Zahl der Pensionskassen unter „intensivierter Aufsicht“ steigt

Martin Thaler Berater

Das Niedrigzinsumfeld und neue Regeln machen den Pensionskassen immer mehr zu schaffen: Mittlerweile befinden sich bereits 40 unter strengerer Aufsicht der BaFin – bei einer einstelligen Zahl ist die Situation offenbar besonders ernst.

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Hat derzeit 40 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht: BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund. Bild: BaFin

Erst kürzlich vermeldete die BaFin nach jahrelangem Hin-und-Her den endgültigen Entzug der Geschäftserlaubnis für die Steuerberater-Pensionskasse. Nun wird offenbar, dass es auch um immer mehr andere Pensionskassen finanziell nicht gut bestellt ist.  

40 Pensionskassen sind mittlerweile unter sogenannter „intensivierter Aufsicht“ der BaFin, berichtet das „Handelsblatt“ und beruft sich auf aktuelle Zahlen der Finanzaufsicht. Im vergangenen Jahr waren es „nur“ 36 Kassen gewesen, bei denen sich die BaFin aufgrund geringer Eigenmittel sorgt, dass sie ihre garantierten Leistungen den Kunden gegenüber nicht dauerhaft erbringen können. Um diese sicherzustellen, ist die BaFin in engem Kontakt mit den Kassen. Mehrmals jährlich müssen diese zum Rapport, über ihre aktuellen Geschäftsentwicklungen berichten und darlegen, welche Erträge sie in den kommenden Jahren erwirtschaften wollen. Die BaFin prüft daraufhin, ob diese Erträge zur Finanzierung der Zinsversprechen ausreichen.

40 von 135 Kassen unter intensivierter Aufsicht

Damit hat sich die finanzielle Situation vieler Kassen nicht gebessert, obwohl es in vielen Fällen Kapitalzuschüsse seitens der Trägerunternehmen gab, wie BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund gegenüber dem Handelsblatt erklärte. Mittlerweile fährt damit fast jede dritte der 135 Pensionskassen in Deutschland in schwerem Fahrwasser.  

Besonders gravierend ist die Situation bei einer einstelligen Anzahl von Kassen, erklärte Grund, „darunter die drei Kassen, die bereits Leistungskürzungen vornehmen mussten“. Gemeint ist damit neben der schon erwähnten Steuerberater-Kasse auch die Caritas- sowie die Kölner-Pensionskasse. Beiden hatte die BaFin bereits untersagt, Neugeschäft zu zeichnen. Auch Leistungskürzungen haben die zwei Kassen bereits vorgenommen. Welche Kassen darüber hinaus für besonders tiefe Sorgenfalten bei der BaFin sorgen, wollte Grund nicht sagen.  

Andere Kassen haben von sich aus das Neugeschäft eingestellt, darunter die Allianz. Die Münchener begründeten diesen Schritt mit der stark gesunkenen Nachfrage. Während 2019 bei der Allianz rund 300.000 Verträge in der Direktversicherung abgeschlossen wurden, waren es nur 5.711 über die Pensionskasse.  

Neben dem aktuellen Niedrigzinsumfeld ist es auch die zunehmende Regulatorik, die die Kassen unter Druck setzt, erklärt Peter Krönung, Pensionsexperte beim Beratungshaus WTW, gegenüber dem „Handelsblatt“.  So würden die Anforderungen im Bezug auf Dokumentation, Informationspflichten und Risikomanagement immer größer, womit laut Krönung vor allem kleinere Kassen zu kämpfen hätten.

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