„Aufgeklärte Kunden sind die besten Kunden“

Martin Thaler Berater Versicherungen

Bastian Kunkel betreibt einen der erfolgreichsten Youtube-Kanäle zum Thema Versicherungen. Jetzt hat der Versicherungsmakler auch ein Buch geschrieben. Im Interview spricht er über den negativen Ruf der Branche und wie das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen werden kann.

Bild: privat

Bastian Kunkel ist erfolgreicher Youtuber, Versicherungsmakler und jetzt auch Autor eines Buchs. Bild: privat

procontra: Normalerweise erreichen Sie Ihre Hörer beziehungsweise Zuschauer auf YouTube, Instagram oder TikTok – das dürfte eher ein digitalaffines, jüngeres Publikum sein. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel „Total ver(un)sichert: Was du mit 18 über Versicherungen wissen solltest, aber mit 30 immer noch nicht weißt“. Wollen Sie mit einem nun auch ältere Semester erreichen?

Bastian Kunkel: Durch den Untertitel des Buchs wird, denke ich, klar, dass ich hier keine ältere Zielgruppe ansprechen möchte. Die Zielgruppe ist quasi die gleiche, zumindest in Bezug auf das Alter. Aber die meisten Menschen kennen meinen Youtube-Kanal „Versicherungen mit Kopf“ nicht und mit dem Buch habe ich nun einen weiteren „Kanal“ wie ich Menschen erreichen und über Versicherungen aufklären kann. Dazu hat ein Buch natürlich auch noch mal eine andere Wertigkeit und eignet sich auch super als Geschenk, zum Beispiel zum 18. Geburtstag.

procontra: Einer der Gründe, warum Sie überhaupt Youtuber geworden sind, war ein Ereignis, bei dem sie von einem Kunden versetzt wurden – weil es an Wertschätzung gegenüber Versicherungsvermittlern mangelt. Woran liegt das?

Kunkel: Das Berufsbild ist leider immer noch extrem negativ behaftet. Das liegt zum einen daran, dass es natürlich einige Vermittler und Versicherer gab, die in der Vergangenheit großen Mist gebaut haben. Zum anderen passiert das aber auch heute noch. Und sowas sind natürlich absolute Leckerbissen für die Medien, die genau wissen, dass sich negative Schlagzeilen um ein Vielfaches besser verkaufen als positive. Dann kommen noch die „vererbten Glaubenssätze“ der Eltern dazu. Und schon ist ein Meinungsbild über den Versicherungsvermittler entstanden, das heutzutage zwar meist nicht mehr der Realität entspricht, aber dennoch unglaublich fest in den Köpfen der Menschen verankert ist. In meinen Augen spielen einige Medien leider hierbei eine entscheidende Rolle, was die Verunsicherung der Menschen angeht.

procontra: Inwiefern kann denn Ihr Buch helfen, das Ansehen und damit das Vertrauen gegenüber dem Versicherungsvermittler wiederherzustellen?

Kunkel: Indem ich einfach sage, was Sache ist. Es ist heutzutage gesellschaftlich akzeptiert, sich nicht um seine Versicherungen zu kümmern und wenn es kracht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber so einfach ist das nun einmal nicht. Beim Thema Versicherungen und Finanzen spielt Eigenverantwortung eine extrem große Rolle. Und genau da hole ich die Menschen ab. Erstmal richtig Salz in die offenen Wunden kippen und dann kann der „Heilungsprozess“ mit einem neuen Versicherungs-Mindset und den richtigen Versicherungsprinzipien starten.

procontra: Häufig wird in Deutschland die geringe Finanzbildung vieler Menschen kritisiert. Wie erleben Sie das in Ihrem Arbeitsalltag?

Kunkel: Da ist durchaus was dran. Auch hier findet sich leider oft das Mindset oder auch die Ausrede, dass man das ja alles nicht in der Schule gelernt hat und deswegen gar nichts dafür kann, wenn man sich mit Finanzen nicht auskennt. Unwissenheit schützt aber nun einmal nicht vor Strafe. Und bei Versicherungen könnte diese Strafe dann eine – zurecht – ausbleibende Versicherungsleistung sein. Eine der größten Wissenslücken besteht mit Sicherheit darin, was die Menschen glauben, was versichert ist und was dann wirklich versichert ist.

procontra: Ein Kapitel im Buch dreht sich auch um das richtige Versicherungs- und Mindset. Wo hapert es hier?

Kunkel: An allem. Menschen verlassen sich bei Versicherungen viel zu sehr auf die Meinung von Menschen, die keine Ahnung haben, anstatt sich auf die Suche nach den Fakten zu begeben und mit den Menschen zu sprechen, die wirklich Ahnung haben. Das – und ich kann es nicht anders sagen – Perverse ist teilweise, dass irgendein „Finanzblog“, der gestern ins Leben gerufen wurde, alleine deshalb glaubwürdiger ist als ein Versicherungsvermittler, weil er oder sie eben kein Versicherungsvermittler ist. Und genau hier rüttelt mein Buch die Menschen wach und versucht ein besseres Versicherungs-Mindset zu vermitteln.

procontra: Inwiefern hilft ein aufgeklärter Kunde Ihnen als Makler?

Kunkel: Aufgeklärte Kunden sind die besten Kunden. Wenn der Kunde schon genau weiß, was er oder sie will oder wie Versicherung XY funktioniert, dann ist das doch der Optimalfall. Man muss einen Kunden zum Beispiel nicht stundenlang überzeugen, dass er eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht. Das weiß der Kunde schon. Aufgeschlaute Kunden werden auch viel seltener einen Vertrag kündigen, weil sie genau wissen, warum sie ihn abgeschlossen haben. Deshalb kann mein Buch auch ein perfektes Kundengeschenk sein und damit indirekt auch gegen Stornos und Kündigen helfen. Weil der Kunde einfach weiß, worauf es ankommt und was wichtig ist.

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