergangenen anderthalb Jahren fest.

Häufige Überlegung ist dann, sich eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch aufs Dach zu setzen in Kombination mit Speicher und Ladestation für Elektromobilität. Das sei sehr attraktiv: zu 60 bis 80 Prozent Stromselbstversorger plus irgendwann ein Elektrofahrzeug, mit dem man unabhängiger von der Zapfsäule ist.

Pakete im Vergleich

Dementsprechend sind inzwischen auch die marktgängigen Spezial-Pakete zur Absicherung der Solartechnik ausgerichtet: eine Allgefahrendeckung, die im Rahmen der Elektronikversicherung abgeschlossen wird und neben der PV-Anlage nunmehr auch Speicher und Wallbox einschließt. „Bei manchen Anbietern automatisch, wenn beides in der Investitionssumme enthalten ist. Andere nehmen einen separaten Beitrag dafür“, sagt Georg Lendermann vom Online-Versicherungsmakler Rosanowske, über dessen Plattform www.rosa-photovoltaik.de zunehmend auch andere Makler ihre Kunden mit Versicherungsschutz eindecken.

Eine Frage, die sich beim Vergleich außerdem stellt: Ab wann beginnt die Abschreibung der Batterie in der Entschädigung? Jede hat bekanntlich nur eine begrenzte herstellerabhängige Anzahl von Ladezyklen, sie verbraucht sich mit der Zeit. Manche Anbieter erstatten bei einem Totalschaden über fünf Jahre 100 Prozent, ehe die Versicherungsleistung prozentual sinkt, bei anderen schon früher und möglicherweise auch in anderen Prozentschritten. „Das sind die feinen Unterschiede in den Bedingungswerken“, so Lendermann.

Einen reinen Batteriespeicherschaden habe man aber bisher noch nicht regulieren müssen. Die meisten Schäden treten nach seiner Erfahrung an der ebenfalls versicherten Peripherie der Anlage, und da vorrangig bei Wechselrichtern, auf. „Bei Gewitter etwa steigen sie – durch Überspannungsschäden – als Erste aus. Aber oft auch ohne äußere Einwirkung, durch innere Betriebsschäden.“ Ein Risiko, das nach seinen Worten längst nicht alle Gesellschaften abdecken.

37.500 Euro als Obergrenze

Normalerweise muss der Versicherte die „äußere Einwirkung“ nachweisen, wenn ein elektronisches Bauteil defekt ist. „Dieser Passus im Kleingedruckten entfällt dann.“ Die Versicherung zahlt also auch ohne diesen Nachweis bis zu einer bestimmten Höhe und Dauer von zehn, zwölf oder 15 Jahren oder ohne zeitliche Begrenzung. „Bei Kosten von beispielsweise 1.500 Euro für einen neuen Wechselrichter hat man den Beitrag für 20 Jahre insofern schon bei einem Schadenfall raus“, bezieht sich der Spezialmakler auf die hauseigenen Konzepte für einen Mindestbeitrag von 75 Euro netto, mit dem PV-Anlage und Speicher bis ca. 37.500 Euro inklusive Ertragsausfall versichert sind. Eine Obergrenze, die auch für andere Mindestbeiträge am Markt üblich ist. „In der Regel stehen auf Einfamilienhausdächern Anlagen zwischen 6 und 15 kWp. Dann reden wir über Investitionskosten von ca. 6.000 bis 12.000 Euro und obendrauf noch einmal in etwa die gleiche Summe für den Batteriespeicher.“

Gewissermaßen auf Kundenzuruf entstand jetzt auch ein Konzept für öffentlich zugängliche Ladestationen. „Das ist ja auch unser Geschäft“, so Lendermann. „Wir müssen Augen und Ohren offenhalten: Wo gibt es den Bedarf?“

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