Renditen: Back to normal?

Investmentfonds Gastkommentar von Dr. Hans-Jörg Naumer

Endlich hat die deutsche Bundesanleihe wieder positives Renditeterrain betreten. Grund zum Aufatmen für alle Anleger? Dafür ist es ein bisschen zu früh, glaubt Hans-Jörg Naumer. Was er Anlegern jetzt rät, lesen Sie in seinem Gastkommentar.

Dr. Hans-Jörg Naumer, Bild: Allianz

Dr. Hans-Jörg Naumer, Director Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors, Bild: Allianz

Warten auf Normalität – so heißt es auch im neuen Jahr. Weltweit weisen unverändert immer noch knapp 20 Prozent aller ausstehenden Anleihen eine negative Rendite aus. Wenn die 10-jährige deutsche Bundesanleihe endlich wieder positives Renditeterrain beträte, hätte das aufgrund ihrer Leitfunktion für den gesamten Anleihenmarkt der Eurozone Signalwirkung. Mehr aber nicht. Von einer Normalität bei Anleihen wären wir dann immer noch weit entfernt.

Zumindest wenn man unter „Normalität“ positive Nominalrenditen versteht – ein Bild, wie es über die letzten 5.000 Jahre der Geschichte von Schulden und Sühne vorherrschte, seit der Frühzeit in Mesopotamien bis vor wenigen Jahren – wäre damit immer noch nicht viel erreicht. Denn für den Kaufkrafterhalt sind die Realrenditen maßgeblich. Diese ergeben sich durch Abzug der Inflation von den Nominalrenditen. Bei steigenden Teuerungsraten ergibt sich dementsprechend ein trübes Bild.

Dabei setzt sich auch in Zentralbankkreisen immer mehr die Ansicht durch, dass die Preisanstiege der jüngeren Zeit eben nur zum Teil temporär sind. Einige Kostentreiber dürften hingegen mittelfristiger oder sogar permanenter Natur sein. Beispiel Arbeitsmarkt: Im Euroraum sank die Arbeitslosigkeit zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Pandemie. Zwar war der Lohndruck im Euroraum bislang verhalten, jedoch ist hier künftig mit höheren Abschlüssen zu rechnen.

Hinzu kommen Preistreiber, die struktureller Natur sind, wie der Klimawandel oder die Demographie. Allein in diesem Jahr werden in Deutschland über 300.000 Personen mehr in den Ruhestand gehen als in den Arbeitsmarkt eintreten. 2029 wird die Lücke Prognosen zufolge bereits 670.000 Personen betragen. „Das Methusalemkomplott“ (Frank Schirrmacher) läuft ab wie ein Uhrwerk.

Für Anleger heißt das: Auf die reale Rendite achten! Der Anlagenotstand bleibt bestehen, auch wenn die eine oder andere Anleihe wieder eine positive Rendite ausweist.

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