Rechtsreport 2022: Deutsche haben großes Vertrauen in die Justiz

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Ab einem Streitwert von 3.700 Euro ziehen die meisten Bundesbürger vor Gericht. Dabei ist ihnen die lange Verhandlungsdauer ein Dorn im Auge und in puncto Schadensersatz setzen sie immer häufiger auf LegalTechs. Eine aktuelle Studie nimmt das Verhältnis der Deutschen zum Rechtssystem unter die Lupe.

Rechtsschutz Bild: Adobe Stock/Jacob Lund

Das Vertrauen der Bundesbürger ins deutsche Rechtssystem ist offenbar groß. Dabei ziehen die meisten von ihnen ab einem Streitwert von 3.700 Euro vor Gericht. Bild: Adobe Stock/Jacob Lund

Ein Großteil der Bundesbürger ist mit dem deutschen Rechtssystem zufrieden: Mit 70 Prozent hat die überwiegende Mehrheit der Deutschen „viel“ oder sogar „sehr viel“ Vertrauen in Gesetze und Gerichte. Und: Das Bewusstsein der Menschen in puncto Justiz hat sich kaum verändert – auch in den vergangenen drei Jahren lag dieser Wert stets bei rund 70 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Rechtsreport des Rechtsschutzversicherers Roland, für den das Allensbach-Institut für Demoskopie mehr als 1.000 Bürger befragte.

Mehrheit hält die Gerichte für überlastet

Dabei ziehen die meisten Deutschen ab einem Streitwert von 3.700 Euro vor Gericht. „Aber auch unterhalb dieses Werts spielen sich gesellschaftlich bedeutsame Konflikte ab“, erklärt Roland-Vorstand Dr. Ulrich Eberhardt. „Hier sehen wir in der Untersuchung ein starkes Signal, sich noch stärker mit dem Anbieten alternativer Konfliktlösungsmechanismen zu beschäftigen.“ Das Bewusstsein der Deutschen für die Notwendigkeit von Rechtsschutzpolicen ist nach Statistiken des Branchenverbands GDV allerdings bereits stark ausgeprägt. Demnach steigen die jährlichen Beiträge für Rechtsschutzversicherungen kontinuierlich an: Von 3.621.000 Millionen Euro im Jahr 2015 kletterten sie auf 4.397.000 Euro im Jahr 2020. Gleichzeitig erhöhten sich auch die Leistungsausgaben im Bereich Rechtsschutz – von 2.652.000 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 3.236.000 Millionen im Jahr 2020.

Dabei vertritt die Mehrheit der im Rechtsreport befragten Bürger (56 Prozent) die Auffassung, dass sich durch Mediation oder Schlichtung viele rechtliche Auseinandersetzungen beilegen lassen. 46 Prozent der Befragten begrüßen die digitalen Angebote von LegalTechs zur Lösung rechtlicher Angelegenheiten – beispielsweise bei Schadenersatzforderungen oder der automatisierten Vertragserstellung. Und nur 27 Prozent sind der Ansicht, dass für solche Aufgaben künftig weiterhin ausschließlich Anwälte zuständig sein sollten.

Doch auch Kritik am deutschen Rechtssystem wurde in der Umfrage laut: 81 Prozent war die lange Dauer der Verfahren ein Dorn im Auge und 75 Prozent waren der Meinung, dass die Gerichte grundsätzlich zu viel Arbeit hätten und überlastet seien. 55 Prozent der Befragten finden die aktuellen Gesetze zu kompliziert.

Impfgegner sind skeptischer

Nur ein geringer Teil hat jedoch bereits persönliche Erfahrungen mit dem Justizsystem gemacht: Lediglich 24 Prozent waren in den vergangenen zehn Jahren einmal oder mehrmals an einem Gerichtsprozess beteiligt – als Beklagter, Kläger oder Zeuge. Bei den 30- bis 59-Jährigen und den Personen mit einer Rechtsschutzversicherung war dieser Anteil hingegen überdurchschnittlich hoch.

Ein besonders überraschendes Ergebnis: Die Spaltung der Deutschen in Bezug auf die Corona-Impfung spiegelt sich auch in der jeweiligen Bewertung des deutschen Justizsystems wider. So ist unter Impfverweigerern eine skeptische Einstellung stärker verbreitet als unter Impfbefürwortern: Nur 27 Prozent der Impfgegner haben Vertrauen in die Gesetze und nur 34 Prozent in die Gerichte, bei den Befürwortern liegt der Anteil bei 70 Prozent. „Die Polarisierung der Gesellschaft aufgrund der Impffrage kann auch für das Vertrauen in die Justiz erhebliche Konsequenzen mit sich bringen“, erklärte dazu Roland-Vorstand Eberhardt. Dies sei allerdings nur eine von vielen Herausforderungen, denen sich die Justiz aktuell stellen müsse.

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