Urteil: Vorsicht bei Werbung mit Nachhaltigkeit!

Martin Thaler Investmentfonds

Groß sind die Versprechen, die Banken und Fondsgesellschaften im Hinblick auf nachhaltige Geldanlagen machen. Manchmal sind sie auch zu groß, wie nun das Stuttgarter Landgericht in einem Fall gegen die Commerz Real feststellte.

Commerzbank Bild: picture alliance/Geisler-Fotopress

Die Commerzbank-Tochter Commerz Real musste vor dem Stuttgarter Landgericht eine Niederlage hinnehmen. Bild: picture alliance/Geisler-Fotopress

Es ist die perfekte Werbebotschaft: Vermehre Dein Geld und tue gleichzeitig damit etwas Gutes für die Welt. Auf diese Weise wird derzeit landauf, landab um nachhaltig orientierte Kunden geworben.

Doch nicht jedes dieser von Banken und Fondsgesellschaften gemachten Versprechen kann auch gehalten werden – das sorgt entsprechend für Ärger bei Verbraucherschützern. Aktuelles Beispiel: die zur Commerzbank-Gruppe gehörende Commerz Real. Diese warb für ihren Impact-Fonds klimaVest mit einem auf der Homepage eingebetteten Rechner, mit dem Anleger ihren persönlichen CO2-Fußabdruck berechnen konnten.  

3,5 Tonnen CO2 je 10.000 Euro

Doch damit nicht genug. Im weiteren Verlauf konnten die potenziellen Anleger zugleich ausrechnen, mit welchem Anlagebetrag sich ihr Fußabdruck ausgleichen ließe. Pro 10.000 Euro ließe sich der Fußabdruck um 3,5 Tonnen CO2 verkleinern, so das Versprechen. Mit seinem Geld könne der Anleger somit „messbar Klima schützen“. Genau hieran stieß sich die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus ihrer Sicht waren die Abfragekriterien viel zu ungenau formuliert, um hieraus einen echten CO2-Wert berechnen zu können.  

Der Fall landete schließlich vor dem Stuttgarter Landgericht (36 O 92/21 KfH), das nun ein Urteil fällte. Und dieses gab den Verbraucherschützern recht. Die angeprangerte Werbung bezeichnete das Gericht als unlauter und irreführend: So würden die Kunden nicht verstehen, dass es sich bei den auf der Webseite angegebenen 3,5 Tonnen CO2-Reduktion je 10.000 Euro lediglich um Zielwerte handele.  

Gerade bei der Werbung mit Umweltschutzbegriffen müsse – wie auch bei der Gesundheitswerbung – nach strengen Grundsätzen geurteilt werden. „Wegen der weiterhin bestehenden Unklarheiten insbesondere über Bedeutung und Inhalt von Begriffen wie etwa ,umweltfreundlich‘, ,umweltverträglich‘,, umweltschonend‘ oder ,bio‘ sowie der hierauf hindeutenden Zeichen ist eine Irreführungsgefahr im Bereich der umweltbezogenen Werbung besonders groß, zumal beworbene Produkte überdies regelmäßig nicht insgesamt und nicht in jeder Beziehung, sondern meist nur in Teilbereichen mehr oder weniger umweltschonender sind als andere Waren“, stellte das Gericht klar.  

Klares Signal an die gesamte Branche

Das Aufklärungsbedürfnis der Kunden sei entsprechend groß in diesen Fällen, legte das Gericht fest. Erfüllt wurde es von der Commerz Real jedoch nicht. Stattdessen wurde dem Webseitenbenutzer der Eindruck vermittelt, es handele sich bei den 3,5 Tonnen um einen fixen Wert, der auch nicht unterschritten werden, nicht aber bloß um Zielwerte. Die Werbung sei folglich irreführend, entschied das Gericht.  

„Dieses Urteil ist nicht nur ein wichtiges und klares Signal an die gesamte Branche, sondern auch an den Gesetzgeber. Es zeigt deutlich, dass Nachhaltigkeit eine reine Marketingstrategie ist, solange weder belastbare Methoden zur Wirkungsmessung bestehen noch gesetzliche Definitionen und Kennzeichnungen. Verbraucherinnen und Verbraucher werden mit Werbeaussagen getäuscht“, so Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Unabhängig vom vorliegenden Fall sei ein gesetzliches Kennzeichnungssystem für nachhaltige Geldanlagen notwendig, um dem sogenannten „Greenwashing“ Einhalt gebieten zu können. Die geplante EU-Taxonomieverordnung komme dieser Aufgabe nicht nach, so Nauhauser, da die ESG-Ratings auf den Selbstauskünften der Firmen basierten und folglich nicht zuverlässig seien.  

Auch im Fall der Commerz Real könnte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Zwar hat das Unternehmen die Werbung mittlerweile längst angepasst. So heißt es hier beispielsweise: „Der klimaVest hat das Ziel, pro 10.000 Euro, die der Fonds in erneuerbare Energien investiert, mindestens 3,5 Tonnen CO2 pro Jahr zu vermeiden (Soll-Wert)“.  Zufrieden ist Nauhauser mit dem Ergebnis allerdings nicht. „Es finden sich nach wie vor zahlreiche Punkte, die Verbraucherinnen und Verbrauchern ein diffuses Bild liefern“, bemängelt der Verbraucherschützer. „Wir werden prüfen, ob weitere rechtliche Schritte notwendig sind.“

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