11 Tipps für ein nachhaltiges Maklerbüro

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Die Nachfrage nach nachhaltigen Versicherungen und Finanzprodukten steigt und die Branche reagiert darauf: Immer mehr Unternehmen stellen ihren Betrieb entlang ökologischer und ethischer Kriterien um. Höchste Zeit also, dass auch Berater ihr Büro und den Arbeitsalltag nachhaltig organisieren.

11 Tipps für ein nachhaltiges Maklerbüro Bild: Adobe Stock/contrastwerkstatt

Makler, die ihre Kunden glaubhaft zu nachhaltigen Produkten beraten wollen, sollten auch ihren eigenen Arbeitsalltag nachhaltig gestalten. Bild: Adobe Stock/contrastwerkstatt

Nicht nur Kunden, sondern auch die Versicherer nehmen nach und nach grünes Wirtschaften stärker in den Blick - beispielsweise auf Produktseite. So bieten beispielsweise die Barmenia, Greensurance, Grün versichert oder Pangaea Life Haftpflicht-, Hausrat- oder Kfz-Versicherungen mit grünem Anstrich.

Auch die Risiken im Bezug auf den Klimawandel werden bei den Versicherer mittlerweile breiter adressiert. Bei mittlerweile rund 92 Prozent der Versicherer und Pensionsfonds ist bereits die gesamte Geschäftsleitung und nicht nur einzelne Vorstandsressorts für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken verantwortlich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen BaFin-Umfrage unter 260 Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds.

Ab August dieses Jahres sind auch Berater dazu verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden bei der Geldanlage abzufragen. Aber ist es mit grünen Versicherungen, ESG-konformen Anlagen und der künftigen Abfragepflicht getan? Makler, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen und dem Wunsch ihrer Kunden nachkommen wollen, sozial verträglich und umweltschonende Produkte anzubieten, sollten auch darüber nachdenken, wie sie ihr Büro nachhaltiger gestalten. Denn welcher Kunde nimmt einem Makler das Streben nach Nachhaltigkeit ab, wenn der Berater mit einem SUV vor dem Büro parkt, einen Cappuccino aus der Kaffee-Kapselmaschine anbietet oder jede Information gleich schwarz auf weiß, oder noch besser: in Farbe, ausdruckt?

Auf dem Weg zum nachhaltigen Beraterbüro lässt sich schon mit Hilfe kleiner Stellschrauben einiges erreichen. Zu Beginn sollten Berater jedoch erst einmal den eigenen Büro-CO2-Fußabdruck ermitteln. „Heizung, Strom oder Wasserverbrauch lassen sich in speziellen Tools eintragen, die die ausgestoßene CO2-Last ausrechnen“, erklärte am Freitag Julia-Maria Lohmeyer, Nachhaltigkeitsbeauftrage des Maklerpools germanBroker.net in einem Webinar zum Thema „Nachhaltige Finanzberatung“ .

Nicht nur lassen sich so die größten Umweltsünden im Büro ausmachen. Mithilfe der Daten können die eigenen Emissionen überhaupt erst ausgeglichen werden, indem beispielsweise in Klimaprojekte investiert wird. Sinnvoll kann auch eine Energieeffizienzberatung sein: Dabei kommt ein Energieberater ins Büro und untersucht, welches die größten Energiefresser sind, erstellt einen Bericht und gibt im Anschluss Handlungsanweisungen, so Lohmeyer. Bis zu 80 Prozent der dafür erforderlichen Kosten werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernommen.

Wie Sie danach weiter vorgehen können, erfahren Sie in den folgenden 11 Tipps für das nachhaltige Maklerbüro, die am Freitag bei einem Nachhaltigkeits-Workshop der Bayerischen genannt wurden.

1. Umstieg auf Ökostrom

Setzen Sie beim Thema Energiegewinnung unbedingt auf Ökostrom, der Wechsel geht meist leicht über die Bühne. „Doch aufgepasst: Achten Sie darauf, dass der Anbieter auch wirklich in den Ausbau der Ökostromanlagen investiert und nicht nebenher noch Atom- oder Kohlestrom anbietet“, rät Lohmeyer. Am besten lasse sich über die Ökostrom-Zertifizierung des jeweiligen Tarifs überprüfen, ob alles mit grünen Dingen zugeht. Eine sinnvolle Idee kann auch die eigene Solaranlage auf dem Dach des Beraterbüros sein.

