Maklers Meinung: Streitbare Altersvorsorgepflicht für Selbstständige

Versicherungen Gastkommentar von Bert Heidekamp

Die Ampelregierung hat eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige in den Koalitionsvertrag gesetzt. Gilt die Pflicht tatsächlich nur für Existenzgründer könnte das erhebliche Folgen haben, kommentiert Versicherungsmakler und BDSF-Sachverständiger Bert Heidekamp.

Altersvorsorge für Selbstständige: Existenzgründer Bert Heidekamp, Versicherungsmakler, Analyst und geprüfter BDSF-Sachverständiger, Bild: privat

Wenn die „alten“ Selbstständigen keiner Pflicht unterliegen, werden sie ihre Leistungen günstiger anbieten können als die „neuen“, das kann dann zu Verwerfungen führen, kommentiert Bert Heidekamp, Versicherungsmakler, Analyst und geprüfter BDSF-Sachverständiger, Bild: privat

Grundsätzlich werden einige Vermittler Neukunden bei einer Altersvorsorgepflicht hinzugewinnen. Dennoch gilt, dass nicht alle Selbstständigen die Möglichkeit nutzen können, weil sie zum Beispiel der Pflichtversicherung der Deutschen Rentenversicherung unterliegen. Das trifft unter anderem auf Handwerker, Lehrer, Hebammen, Erzieher zu. Und nicht jeder Vermittler wird auch in der Lage sein, sich entsprechende Kenntnisse für die Beratung anzueignen.

Darüber hinaus wird auch die Höhe des Beitrags für eine Pflichtversicherung interessant werden. Bei Angestellten bezahlt der Arbeitgeber die eine Hälfte, was der Selbstständige in der Gesamtheit vielleicht allein tragen muss. Gilt die Pflicht tatsächlich nur für bestimmte Selbstständige – also für Existenzgründer – könnte das erhebliche Folgen haben. Bisher werden nur selten Kranken- und Altersvorsorgebeiträge in den Preisen von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt. Genau das kann dann zu Verwerfungen führen: Wenn die „alten“ Selbstständigen keiner Pflicht unterliegen, werden sie ihre Leistungen günstiger anbieten können als die „neuen“. Dadurch wird die Überlebensfähigkeit junger Selbstständiger schwerer.

Müssen in der Folge Verträge wegen Insolvenz beitragsfrei gestellt werden, führt das zu herben Stornobelastungen. Für die Vermittler bedeutet das, dass sie eventuell mehr Wert auf die Vermittlung von Nettotarifen legen müssten. Zudem sollten eventuell altersabhängig höhere Freibeträge eingeführt werden, so dass heute über 50-Jährige auch mehr als 2.000 Euro steuerlich absetzen könnten. Das würde nicht nur die Verwerfungen zwischen den „alten“ und „neuen“ Selbstständigen ausgleichen, es würde auch Ältere dazu bewegen, mehr Vorsorge für sich selbst zu betreiben.  

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