In Forst anlegen: „Wald ist kein einfaches Investment"

Anne Mareile Walter Investmentfonds Sachwerte Top News

Untere einstellige Renditen, aber krisensicher und wertbeständig: Wald rückt bei vielen Anlegern in den Fokus. Wer auf das Investment Forst setzt, hat jedoch einige Pflichten zu beachten.

Wald Bild: Adobe Stock/Smileus

Wer auf das Investment Wald setzt und Forst erwirbt, muss sich zunächst einmal viel Wissen aneignen, um überhaupt Rendite zu erwirtschaften. Bild: Adobe Stock/Smileus

Niedrigzinsen und eine Rekord-Inflation von fünf Prozent lässt viele Anleger nach alternativen Investments Ausschau halten. Neben Gold & Co. rückt dabei auch die Anlageklasse Wald in den Fokus. Auf der Online-Handelsplattform „Waldbörse“ ist nach Angaben des Betreibers Markus von Willert die Nachfrage nach Forstgrundstücken in den vergangenen Jahren sukzessive gestiegen.

Beim Erwerb von Forstgrundstücken habe sich aber ein Wandel vollzogen: Immer häufiger wird Wald nicht nur von Generation zu Generation vererbt, sondern auch online verkauft. „Dadurch steigt der Informationsbedarf, weil viele Käufer eben nicht wissen, wie man Wald richtig bewirtschaftet“, sagt von Willert.   

Die Rentabilität hängt von vielen Faktoren ab

Doch welche Pflichten haben Waldbesitzer? Und was gilt es bei der Nutzung von Wald als Investment zu beachten? „Wald ist kein einfaches Investment“, sagt von Willert. „Darüber muss man sich im Klaren sein.“ Häufig fehle Eigentümern das nötige Wissen über Bewirtschaftung, Aufforstung, Schädlingsbekämpfung oder Naturschutzvorgaben.

Hinzu kommt: Bis ein neu gepflanzter Baum Rendite abwirft, können 80 bis 100 Jahre vergehen. Denn ein Holzeinschlag rentiert sich häufig nur, wenn die Bäume eine bestimmte Größe erreicht haben. Ab welcher Grundstücksgröße sich das Investment Wald lohnt, darüber lasse sich laut von Willert keine pauschale Aussage treffen. „Die Rentabilität hängt von vielen Faktoren ab und hat unter anderem damit zu tun, wie jung oder alt der Baumbestand ist. Ein junger Wald verursacht erst einmal nur Kosten. Ein alter Wald kann da schon ertragreicher sein.“ Zudem hätten auch Standort und Bodenbeschaffenheit Einfluss auf den Baumbestand.

Aus Sicht von Karl-Joachim Baron von Brandenstein, Waldeigentümer und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), biete das Investment Wald aber auch viele Vorteile. Wenn Aktienkurse in den Keller rutschen und Renditen auf ein Mindestmaß schrumpfen, bleibe es beispielsweise stabil. „Der Wald hat bisher noch jede Krise überstanden“, sagt von Brandenstein. Auf der anderen Seite haben klimatische Faktoren wie Trockenheit, Waldbrand oder auch der Schädlingsbefall unmittelbare Auswirkungen auf den Ertrag. „Wenn Wald ein halbes oder ein Prozent Rendite abwirft, dann ist man schon gut dabei“, erklärt von Brandenstein und ergänzt: „Mit Aktienfonds oder Immobilien ist Wald nicht zu vergleichen.“

Dabei seien die Nutzungsarten der Anlage extrem unterschiedlich und reichen vom Verkauf für den Holzmarkt über das Schlagen von Kaminholz für den Eigenbedarf bis hin zur ausschließlichen Nutzung als Erholungsort. „Generell hat Wald einen hohen emotionalen Wert, der sich nicht in Euro und Cent ausdrücken lässt“, sagt von Brandenstein.  

Der Quadratmeterpreis für ein Forstgrundstück liegt im Schnitt zwischen 20 Cent und zwei Euro, rund zwei Millionen Waldbesitzer gibt es aktuell in Deutschland. Wer von der Bewirtschaftung leben möchte, kann dies laut AGDW theoretisch ab einer Größe von 250 Hektar. Dabei „herrschen“ Waldbesitzer jedoch nicht nur über ein kleines Stück Natur, sondern haben gleichzeitig auch eine Reihe von Pflichten zu erfüllen.

„Wer Wald besitzt, muss sich kümmern"

„Zunächst einmal ist jeder Waldbesitzer an das Bundes- oder Landeswaldgesetz gebunden und hat eine Begehung für die Allgemeinheit zu gewährleisten“, erklärt von Willert. Der Gesetze entsprechend müsse beispielsweise dafür gesorgt werden, dass Bäume nicht umstürzen können und so Spaziergänger gefährden. Auch das Errichten von Zäunen – sofern es nicht dem Schutz vor Wildverbiss diene – sei illegal, genauso wie Kahlschläge.

Zudem sind Waldbesitzer zur Zahlung der Grundsteuer verpflichtet und müssen eine gesetzliche Unfallversicherung abschließen. Die Entscheidung für eine betriebliche Haftpflicht oder Waldbrandversicherung hingegen ist freiwillig. „Man sollte mindestens einmal pro Jahr vor Ort sein und alle fünf bis zehn Jahre muss man pflegerisch tätig werden“, erklärt von Willert. „Wer Wald besitzt, muss sich kümmern.“

Rund die Hälfte des Waldes in Deutschland wird aktuell von privaten Eigentümern bewirtschaftet: Von den insgesamt 11,4 Millionen Hektar Wald sind 48 Prozent Privatwald. 29 Prozent des Waldes befindet sich im Eigentum der Länder, 19 Prozent in der Hand von Kommunen und Körperschaften, vier Prozent gehören dem Bund.

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