2. Kaufen Sie regional ein

Auch beim Thema „Obstschale im Büro“ lässt sich ein positiver Effekt erzielen: Kaufen Sie nur bei regionalen Anbietern möglichst saisonales Obst und Gemüse ein, denn das ist grundsätzlich nachhaltiger. Lange Transportwege fallen weg, so wird der eigene CO2-Abruch automatisch geringer. „Sie sollten dabei auch die Wertschöpfungs- und Lieferkette betrachten“, erklärt die Nachhaltigkeitsbeauftrage Lohmeyer. Denn nicht alles, was unter dem Label „regional“ angeboten wird, ist es auch.

3. Klimaneutrale Ablage

Es ist eine Binse, aber immer noch nicht überall angekommen: Sensibilisieren Sie ihre Mitarbeiter dafür, dass nicht jede Information auch auf Papier ausgedruckt werden muss. Home-Office hat sicher dabei geholfen, diesen Fakt zu internalisieren. Achten Sie auf den klimaneutralen Versand von Briefen und Paketen. Das geht beispielsweise mit klimaneutralen Versanddiensten  wie DHL Go-Green. Auch sollten elektronische Geräte während der Pause und vor allem nach Dienstschluss ausgeschaltet werden. Der Letzte macht das Licht aus!

4. Bieten Sie weiterhin Home-Office an!

Die Remote-Arbeit ist nicht nur zeitgemäß und schon gar nicht mehr wegzudenken, sie ist auch ressourcenschonender, schließlich fällt der Weg zur Arbeit weg. Wenn Sie aber auch auf Präsenztage setzen wollen, bieten sich Fahrgemeinschaften an. „Mittlerweile gibt es Apps, die sich explizit an Unternehmen richten, um den Mitarbeitenden die Bildung von Fahrgemeinschaften zu erleichtern“, rät Lohmeyer. Ein anderer Effekt des Home-Office: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dadurch enorm erleichtert, manch einer braucht die Ruhe zum konzentrierten Arbeiten – das hat auch positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Nachhaltigkeit bedeutet eben auch: Gesundheit.

5. Stellen Sie den Fuhrpark um

Apropos Fahrtwege: Auch ein Zuschuss für ein Fahrrad oder bei längeren Strecken die finanzielle Unterstützung für den Kauf eines E-Bikes verringern den CO2-Fußabdruck Ihres Büros! Wenn es nicht anders geht, und Sie brauchen ein Auto, steigen Sie auf E-Wagen um. „Ab 30 Kilometer lohnt sich ein E-Auto, bei kürzeren Strecken bietet sich ein E-Bike an“, so Lohmeyer.

6. Nutzen Sie nachhaltige Konten

Die Nachfrage nach ökologisch und sozialverträglich wirtschaftenden Geldhäusern steigt: „Nachhaltige Banken haben zweistellige Zuwachsraten, die Bilanz der etablierten Banken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank gehen deutlich nach unten“, resümiert Uwe Mahrt, Geschäftsführer der Pangaea Life, der nachhaltigen Tochter der Bayerischen. Ein Umstieg auf ein solches Bankinstitut bietet sich in der Tat an, schließlich machen diese Banken einiges anders: Nicht nur legen sie offen, wohin das Geld fließt. Sie lehnen Spekulationen auf Nahrungsmittel ab wie auch die Investition in Waffenhandel, fördern Energieprojekte und halten sich an bestimmte Ausschlusskriterien, schließen also Investitionen in Unternehmen, die für Tierversuche, Kinderarbeit oder andere Menschenrechtsverletzungen bekannt sind, ab. Faire deutsche Finanzinstitute gibt es mittlerweile viele: Die bekanntesten, die GLS Bank, die Ethik Bank, Triodos Bank, KD-Bank oder Pax Bank sind laut des Fair Finance Guide 2020 zu empfehlen. Diesen Geldhäusern waren keine Verbindungen zu kritischen Unternehmen nachzuweisen.

7. Die nachhaltige IT

Achten Sie beim Kauf der Bürotechnik auf gesetzlich geschützte Siegel: „Inzwischen haben sich hier auch erste brauchbare Standards entwickelt und es gibt zertifizierte Technik“, erläutert die Nachhaltigkeitsexpertin Lohmeyer. Energie Star, TCO, Nordic Ecolabel sind Label, auf die Sie bei der Anschaffung der IT achten können. Sie können auch gebrauchte Geräte kaufen, das spart Geld und Ressourcen. Wenn es ein Neugerät sein muss, sollte darauf geachtet werden, ob es sich auch reparieren lässt.

8. Das umweltfreundliche Mobiliar

Auch die Arbeitsplätze selbst können nachhaltig sein: Stühle, Tische oder Regale gibt es mittlerweile aus natürlichen Materialien, dazu oft noch regional angefertigt. „Sie sind frei von Toxinen und gesundheitsschädlichen Chemikalien und somit gut für die Gesundheit der Mitarbeiter“, bemerkt Lohmeyer. Ein Maklerbüro ist natürlich auch für die Laufkundschaft gedacht, das heißt, es ist auch in der Optik ein Aushängeschild und zeigt die inhaltliche Richtung an: Wer nun denkt, er müsse in der Farbwahl zwingend auf grün setzen, irrt: „Grün hat so einen Zeigefinger-Touch, aber wir wollen ja nicht mahnend sein“, erklärt Pangaea-Life-Geschäftsführer Mahrt. Blau passe hingegen besser und erinnere an Wasser und Ozeane. Mahrt hat noch einen Tipp: Mooswände. Die lassen sich sogar selbst basteln, erklärt Mahrt. Im Internet finden sich entsprechende Anleitungen. „Kunden sollten das Thema Nachhaltigkeit schon im Büro fühlen“, sagt er.

9. Nutzen Sie nachhaltige Werbemittel

Nahezu jeder Bundesbürger besitzt Werbemittel: Bei 98 Prozent aller Deutschen finden sich Kugelschreiber, Regenschirm oder Jutebeutel mit einem Firmenlogo versehen, sagt Dirk Stange, Key Account Manager bei der Werbeagentur Bamberger & Schneider. Werbemittel sollten also in ihrer Reichweite nicht unterschätzt werden. Und: Sie werden oft lange genutzt, ein Firmenemblem nistet sich also in den Alltag vieler ganz unbewusst ein. „Jedes Werbemittel ist die Visitenkarte eines Unternehmens und dabei gilt: Qualität vor Quantität“, mahnt Stange. Im besten Falle sollte der Nutzen von hoher Dauer sein und für das nachhaltige Büro unerlässlich: ökologisch vertretbar.

Wie wäre es beispielsweise mit einem Bleistift, der am Stiftende mit Pflanzensamen gefüllt ist? Ist der Bleistift irgendwann zu klein geworden, um mit ihm noch zu schreiben, lässt er sich einfach in einen Blumentopf stecken und führt dort zu erfreulichen Blüten. Klingt vielleicht seltsam, aber immerhin originell und noch dazu: umweltfreundlich. Beim Thema Kugelschreiber gilt das Label „Made in Germany“ zu beachten. „Das ist wichtig, weil man sonst nicht immer nachvollziehen kann, wie sie befüllt sind“, erklärt Stange. Soll heißen: Die Schadstoffbelastung kann hoch sein oder die Menge der Tinte zu klein, was den Verschleiß befördert.

Stange rät bei der Anschaffung von Stoffbeuteln als Werbemittel zur Vorsicht: Neue Baumwolltaschen werden oftmals nicht unbedingt regional produziert und für ihre Herstellung ist die unglaubliche Menge von 1.200 Litern Wasser notwendig. Besser sind da receycelte Jutebeutel, deren Produktion nur 0,02 Liter Wasser verbraucht. Achten sollte man auch darauf, mit farbigen Motiven zu sparen, schließlich ist das Einfärben äußerst umweltschädlich.

Wer für seine Kunden gerne Hefter rausgibt oder Papiertaschen kann auf umweltfreundliches Steinpapier umsteigen: Für die Herstellung dieses Papiers mit einer besonders samtigen Haptik werden 80 Prozent Kalksteinmehl und 20 Prozent Bioharze verwendet. Bäume müssen dafür nicht gefällt werden. Sie sind reiß- und wasserfest. Sollten Sie also für Ihr Maklerbüro auf einem Messestand werben, bietet sich diese Alternative für ihr Werbematerial an.

10. Bilden Sie sich weiter

Wer sich noch zu unsicher auf dem Weg hin zum grünen Maklerbüro fühlt, kann auch eine der vielen Fortbildungsmöglichkeiten nutzen. Lohmeyer selbst hat sich bei dem Unternehmen Ecoreporter zur Fachberaterin für nachhaltige Investments ausbilden lassen. Daneben bietet aber auch die Deutsche Makler Akademie die Weiterbildung zum Experten für nachhaltige Finanzen und Versicherungen an. Auch bei der Europäischen Akademie für Finanzplanung lässt sich der Titel „Zertifiziert/e Nachhaltigkeitsberater/in“ erwerben.

11. Gut Ding will Weile haben

Einen letzten Ratschlag haben wir noch für Sie: Hängen Sie Checklisten im Büro auf, auf denen die Tipps leicht verständlich und für alle zugänglich zu lesen sind. So erfahren Ihre Angestellten, welches Verhalten sich positiv auf die Umwelt auswirkt und werden konstant daran erinnert. Denn Gewohnheiten sind nicht leicht zu ändern, mindestens sechs Wochen muss ein neues Verhalten eingeübt werden, damit es auch sitzt.

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